Siemens-Chef Kaeser: Geschäfte im Windschatten Trumps

Ein deutscher Unternehmer folgt Trumps Linie ohne Umwege: Joe Kaeser, der Vorstandsvorsitzende von Siemens. Er wollte trotz des Mordes an Kashoggi zur Investorenkonferenz nach Riad und begründete dies bei einem Auftritt im kanadischen Toronto so: "Wenn wir aufhören, mit Ländern zu kommunizieren, in denen Menschen vermisst werden, kann ich auch gleich zu Hause bleiben.“ Wenn man etwas ändern wolle, müsse man mit Menschen reden, nicht über Menschen, so Kaeser. Einen Tag vor Beginn der Konferenz sagte Kaeser dann seine Teilnahme doch noch ab.

Siemens-Chef sagt Teilnahme an Wirtschaftskonferenz in Riad ab
Großer Markt für Siemens: Saudi-Arabien ist für Siemens ein Milliardenmarkt, derzeit ist das Unternehmen dort an zwei Großprojekten beteiligt: dem Bau eines Gaskraftwerks und der neuen U-Bahn in der Hauptstadt Riad. Nach internationaler Empörung über den mutmaßlichen Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi hat Siemens-Chef Joe Kaeser einen Besuch in Saudi-Arabien abgesagt.

Wie passen seine Worte und sein Lavieren zu der Sache mit der Knochensäge? Auf dem Weg der Sprachverdrehung und der moralischen Verwahrlosung erweist sich der Chef des DAX-Konzerns Siemens als guter Schüler von Donald Trump.

Im Mai erklärte Kaeser im Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN, dass er "immer den Vorgaben der Politik" folge. Gemeint war die Politik von Donald Trump, genauer gesagt dessen Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Iran und die Aufforderung an Unternehmen, keine Geschäfte mehr in dem Land zu machen. Kaeser war einer der Ersten, der gehorchte. Als wolle der Siemens-Chef den "Untertan" aus dem berühmten Roman von Heinrich Mann noch einmal aufführen, und zwar gleich in der Hauptrolle. In dem Buch eifert der Unternehmer Diederich Heßling seinem Vorbild Kaiser Wilhelm II. bis zur Karikatur nach, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wohin der wilhelminische Imperialismus führen könnte.

Nach Auffassung des angesehenen Historikers Christopher Clark ist Wilhelm II. die einzige historische Führungspersönlichkeit, die weitreichende charakterliche Ähnlichkeiten mit dem amtierenden amerikanischen Präsidenten aufweist.

Kaeser scheint zu hoffen, dass er für seine Unterwerfung belohnt wird: mit guten Investitionsbedingungen in den USA, in Saudi-Arabien und damit, dass der US-Konzern General Electric ihm im Irak den Vortritt beim Neubau der Stromversorgung lässt. Ob der Plan aufgeht?

Wenn Trump jetzt gestoppt, wenn Mohammad bin Salman sofort abgesetzt und bestraft würde, wären die zu schreibenden politischen Schadensberichte schon sehr lang. Aber man muss Schlimmeres befürchten: Dass sie an der Macht bleiben und noch größeren Schaden anrichten werden.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001, an denen 15 Saudis beteiligt waren, sprach man in den Vereinigten Staaten von der großen Krise in den amerikanisch-saudischen Beziehungen. Man müsse die Abhängigkeit von dem Land, das eben nicht nur Erdöl sondern auch Terror exportiere, beenden, hieß es. Die Medien  brachten kritische Berichte und Michael Moore drehte seinen Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11".

Aber die Beziehung blieb. Und was ist ein Einsatzkommando von 15 Saudis mit einer Knochensäge gegen 15 Saudis, die ins World Trade Center und ins Pentagon fliegen? Gar nichts!

Stefan Buchen

© Deutsche Welle 2018

Der Autor arbeitet als Fernsehjournalist für das ARD-Magazin Panorama.

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