Migrationsmuseum in Köln

Ein "Haus der Einwanderungsgesellschaft"

Zu sehen gibt es noch wenig. Doch das Migrationsmuseum in Köln kommt, denn Bund und Land wollen viel Geld geben. Absehbar soll es in einer alten Industriehalle entstehen - als ein "Haus der Einwanderungsgesellschaft". Von Stefan Dege

22 Millionen Euro hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Parlaments kürzlich zugesagt, die gleiche Summe gibt das Land Nordrhein-Westfalen zum Bau des Migrationsmuseums dazu, die Stadt Köln steuert die einstige "Halle 70" des Motorenherstellers KHD (für Klöckner–Humboldt-Deutz/Anm. d. Red.) im Stadtteil Kalk bei.

Auch woher das Geld für den Betrieb des künftigen Museums kommen soll, steht nicht mehr in den Sternen, sagt Robert Fuchs, Geschäftsführer des Vereins "Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland", kurz: DOMiD, der die Trägerschaft übernehmen wird. Finanzieren will man sich über Eigeneinnahmen, mit öffentlichen Mitteln und Stiftungsgeldern.

Fuchs und seine inzwischen zehn festen Kolleginnen und Kollegen – darunter Museologen, Ethnologen und Dokumentare - vergossen Freudentränen, als die erlösende Nachricht der Projektfinanzierung aus Berlin durchsickerte. Auch ein paar Sektkorken knallten. Denn seit fast 30 Jahren setzt sich der Verein DOMiD für ein Migrationsmuseum ein. "Damals dachte die Gesellschaft noch, die 'Gastarbeiter' würden irgendwann in ihre Heimat zurückkehren ", so der Historiker, "unsere Gründerinnen und Gründer glaubten aber eher an eine dauerhafte Einwanderung – und wollten sie dokumentieren."

Größtes Exponat: ein alter Ford Transit

Vereinsmitglieder gingen in Betriebe und Vereine und trugen die verschiedensten Objekte zusammen – vom Reisepass und Flugticket der Ankömmlinge bis zum Kofferradio, mit dem die Menschen ihren Heimatsender lauschten. Von der Kassette, auf der gesprochene Botschaften über Ländergrenzen hinweg Familien verbanden, bis zum größten aller Objekte, einem historischen Ford Transit. Der pendelte ungezählte Male zwischen Deutschland und der Türkei hin und her. "Wir haben ihn zur Zeit bei Ford in Köln (Werk des Autoherstellers /Anm. d. Red.) geparkt", so Fuchs, "weil unsere Räume im Bezirksrathaus Köln-Ehrenfeld nicht für alle Schätze ausreichen."

Denn bis heute ist die Sammlung auf rund 150.000 Erinnerungsstücke angewachsen: Kassetten aus der Türkei, Zeitungen aus Polen, Kleider aus dem Senegal: Die Objekte lagern - staubdicht verpackt - im Depot. Eine größere Objektsammlung aus Afrika kam hinzu, ebenso die Sammlung Cap Anamur, die an die Rettung der vietnamesischen Flüchtlinge im Südchinesischen Meer, der sogenannten Boatpeople, vor 40 Jahren erinnert. Christel Neudeck, Ehefrau des Cap Anamur-Gründers Rupert Neudeck, hat sie bei DOMiD abgeliefert.

Museum soll Migranten hörbar machen

Jedes Exponat steht für ein Stück Migrationsgeschichte. Doch im neuen Museum möchte Fuchs diese nicht chronologisch erzählen, sondern in speziellen "Konzepträumen". So komplexe Begriffe wie "Identität", "Wandel", "Grenze" oder auch "Fremdheit" sollen erklärt und illustriert werden. Zwei Aufgaben will das Museum damit erfüllen: "Es soll zeigen: Ja, wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft", so Fuchs, "und es soll auch die Stimme der Migrantinnen und Migranten hörbar machen." Der Historiker will das Geschichtsverständnis in Deutschland verändern, indem er die auch Perspektive der Einwander zeigt. 

Ein Grafikentwurf zeigt, wie das "Haus der Einwanderungsgesellschaft" einmal aussehen könnte: In warmes Licht getaucht erinnert es an eine riesige Bahnhofshalle, in der verschiedene Themenbereiche Anlaufstellen bilden. Menschen sitzen auf den Stufen eines Atriums. Andere stehen vor Plakatwänden oder bestaunen das größte Objekt der Sammlung – den mit Koffern schwer beladenen Ford Transit.

Doch bis es soweit ist, dürfte in Köln noch reichlich Wasser den Rhein hinunterfließen. Mit der Museumseröffnung rechnet DOMiD frühestens im Jahr 2023. Vorher kann man schon mal im Internet vorbeischauen – erst letztes Jahr eröffnete das "Virtuelle Migrationsmuseum", ein von der Bundeszentrale für Politische Bildung gefördertes Online-Projekt.

Stefan Dege

© Deutsche Welle 2019

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