Außer der Vermittlung von russischer Kultur in ihrer ganzen Breite – und, wo möglich, auch mit gewissen politischen Akzenten – streben Moskaus Kulturbeamte in den arabischen Ländern obendrein an, sich mit der Schul- und Hochschulsphäre zu vernetzen. So ist in den letzten Jahren an mehreren arabischen Universitäten Russisch als Fach eingeführt worden.

In Syrien – einem wichtigen Schwerpunkt der Außenpolitik Russlands in der Region – wird seit 2014 an der Universität von Damaskus ein Studiengang zu russischer Sprache und Kultur angeboten. Erst kürzlich – im Oktober – kam dort ein "Zentrum für russische Sprache" hinzu zu dessen Aufgaben unter anderem die Ausbildung einheimischer Russischlehrer gehört. Sie werden an den immer zahlreicher werdenden syrischen Schulen benötigt, an denen seit 2014 Russisch als Wahlfach unterrichtet wird.

Moskau, der Erbe von Byzanz, verwurzelt sich im Heiligen Land

Die Rossotrudnitschestwo wirbt massiv für ein Studium in Russland und vergibt immer mehr Stipendien an arabische Studenten. Entsprechend steigt das Interesse junger Araber an der russischen Kultur. Dies ist auch deshalb im Interesse Moskaus, weil jene Russisch sprechenden Araber, die in sowjetischer Zeit in Russland akademisch ausgebildet wurden und in ihrer Heimat später bisweilen einflussreiche Ämter bekleideten, inzwischen oftmals pensioniert wurden – obwohl sie weiterhin eine wichtige Stütze bleiben und gern als "Botschafter" russischer Kultur und Staatsinteressen in der arabischen Welt aktiviert werden. Ihr Wissen und ihre Kontakte geben sie an die jüngere Generation nicht nur in den einschlägigen Alumni-Vereinen weiter, sondern auch in Buchpublikationen, die die russisch-arabischen Beziehungen wohlwollend beleuchten.

In diesen, aber auch in Ausstellungsprojekten wird – meist unter weitgehender Marginalisierung der kommunistischen Zeit – versucht, eine möglichst Jahrhunderte währende Kulturverbundenheit von Russen und Arabern zu konstruieren.

Im Fall Palästina spricht man gar von einer jahrtausendealten Verbundenheit Russlands mit dem Heiligen Land. Die Palästinensische Autonomie ist für Moskaus Kulturbeamte ein leichtes Terrain, weil sie dort einen besonders prominenten Freund haben: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der schon zur PLO-Führung gehörte, als sie von der Sowjetunion unterstützt wurde.

Bei der Eröffnungsfeier der Juma-Moschee in Moskau: Mahmud Abbas neben Recep Tayyip Erdogan und Waldimir Putin; Foto: Reuters
Mahmud Abbas - einn alter Bekannter Moskaus: Die Palästinensische Autonomie ist für Moskaus Kulturbeamte ein leichtes Terrain, weil sie dort einen besonders prominenten Freund haben: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der schon zur PLO-Führung gehörte, als sie von der Sowjetunion unterstützt wurde.

Abbas hatte in Moskau Geschichte studiert und dort in den achtziger Jahren seine im Geiste des staatlich verordneten Antifaschismus verfasste Dissertation vorgelegt, in der die "geheimen Beziehungen" zwischen den Nationalsozialisten und den Zionisten behandelt werden.

Der russische Präsident Putin hatte Abbas schon 2005 in Ramallah besucht und 2010 erhielt Russland in Jericho aus den alten Besitztümern der Russisch-Orthodoxen Kirche ein großes Grundstück, auf dem ein russisches historisches Museum mit einer großangelegten Gartenanlage entstand. Die Straße, in der es sich befindet, nach dem damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew benannt. Medwedew hatte 2011 Jericho besucht, um das Museum offiziell zu eröffnen.

Wie Russen und Syrer gemeinsam den Terrorismus besiegten

Mit dem Museum wolle man auch die russische Präsenz im Heiligen Land stärken, hieß es bei Putins erneutem Besuch in den Palästinensergebieten im Jahr 2012. Dass diese Verbundenheit schon seit sehr langer Zeit besteht, suggeriert jede der beiden Ausstellungssektionen auf ihre Art.

So werden zum einen historische Fotos russischer Jerusalem-Pilger aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert präsentiert, die sich damals etwa auf dem Tempelberg ablichten ließen. Zum anderen sind archäologische Funde, die auf dem Areal des Museums entdeckt wurden und von einer byzantinischen Kirche stammen, zu bewundern. In der Manier des vom russischen Staat propagierten Neobyzantinismus wird so die jahrtausendealte Beziehung der Russen – als den historischen Erben von Byzanz – zum Heiligen Land beschworen. Für russische "Bibelreisende" ist das Museum längst Pflichtstation.

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