Nach den Anschlägen vom 11. September 2011 hat er sich Washington gegenüber als Vorreiter in der Bekämpfung des islamistischen Terrorismus aber auch jeder nicht-gewaltaffinen Form des politischen Islam präsentiert. Einige Beobachter bezeichnen ihn in diesem Zusammenhang als regelrecht fanatisch.

Im Laufe der Jahre hat MbZ seine Macht kontinuierlich ausgebaut, indem er zahlreiche weitere wichtige wirtschaftliche und politische Positionen übernahm und Vertraute und Verbündete in wichtigen Gremien positionierte. Dabei verfügt MbZ innerhalb der Königsfamilie über einen großen Vorteil, weil er mit fünf Vollbrüdern eine breite Machtbasis gegenüber seinen zahlreichen Halbbrüdern hat. Vollbrüder wachsen –anders als im Fall von Halbbrüdern- im selben Haushalt auf, weshalb zwischen ihnen im Regelfall eine besonders enge Bindung besteht.

Enge Familienbande

Diese Brüder haben wichtige wirtschaftliche und politische Ämter übernommen und so ihre gemeinsame Machtbasis weiter zementiert. Sein Bruder Abdallah bin Zayed ist seit 2006 Außenminister, Hazza bin Zayed leitete den Geheimdienst und war von 2006 bis 2016 Nationaler Sicherheitsberater. Botschafter Olson bezeichnete den VAE-Geheimdienst als einen der engsten Partner der USA im Mittleren Osten.

Nach Hazza wurde sein Bruder Tahnoun 2016 zum Nationalen Sicherheitsberater ernannt. Sein Stellvertreter ist seit Anfang 2017 MbZs Sohn Khalid, der in den letzten Jahren im Geheimdienst für die Bekämpfung von islamistischen Oppositionellen zuständig war. Ein weiterer Vollbruder ist Mansour bin Zayed. Er bearbeitet vor allem den wirtschaftlichen Teil der VAE-Außenpolitik.

Doch auch wenn MbZ seine Brüder konsultiert, ist eines klar: "MbZ ist der Boss", wie ein wichtiger Berater des Kronprinzen es auf den Punkt bringt. Das zeigte sich z.B. bei einem Treffen der Brüder MbZ, Hazza, Tahnoun und Mansour mit dem russischen Präsidenten Putin Ende 2015, über das eine Email des VAE-Botschafters in Moskau geleakt wurde. Demnach habe Putin nach einer allgemeinen Präsentation ein einstündiges Vier-Augen-Gespräch mit MbZ geführt, während die anderen Brüder warteten. Im Anschluss hat MbZ sie gebrieft.

Kronprinz Mohammed bin Zayed Al-Nahyan; Foto: Reuters
"MbZ ist der Boss": Bis auf den Obersten Petroleumrat und die wichtigsten Staatsfonds scheint Kronprinz Mohammed bin Zayed Al-Nahyan sämtliche politischen Geschicke der VAE zu leiten. Nach Präsident Khalifas Schlaganfall im Januar 2014 hat sich sein Einfluss noch vergrößert.

Mansour bin Zayed hat dem VAE-Botschafter nach dem Treffen Anweisungen zur Koordinierung mit dem Wirtschafts- und Energieminister gegeben, was deren eher technokratische Funktion belegt, wohingegen Mansour die strategische Ebene behandelt. In selbiger Email wird auch ein Treffen zwischen dem saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman und MbZ erwähnt, das auf der "Jacht" von Mansour bin Zayed stattgefunden hat, was die Nähe zwischen den Brüdern, hier von MbZ und Mansour, unterstreicht.

Diese Hierarchie zeigte sich auch schon Jahre vorher. So berichtet US-Botschafter Olson laut einem anderen geleakten Dokument von einem Treffen des Botschafters und eines Vertreters des US-Finanzministeriums mit Hazza bin Zayed zur Bekämpfung der Finanzierung der Taliban. Als der US-Finanzbeamter den Vorschlag machte, die Kooperation zwischen den VAE und den USA auf die afghanische Regierung auszuweiten, habe Hazza angeboten, das Thema beim Kronprinzen anzusprechen. Hazza war zwar also für dieses Feld zuständig und konnte eine Empfehlung aussprechen, die letzte Entscheidung lag jedoch bei MbZ.

Das letzte Wort hat MbZ

Der Austausch zwischen den Brüdern findet dabei oft informell, z.B. abends im Fitnessstudio, oder im Rahmen der häufig stattfindenden halbformalen Treffen mit weiteren Personen statt. Jeder der Brüder hat eigene Zuständigkeiten, doch in den wichtigen Fragen sprechen sie sich mit MbZ ab.

Dabei ist man laut einem Berater des Präsidenten der VAE auf Konsens aus, was jedoch keinesfalls immer funktioniere, weshalb MbZ Entscheidungen manchmal auch gegen den Willen seiner Brüder trifft. Ein hochrangiger Berater des Kronprinzen sagte über seinen Chef 2015 ganz generell: "He is a military person and behaves like one. If someone is good, he supports him. If not, he exchanges him." In elementaren Bereichen wie Sicherheit gehe es jedoch um die ureigensten Interessen der Königsfamilie, weshalb hier meist Einigkeit bestehe.

Die Zusammenarbeit mit Mohammed bin Rashid Al-Maktoum, dem Herrscher von Dubai und Premierminister der VAE, ist ähnlich. Laut einem Berater stehen MbZ und Mohammed bin Rashid in stündlichem Kontakt. In einem Wikileaks-Dokument wird eine Episode unmittelbar nach dem Mord an einem Hamas-Führer in Dubai 2010 geschildert.

Auf die Bitte des US-Botschafters in Abu Dhabi um eine Stellungnahme zu dem Vorfall antwortete ihm ein Sprecher: "The UAE's public posture was being discussed between Dubai Ruler Mohammed bin Rashid and Abu Dhabi Crown Prince Mohammed bin Zayed." Doch auch hier gilt: das letzte Wort hat MbZ. Ein Mitglied einer emiratischen Königsfamilie ging sogar soweit zu sagen, dass Abu Dhabi Dubai zwar kontaktiert, aber meist erst wenn die Entscheidung im Grunde schon getroffen ist.

Matthias Sailer

© Qantara.de 2018

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