In der Stadt Jericho wurde, ähnlich wie in Damaskus, ebenfalls im Oktober an der dortigen Istiqlal-Universität ein Zentrum für russische Sprache und Kultur gegründet. Veranlasst hat es der Vorsitzende des Universitäts-Kuratoriums Tawfiq al Tirawi.

Russlandstudien in Palästina

Der Fatah-Funktionär und General war Jassir Arafats rechte Hand und der erste Chef des Sicherheitsdienstes der Autonomiebehörde. Er hat zwar nicht in der Sowjetzeit in Russland studiert, dürfte aber als Angehöriger der Fatah-Elite über Kontakte dorthin verfügt haben. Al Tirawi will Russlandstudien zum akademischen Schwerpunkt der Universität in Jericho machen. Auch Angehörige der PA-Sicherheitsorgane sollen dort ausgebildet werden.

Treffen von Assad und Putin im November 2017 in Sotschi; Foto: Reuters/Sputnik/M. Klimentyev
Historische Achse Damaskus-Moskau: Jüngst feierte man die wiederbelebte Waffenbrüderschaft beider Völker und den gemeinsamen Sieg über den "Terrorismus" – etwa in Fotoausstellungen wie "Syrien, das siegen wird", die nach mehreren Stationen in Russland auch kürzlich in Damaskus zu sehen war.

Damit zeichnet sich eine engere Zusammenarbeit zwischen Fatah-Kadern und den russischen Sicherheitsbehörden ab, die zu dem ohnehin regen bilateralen Kulturaustausch noch hinzukommen würde. Neben Jericho hat nämlich auch Bethlehem seit 2012 ein russisches Kulturzentrum, das Putin bei seinem damaligen Besuch mit einweihte.

Im Mai dieses Jahres erhielt die Stadt eine weitere russische Einrichtung: die "Putin-Stiftung für Kultur und Wirtschaft", deren Sitz der russische Präsident und sein palästinensischer Amtskollege per Videoübertragung bei ihrem damaligen Treffen in Sotschi einweihten. Das Gebäude in Bethlehem liegt in der Putin-Straße, die schon 2012 diesen Namen erhielt.

Im gleichen Jahr wurde auch in der Palästinensischen Autonomie das Fach Russisch an einer Hochschule eingeführt worden: an der An-Najah-Universität in Nablus. Der Initiator war der in Israel lebende und einst in Leningrad ausgebildete Ideenhistoriker Amr Mahamid.

Symbol alter russisch-arabischer Freundschaft

Neben seiner Dozententätigkeit in Nablus agiert er seit vielen Jahren auch als inoffizieller kultureller Botschafter Russlands in seinem palästinensischen Heimatort Umm al Fahm (heute Israel), wo er ein kleines russisches Kulturzentrum betreibt.

Mahamid, dessen Vater Gründungsmitglied der israelisch-arabischen kommunistischen Partei im Ort war, hat etliche Bücher zu den russisch-palästinensischen Kulturbeziehungen veröffentlicht. Eines davon behandelt die Geschichte der 1882 gegründeten "Kaiserlichen Orthodoxen Palästina-Gesellschaft", die sich unter ihrem jetzigen Chef Sergej Stepaschin, einem früheren russischen Ministerpräsidenten, seit einiger Zeit als Symbol alter russisch-arabischer Freundschaft geriert.

Im April besuchte Stepaschin Damaskus und kündigte die Eröffnung einer dortigen Niederlassung der Gesellschaft sowie einer russischen Schule an. In der syrischen Hauptstadt herrscht auch sonst im Hinblick auf die russisch-syrischen Kulturbeziehungen Hochstimmung.

Man feiert die wiederbelebte Waffenbrüderschaft beider Völker und den gemeinsamen Sieg über den "Terrorismus" – etwa in Fotoausstellungen wie "Syrien, das siegen wird", die nach mehreren Stationen in Russland auch kürzlich in Damaskus zu sehen war.

Joseph Croitoru

© Qantara.de 2017

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