Leserbrief

Zainab Hassini aus Hamburg, am 17. Juni 2003

Der Grund warum ich mich heute an Sie wende ist Ihr Artikel über den Tag der offenen Moschee. Als ich ihn las, wurde mir sofort klar, dass wir diese Erfahrungen am Islamischen Zentrum Hamburg nicht teilen. Wir hatten kontinuierlich wachsendes Interesse und steigende Besucherzahlen. Noch im Jahr 2001 war der Tag der offenen Moschee sehr gut besucht und dies steigerte sich im Jahr 2002. Ich sende Ihnen heute unseren Bericht über den Tag der offenen Moschee am Islamischen Zentrum Hamburg/Imam Ali Moschee. Dann ist mir aufgefallen, das in der arabischen Version des Artikels über den 3. Oktober ein Bild von unserer Moschee ins Internet gesetzt wurde, obwohl es bei diesem Artikel nicht um unsere Moschee geht. Zumal wir völlig andere Erfahrungen gemacht haben, wie ihr unter anderem aus dem Bericht entnehmen könnt, möchten wir Sie bitten, aus der arabischen Version dieses Artikels das Bild unserer Moschee wieder zu entfernen, um einen falschen, irreführenden Eindruck zu vermeiden. Statt dessen wäre es vielleicht interessant, unseren Bericht abzudrucken als Beispiel für andere positive Erfahrungen. Dies wäre sicher aufschlussreich und es zeigt einmal mehr, dass wir nicht jede Erfahrung, weder die positiven noch die negativen verallgemeinern dürfen. Wir sind bereits seit einem Monat wieder dabei neue Vorbereitungen zu treffen für den diesjährigen 3.Oktober und sind voller Zuversicht. Hier ist der Bericht über den Tag der offenen Moschee 2002 im Islamischen Zentrum Hamburg in der Imam Ali Moschee. Mit freundlichen Gruessen und den besten Wünschen für Ihre Arbeit Zainab Hassani Anmerkung der Redaktion: Wir kommen Ihren beiden Bitten selbstverständlich gerne nach. Das Bild ist bereits entfernt, und ein Klick auf den Pfeil führt zu Ihrem Bericht.

    "Aber die Wahrheit hinter allem ist die einzigartige Macht des Menschen, auf Dialoge und freundliche Gespräche vertrauend, besser zu leben."

Wenn wir vom 3. Oktober, als dem "Tag der offenen Moschee" sprechen, so meinen wir nicht, dass an den anderen Tagen unsere Moschee geschlossen ist. Unsere Moschee ist jeden Tag geöffnet und dies hat eine lange Tradition. Auch andere Tatsachen, auf die wir stolz sind, wie z.B. eine deutschsprachige Freitagsansprache neben Persisch und Arabisch sind keine Erscheinungen des vergangenen Jahres - nein, sie sind langjährige Tradition an unserem Zentrum. Jeder Tag ist bei uns "Tag der offenen Moschee" - wobei wir jedoch den 3. Oktober jeden Jahres in besonderer Weise unseren MitbürgerInnen und ihren Fragen und Anliegen an uns, die Muslime, widmen. Dieses Jahr kamen unsere Besucher so zahlreich, wie wir es bislang noch nicht erlebt hatten. Unsere Schätzungen liegen zwischen 2.700 und 3.500 Gästen. Den ganzen Tag von 10.00 Uhr morgens bis 19.30 Uhr abends verbrachten wir mit unseren Besuchern in zahlreichen Gesprächen. Dieses Jahr konnten wir unseren Gästen zwei Hauptprogrammpunkte anbieten:

  • Vortrag des stellvertretenden Leiters Hojjatolislam Nourbakhsh "Moschee: ein Ort des Dialogs und der Bildung"
  • Qur'anrezitation
  • Vortrag des Leiters des "Dar-ul-Huda" in Hamburg, Hojjatolislam Shakerchi: "der Qur'an und die Methoden seiner Ausdeutung"

Das Hauptprogramm war eingerahmt von ständig durchgeführten Moscheeführungen, sowie Gesprächen bei Tee, Kaffee und Kakao. Die Moschee war offen: Keine Tür blieb an diesem Tag verschlossen.

Jeder Tag ist bei uns am Zentrum ein "Tag der offenen Moschee" und wir verbinden dies bewusst mit der Hoffnung, dass die Türen der Verständigung und Kommunikation zwischen den Menschen nicht geschlossen werden, denn wir Menschen haben gemeinsam bittere Erfahrungen dazu, was dies bedeutet: Der Abbruch der Verständigung, das Schließen der Türen zum Dialog, war immer der Beginn von Krieg.

Somit wird Dialog zur tragenden Hoffnungsschwinge für den Frieden - dieses kostbare und so zerbrechliche Gut.

Der diesjährige "Tag der offenen Moschee" war ein gemeinsamer Erfolg, an dem zwei Seiten beteiligt waren. Dieses Jahr ist es nur recht und billig, wenn wir hier festhalten, dass wohl der größte Anteil am Erfolg unseren Besuchern zukommt. Sie waren es die uns beehrten und die ein deutliches Signal setzten: für den aufrichtigen und starken Willen zum Dialog und der nicht zerstörbaren Hoffnung auf ein friedliches Miteinander.

Unsere Gäste überraschten uns auf eine bisher nicht gekannte Weise mit Ihrem respektvollen, freundlichen Entgegenkommen, aber auch mit der nachdenklichen und überaus ernsthaften Frage nach dem gemeinsam Möglichen. All dies war getragen von einem Bewusstsein der gemeinsamen Probleme und dennoch der Freude an der gemeinsamen Begegnung und darüber etwas zu tun, was sich viele nicht mehr aus ihrem Leben wegdenken möchten: Gemeinsam miteinander zu sprechen in immer wiederkehrenden neuen Begegnungen.

Ein wichtiger Punkt aus den vielen Gesprächen soll hier Erwähnung finden: Die im Gespräch gemeinsam festgestellte Notwendigkeit und der Wunsch, dass der Dialog nicht mehr nur als eine Angelegenheit von privilegierten Einzelnen auf höchster Ebene statt zu finden hat, sondern in die Tiefe der Gesellschaft zu tragen ist, in Verbindung mit der Verbreiterung der Dialogkompetenz; also immer mehr Menschen zum Dialog zu befähigen um somit die Gesellschaft nachhaltig zu beschenken und zu bereichern und friedlich zu wandeln

Resümee: Insgesamt ein erfolgreicher Tag, ein reicher Tag, reich an Erfahrungen und Inspirationen für die Zukunft. Vier wesentliche Erfahrungen dieses Tages:

  • Die Offenheit und der Bedarf an Begegnungen mit den Muslimen ist stark gewachsen und gewinnt an Ernsthaftigkeit und dadurch an Qualität
  • Wir brauchen eine organisierte Dialog-Arbeit für das Zentrum um den bereits bestehenden Bedürfnissen noch besser gerecht zu werden.
  • Die Dialogkompetenz der Muslime muss quantitativ und qualitativ verbessert werden. Wir müssen anerkennen, dass der größte Anteil am Erfolg diesen Tages in diesem Jahr unseren Besuchern zukam, nicht nur weil sie unerwartet zahlreich erschienen, sondern auch, weil aus den vielfältigen Begegnungen klar wurde, dass der Grundtenor, der uns Muslimen entgegengebracht wurde wie folgt zu beschreiben ist: Zwischen Solidarität) ernsthaftem Interesse, sensibler und rücksichtsvoller Freundlichkeit und einem hohen Maß an Respekt, Ehrlichkeit und Offenheit;
  • Kein Dulden sondern Akzeptanz, mit der Tendenz sich mit dem Islam als willkommener gesellschaftlicher, mitgestaltender Kraft für Gegenwart und Zukunft zu befassen.

Organisatorische Mängel sind nur langfristig zu beheben durch geschultes Personal, welches kontinuierliche Dialogarbeit für das Zentrum gestattet und sind Ausdruck dessen, dass es bisher noch keine kontinuierliche, organisierte Arbeit gab. Sehr zentral: Geeignete Literatur muss erstellt werden, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der hiesigen Gesellschaft für die Gegenwart und Zukunft. Insgesamt hat der 3. Oktober Bewegung gebracht in die Dialogarbeit und wir hoffen, dass die vielfältigen Impulse mit offenem Geist und Herzen nun aufgegriffen werden und in eine ernsthafte und organisierte und letztlich langfristige, kontinuierliche Aufbauarbeit münden.

Wir danken unseren Besuchern und verbleiben in der Hoffnung auf künftige neue Begegnungen.

Zainab Hassani, verantwortlich für die Organisation des Tags der offenen Moschee 2002 und 2003 vom Arbeitskreis "Begegnung und Austausch" am Islamischen Zentrum Hamburg

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