Die Schauspielerin galt als ledig und wohnte in einem Apartment im Teheraner Stadtteil Gholhak. Ihr "Ehemann“ sei die Person gewesen, die ihre Leiche gefunden habe, sagte der Teheraner Richter Mohammad Reza Sahebjomei, der mit seinem Team die Ermittlungen führt. Der "Ehemann" habe dem Richter erklärt, seine Frau habe allein in der Wohnung gelebt: “Ich habe sie vor zwei Tagen gesehen, sie wirkte wie immer. Gestern haben wir telefoniert und über alltägliche Dinge gesprochen.“ Die Beziehung bezeichnet er als gut. Der "Ehemann“ war beunruhigt, weil die Mutter von Zohreh ihm am Telefon sagte, sie gehe nicht ans Telefon. Zohreh hatte die Mutter am Nachmittag angerufen, sie habe traurig gewirkt und geweint, zitiert der "Ehemann“ die Mutter.

Am Vorabend hatte Zohreh Fakoor-Saboor ein Interview auf Instagram gepostet, das sie einem Fernsehsender gegeben hatte. Darin sagte sie dem Moderator, sie bereue es, Schauspielerin geworden zu sein. Hätte sie Kinder, würde sie ihnen verbieten, Schauspieler zu werden: Wäre sie so klug wie jetzt, hätte sie geheiratet und ihre Kinder großgezogen. Niemand, der über den rätselhaften Tod von Fakoor-Saboor recherchierte, konnte herausfinden oder wollte preisgeben, ob sie tatsächlich verheiratet und wer der ominöse "Ehemann“ war. Der einzige konkrete Hinweis stammt von Richter Sahebjomei, den der "Club der jungen Reporter“ mit den Worten zitiert, Nachforschungen hätten ergeben, dass die Person, die ihre Leiche fand, der Film- und Fernsehproduzent war. Die Verstorbene sei seine zweite Frau gewesen. Diese Information blieb von den Angehörigen unkommentiert.

Ein Moderator sagte bei der Beerdigung der Schauspielerin, bei der Hunderte von Celebrities anwesend waren: "Nur Gott ist allwissend. Wir wissen nur, dass Zohreh Fakoor-Saboor viel zu sagen hatte, was nun ungesagt bleibt. Worte können einen Menschen töten.“ Er bat die anwesenden Menschen, nicht über andere zu richten. Der 53-jährige Film- und Fernsehproduzent Mehran Maham, ein langjähriger Kollege, mit dem sie beinahe ein Vierteljahrhundert an über 20 TV-Serien und Filmprojekten gearbeitet hatte, saß am Grab und weinte laut und bitter.

Der Produzent wurde von einigen Medien im In- und Ausland direkt und indirekt als Zohrehs Ehemann gehandelt. Aber eine Menge offener Fragen steht noch im Raum. Sollte Zohreh tatsächlich die erste oder zweite Ehefrau von jemanden gewesen sein, macht es keinen Sinn, dass der angebliche "Ehemann" keinen Wohnungsschlüssel zur Verfügung hatte und der Hauswart kommen musste, um ihm den Zutritt zu ermöglichen.

Bisher galt: Frauen sind selber schuld

Bisher galt auch im Iran: Wird eine Frau sexuell belästigt oder erlebt einen Übergriff, ist sie selbst schuld. Wahrscheinlich saß ihr Hijab zu locker, ihr Kopftuch war zu dünn, der Mantel zu kurz oder sie hat gescherzt und auf der Straße gelacht.

Nun melden sich die beliebtesten Schauspielerinnen und Regisseurinnen des Iran zu Wort, die Abend für Abend Millionen Menschen beim Essen oder beim Tee Gesellschaft leisten. Seit die Lebensmittelpreise gestiegen sind, seitdem Covid tobt, ist nicht einmal die iranische Mittelschicht mehr in der Lage, Freunde und Verwandte einzuladen. Das Geld reicht bei vielen nicht einmal, um Obst und Knabberzeug für die Gäste zu kaufen.

So kommen häufiger die Schauspielerinnen als virtuelle Gäste "zu Besuch“, in aufwändig produzierten Serien mit Superstars und Spezialeffekten, oder in Spielfilmen, die davor womöglich auf der Berlinale, in Cannes, Locarno oder Venedig gezeigt wurden; Künstlerinnen, die internationale Preise erhalten haben und der Welt den Iran von einer positiven Seite zeigen. Ihre Fotos auf den roten Teppichen sind in europäischen Hochglanzmagazinen zu sehen; sie sind die Friedensbotschafterinnen des Volkes, anders als die grimmigen Männer mit Bart, die Macht und Militär repräsentieren.

Szene aus dem Film "Manuscripts don't burn" von Mohammad Rasoulof; Foto: Elle Driver
Botschafter der Freiheit: Männer und Frauen, Regisseure und Drehbuchautorinnen, Männer und Frauen in der iranischen Filmbranche setzen sich mit ihren Filme für Freiheit, Veränderung und eine Abschaffung der strengen Regeln im Iran ein. So wie Mohammad Rasoulof – hier eine Szene aus seinem Film "Manuscripts don’t burn“ - , dessen Filme in Cannes und Berlin ausgezeichnet wurden. Filmschaffende erobern im Iran die Herzen der Menschen wie Fußballstars in einigen europäischen Ländern. Schauspielerinnen sind dabei für das einfache Volk wichtiger als Regisseure, deren Namen nur ein paar Sekunden lang im Vor- oder Abspann ihrer Filme erscheinen.

Viele von ihnen setzen sich mit viel Fingerspitzengefühl gegen geltende Regeln und für mehr Freiheiten ein, mit ihrer Aufmachung, mit rotem Lippenstift und Haaren, die unter einem Hut oder schmalen Schal hervorschauen. Männer und Frauen, Regisseure und Drehbuchautorinnen setzen sich mit ihren Filmen für Freiheit, Veränderung und Abschaffung der strengen Regeln im Iran ein – wie Mohammad Rasoulof und Jafar Panahi, deren Filme in Cannes und Berlin ausgezeichnet wurden und die wegen Haftstrafen oder Ausreiseverboten ihre Preise nicht entgegennehmen konnten. Kurz, Filmschaffende erobern im Iran die Herzen der Menschen wie Fußballstars in einigen europäischen Ländern. Schauspielerinnen sind dabei für das einfache Volk wichtiger als Regisseure, deren Namen nur ein paar Sekunden lang im Vor- oder Abspann ihrer Filme erscheinen. Das gilt ganz besonders, wenn sie schön und klug sind.

Windelweicher Vorschlag vom "Haus des Kinos“

Das iranische "Haus des Kinos“ (HdK) hat auf den Offenen Brief der filmschaffenden Frauen reagiert. Das HdK wurde 1989 vom Direktor der Film-Sektion im Ministerium für Kultur und islamische Führung und der "Film-Stiftung Farabi“ gegründet. "Farabi“ soll eine nationale Einrichtung für das Filmschaffen im Iran sein und wird als Nichtregierungsorganisation bezeichnet. Tatsächlich wurde "Farabi“ jedoch aufgrund eines Regierungsbeschlusses gegründet und arbeitet unter der Aufsicht des Ministeriums für Kultur und islamische Führung.

In der Erklärung des HdK heißt es unter anderem: "Wir verurteilen möglicherweise ausgeübte Gewalt insbesondere sexueller Art in all ihren Erscheinungsformen“, und weiter: "Das HdK sieht es als seine elementare Aufgabe an, im Rahmen seiner Satzung und Befugnisse, die Verantwortung dafür zu tragen, dass Gewalt unterbunden wird, und verurteilt jeden Akt, der gegen die kulturelle Etikette und die Berufsethik von mit dem Kino verbundenen Menschen verstößt.“ Das HdK werde "selbstverständlich“ die dafür nötigen Maßnahmen ergreifen.

Zu diesem Zweck solle ein Gremium aus dem Vorstandsvorsitzenden und dem Vorsitzenden des Obersten Schiedsrates des HdK gegründet werden. Des weiteren sollen drei vertrauenswürdige Persönlichkeiten des iranischen Kinos, von der Generalversammlung des HdK gewählt, ein Vertreter des Ministeriums für Kultur und islamische Führung und ein Anwalt Mitglieder des Gremiums werden. Die Kommission soll unter Berücksichtigung ethischer Grundsätze wie Vertraulichkeit Beschwerden bearbeiten und Betroffenen die nötige Rechtsberatung bieten, um ihre Angelegenheiten notfalls vor Gericht zu bringen.

In "Altherrenmanier" lässt sich das Problem nicht lösen

Die Unterzeichnerinnen der Erklärung fordern, dass die Kompetenzen der Kommissionsmitglieder im Umgang mit sexueller Belästigung "belegbar, effektiv und messbar“ sein müssten. Die Mitglieder müssten dazu auch entsprechend geschult werden. Zudem solle das Gremium demokratisch gewählt werden, Frauen müssten darin die absolute Mehrheit haben und das Gremium selbst müsse "für alle Frauen in der Filmbranche erreichbar sein“.

 

 

 

Die Vorschläge des HdK widersprechen jedoch allen diesen Forderungen: Die Mitwirkenden sitzen in Führungspositionen und haben bis heute versucht, die Beschwerden der Frauen hinter verschlossenen Türen zu ersticken: "Wir sind bis heute mit solchen ineffizienten Methoden konfrontiert und bemühen uns mit unserer Erklärung, eben diese zu verändern“, so die Unterzeichnerinnen.

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