Ende 2015 bestätigt der Supreme Court das Todesurteil von Taseers Attentäter. Pakistan hält die Luft an. Wird Präsident Mamnoon Hussain den Mörder begnadigen? Soll Taseers Ermordung zum Präzedenzfall werden, der Mord im Kontext von Gotteslästerung gar legitimiert? Dass der Mörder am 29. Februar 2016 tatsächlich hingerichtet wird, überrascht die meisten. Millionen von wütenden Fanatikern legen mit Protesten mehr als eine Woche lang die Hauptstadt und andere Ballungsräume lahm.

Drakonische Strafen gegen Blasphemie und Apostasie

Die Todesstrafe ist mit grundlegenden Menschenrechten unvereinbar. In fast allen europäischen Ländern ist sie abgeschafft. Russland hat sie ausgesetzt, nur in Weißrussland wird sie noch vollstreckt. Von 50 US-Staaten ist sie in 21 abgeschafft und von 13 ausgesetzt worden. In manchen Ländern, darunter Pakistan, ist die Todesstrafe noch geltendes Recht.

In diesem Szenario setzt Präsident Hussain ein klares Zeichen, dass Blasphemie-Mord nicht zu legitimieren ist. Nichts anderes hätte die Begnadigung des Mörders bedeutet. Hussain stellte sich damit entschlossen gegen den Trend, der solche Handlungen in vielen muslimischen Ländern gewohnheitsrechtlich akzeptabel macht.

Der Schlachtruf "Blasphemie" wird auch bei Grundbesitzstreitigkeiten, Familienfehden und anderen persönlichen Konflikten als perfides, aber effektives "Rechtsmittel" eingesetzt. Pakistan hält einen Rekord, sowohl der Opfer von Lynchjustiz als auch von (oft lebenslangen) Gefängnisstrafen für "GotteslästerInnen". Deren Verfolgung gilt seit Jahrzehnten als legitim. Dass fadenscheinige Blasphemie-Anschuldigungen Mord und Totschlag rechtfertigen – oft mit dem Segen der Behörden –, hat kulturelle Konventionen und gesellschaftliche Normen geprägt.

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.

Leserkommentare zum Artikel: Schlachtruf "Blasphemie"

Die westliche Welt muß begreifen lernen, daß die von ihren Vertretern erdachten Menschenrechte (AEMR) nicht universell sind. Selbstverständlich ist es nicht richtig, daß ein Blasphemiegesetz mißbraucht oder zu streng angewandt wird. Im Fall der Pakistanierin Asia Bibi bestanden Zweifel, und hier wäre es angebracht gewesen, kein Todesurteil auszusprechen.
Ganz abgesehen davon sind die Europäer und US-Amerikaner Meister darin, mit zweierlei Maß zu messen, und in den meisten Fällen, in denen sie sich auf Menschenrechte berufen, betreiben sie Heuchelei und machen sich damit in den Augen aller Gerechtigkeit liebenden Menschen unglaubwürdig.
Die Muslime sollen die vom Abendland gemachten Menschenrechte als universell anerkennen und über die Rechte stellen, die der Schöpfer der Menschen ihnen – nach islamischer Auffassung – gewährt hat, während das Abendland es sich herausnimmt, das, was den Muslimen heilig ist, unter dem Deckmantel von Meinungs- und Pressefreiheit zu schmähen und durch den Dreck zu ziehen? – So geht das nicht!
Als Gegenstück zur AEMR haben die Muslime eine eigene Erklärung zu den Menschenrechten herausgegeben (Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Islam, 1981; Kairiner Erklärung der Menschenrechte, 1990). Den Kritikern daran gefällt hauptsächlich nicht, daß die islamischen Menschenrechte zu sehr durch die Bestimmungen der Schari´a eingeschränkt seien. Dem kann man gegenüberhalten, daß die Abendländer sich bei ihren Menschenrechten auf den Menschen und nicht Gott als deren Quelle berufen, was eine anscheinend unüberwindbare Kluft darstellt, die solange bestehen bleiben wird, bis entweder die Abendländer davon abrücken, den Menschen anstelle von Gott in den Mittelpunkt zu stellen, oder die Muslime die Grundlagen ihrer Religion aufgeben.

A.F.B.16.02.2020 | 22:32 Uhr