Marie Wildermann, 28. Oktober 2003

Liebe Redaktion,

im Schlusssatz des Artikels lese ich mit einiger Verblüffung, dass Muslime sich heute fragen würden, "ob das positive Bekenntnis zum Islam eine grundsätzlichere Ablehnung der Modernität verlangt" Wie bitte? Kann man sich noch mehr von der Moderne abwenden? Wie weit wollen sich muslimische Frauen noch erniedrigen, um einer patriarchalischen Islam-Interpretation Genüge zu tun? Ich kann mir schwer vorstellen, dass Sie den gerade veröffentlichten Bericht der UN über die menschliche Entwicklung in der arabischen Welt nicht zur Kenntnis genommen haben. In diesem Bericht - übrigens von arabischen Autoren!! - wird gerade eben das beklagt, dass die arabische Welt den Anschluss an die moderne Welt zu verlieren droht, weil sie sich der Entwicklung zur Wissensgesellschaft verschließt. Autoritäre Erziehung und autoritäre Wissensvermittlung (auswendig lernen statt begreifen), das undemokratische Verhältnis der Geschlechter, Verletzung von Menschenrechten (vor allem Frauenrechten), intellektuelle Engstirnigkeit bei der Interpretation religiöser Texte .... Weil Bildung leider immer noch kein Wert an sich sei in vielen arabischen Staaten, wie die Autoren des UN-Berichts schreiben, sondern Ansehen "vor allem auf materiellem Reichtum basiere". Was taugt eine Religion, wenn sie die Menschen nicht wirklich befreit - von inneren Gefängnissen?

Lieben Gruß
Marie Wildermann
Journalistenbüro medienformate

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