Als Folge des wirtschaftlichen Niedergangs häufte sich ein immenser Schuldenberg an, die Arbeitslosigkeit nahm zu, die Mittelschicht des Landes erodierte zusehends und auch der regionale Graben zwischen der wohlhabenderen Küste und dem strukturschwachen Binnenland vertiefte sich weiter.

Zwar stellt Verschuldung nicht grundsätzlich ein Problem dar, sofern sie der Schaffung von Arbeitsplätzen und dem allgemeinen Wohlstand dient. Allerdings nahm die Regierung immer mehr Kredite auf, um das Haushaltsdefizit zu decken, anstatt sie in die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu investieren.

Tunesien finanziert sich hauptsächlich durch die knappe Unterstützung seiner westlichen Partner und durch die Neuaufnahme von Schulden. Dazu zählen insbesondere die Gelder, die es über die Programme und Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds bekommt, zuletzt waren es drei Milliarden US-Dollar im Mai 2016. Hierdurch erhöhten sich die Auslandsschulden Tunesiens sprunghaft von 22,6 Milliarden Dollar im Jahr 2011 auf 28,1 Milliarden Dollar Ende 2016. Das entspricht einem Anstieg von ca. sechs Milliarden Dollar innerhalb von fünf Jahren und es steht zu befürchten, dass die Schulden 2018 die 30-Millionen-Grenze durchbrechen werden.

Inadäquate Reaktionen verschärfen die Lage

Tunesisches Parlament in Tunis; Foto: AP
Massiver Vertrauensverlust in Regierung und Parlament: "Das Handeln des Abgeordnetenhauses, die Erklärungen der Regierung, die gegenseitigen Schuldzuweisungen sowie das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte, die mit Gewalt und Verhaftungen reagierten, trugen insgesamt dazu bei, dass die Frustration bei den Protestierenden weiter zunahm und einige Demonstrationen gewaltsam eskalierten", schreibt Ismael Dbara.

Weder die Regierung noch die Opposition begegneten den jüngsten Unruhen, die sich geografisch auf 16 Regierungsbezirke verteilten, in adäquater Art und Weise. Das Handeln des Parlaments, die Erklärungen der Regierung, die gegenseitigen Schuldzuweisungen sowie das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte, die mit Gewalt und Verhaftungen reagierten, trugen insgesamt eher dazu bei, dass der Frust der Protestierenden weiter zunahm und einige Demonstrationen gewaltsam eskalierten.

Seit etwa einem Jahr treibt die Regierung unter Ministerpräsident Youssef Chahed den "Krieg gegen die Korruption" voran und hat inzwischen auch hochrangige Mitglieder von Schmugglernetzwerken festgenommen. Dass aber innerhalb seiner eigenen Partei einige Führungskräfte die Verhafteten aufgrund ihrer Beziehungen zu ihnen verteidigten, sorgte für großes Unverständnis bei den Bürgern.

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