Gleichzeitig ist das illegale Grenzgeschäft mit Spanien aber auch genau daran schuld, dass es nichts anderes gibt. Denn so sieht die Regierung im weit entfernten Rabat wenig Anlass, Agrar-, Wirtschafts- und Bildungsprogramme für die Region aufzulegen - sie versorgt sich ja selbst.

Sackgasse Rifgebirge

Und das ist ihre zweite Plage. Seit langer Zeit schon ist die Provinz eine Einöde. Sie ist nicht nur geografisch weitab vom Schuss, sondern wollte auch kulturell und politisch nie zu Marokko gehören. Diese Abschottung bringt viele Nachteile mit sich und gleichzeitig bietet sie den Nährboden für das zweite illegale Geschäft, mit dem sich die Gegend am Leben hält.

Topografisch steckt die unzugängliche Bergregion in einer Sackgasse: Im Norden das Mittelmeer, im Osten die dauerhaft geschlossene Grenze zu Algerien, im Süden die Kette aus hohen Berggipfeln des Rif, im Westen der Atlantik. Von manchem Ort aus sind es 70 Kilometer bis zur nächsten Straße. Auch der Blick auf das marokkanische Bahnnetz macht deutlich, welche Bedeutung die Region für den Zentralstaat hat: Die vielleicht besten Züge auf dem afrikanischen Kontinent fahren am Atlantik zwischen Casablanca und Tanger - und damit woanders.

Hanfernte im nordmarokkanischen Rifgebirge; Foto: DW
Versickerte Drogendevisen: Die Hälfte allen Haschischs auf der Welt soll aus Marokko kommen, wo bis zu 200.000 Bauern Hanf anbauen und indirekt 700.000 Menschen davon leben. Dennoch ist das Rif eine der ärmsten Gegenden im Land.

Nur wenige Schlenker zu wichtigen Städten im Landesinneren wie Marrakesch, Fes oder Oujda macht die Bahnstrecke und markiert so die Gegenden, in die die staatlichen Investitionen in Infrastruktur, Wirtschaft, Bildung und Verwaltung geflossen sind. Und sie führt ziemlich genau einmal um die Rifregion herum.

Die Bevorzugung von manchen Gebieten und die Benachteiligung anderer hat Tradition im Königreich - bereits Hassan II., der Vater des amtierenden Königs Mohammed VI., mied das Rif konsequent. Nicht einen Fuß setzte er dorthin und Geld gab er dort schon gar nicht aus. Er regierte 38 Jahre lang. So mussten die Rifbewohner seit jeher sehen, wo sie bleiben.

Cannabisproduktion in rauen Mengen

Für eines aber ist die abgeschiedene Lage geradezu ideal: Hier wird in großem Stil Cannabis angebaut. Für seine riesigen Plantagen ist die Rifregion weltberühmt, der kleine Landstrich ist bereits seit den achtziger Jahren der größte Produzent und Exporteur von Haschisch, noch vor Afghanistan.

Die Hälfte allen Haschischs auf der Welt soll aus Marokko kommen, wo bis zu 200.000 Bauern Hanf anbauen und indirekt 700.000 Menschen davon leben. Dennoch ist das Rif eine der ärmsten Gegenden im Land. Eine Provinz wie Chefchaouen im Herzen des Gebirges wendet für Cannabis große Teile seiner Anbauflächen auf, wie der aktuelle Bericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung zeigt. Da bleibt nur wenig für alternative Produkte wie Oliven oder Feigen, die Cash crops verdrängen alles. Sogar der Tourismus in der Region konzentriert sich auf die Hanfplantagen.

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