Das Gros der Proteste findet bisher in den Teilen des Landes statt, in dem mehrheitlich Schiiten leben. Nicht nur in den schiitischen Stadtvierteln Bagdads, sondern auch im Süden des Landes, in Nasriya oder Diwaniya und Hilla. Sie richten sich dort gegen die eigenen schiitischen Lokalpolitiker, aber auch gegen die von den schiitischen Parteien dominierte Zentralregierung in Bagdad. Die Schiiten klagen von ihrer eigenen politischen Führung Rechenschaft ein.

Der Protest richtet sich aber auch gegen die schiitischen Milizen, die vom Iran kontrolliert werden, und die in den Verwaltungen und Ministerien den Ton angeben. Diese Milizen agieren dort besonders willkürlich und wirtschaften in die eigenen Taschen. Posten und Dienstleistungen werden dort an Günstlinge oder gegen Bestechung verteilt. Sie gelten dort als Inbegriff der Korruption, was dann auch rasch mit der Rolle Irans in Verbindung gebracht wird. Die Protestierenden werfen diesen Milizen auch vor, für den gegenwärtig harten Umgang mit den Demonstranten verantwortlich zu sein.

Interessant ist, dass der wichtigste geistliche schiitische Führer des Landes, Ayatollah Ali Al-Sistani, sich indirekt hinter die Demonstranten gestellt und die Regierung aufgefordert hat, auf die Rufe nach Reform zu reagieren.

Endemische Korruption

Bisher seien alle Forderungen der Menschen, die Korruption zu bekämpfen, unbeantwortet geblieben, nichts sei erreicht worden, erklärte Al-Sistani. Dies ist einmal mehr ein Indiz dafür, dass die geistliche Führung der Schiiten im Irak nicht automatisch als Marionetten des benachbarten Iran verstanden werden sollten.

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