Förderung junger Potenziale

Viertens, das damalige ägyptische Ministerium für öffentliche Bildung entsandte Ali Moustafa Mosharafa auf Staatskosten zu Forschungszwecken nach Großbritannien, nachdem er seine Lehrerausbildung abgeschlossen hatte. Als 1919 die Revolution in Ägypten ausbrach, hatte er gerade sein Diplom in Mathematik erhalten. Auf seinen Wunsch hin, nach Ägypten zurückzukehren, erwiderte ihm einer der Revolutionäre: „Wir brauchen dich dringender an der Front der Wissenschaft als an der Front der Revolution“.

Mosharafa kehrte nach seiner Promotion im Jahr 1924 nach Ägypten zurück, um als außerordentlicher Professor für angewandte Mathematik an der Fakultät für Naturwissenschaften der Cairo University zu arbeiten. Im Jahr 1926 wurde ihm, entgegen der damaligen Regelungen der Hochschule, noch vor seinem 30. Lebensjahr der Professorentitel verliehen. Die Vita von Mosharafa lässt sich durchaus als Erfolgsgeschichte beschreiben. Aufgrund exzellenter Leistungen erfuhr dieser seit seiner Schulzeit umfangreiche Unterstützung und Förderung, um schließlich der erste ägyptische Dekan der Fakultät für Naturwissenschaften zu werden.

 

 

Auch heute schicken wir unsere Doktorandinnen und Doktoranden für ihren Abschluss ins Ausland. Dies ist jedoch nicht die einzige Art der Unterstützung, die eine wissenschaftliche und intellektuelle Avantgarde bei der Entfaltung ihrer Gedanken und Potenziale braucht. Der Weg des Fortschritts bedarf eines starken, stützenden Fundaments, damit diejenigen ihn beschreiten können, die die Fähigkeit haben, etwaige Hindernisse zu überwinden und die Gipfel der Gelehrsamkeit zu erklimmen. Seit ich denken kann, fehlt es uns an diesem Fundament. Es sind die Kinder unserer Machthaber, die vorangebracht werden, und die Diener der Mächtigen, Unmündige, die ohne Rückgrat vor ihren Führern im Staub kriechen.

Stellen Sie sich einen begnadeten Zither-Spieler vor, der virtuos seine Meisterwerke vorträgt und dann plötzlich von den mittelmäßigen Klängen einer scheppernden Blaskapelle übertönt wird, die jegliche Klangnuance mit ihrem durchdringenden, nervtötenden Tröten erstickt. Oder eine Chemikerin, die an einer neuen, vielversprechenden Formel arbeitet, über deren filigrane Arbeit jemand unverhofft und ohne Vorwarnung einen Liter Wasser auskippt. Oder einen Dichter, über dessen Text man während des Schreibens eine Tonne voll sinnentleerter Buchstaben und profaner Banalitäten schüttet.

All dies erfahren wir täglich am eigenen Leib. Wie in Gottes Namen soll in dieser feindlichen Atmosphäre, die jegliche Kreativität und Reflexion im Keim erstickt, ein kluger Gedanke entstehen?

Khaled Al-Khamissi

© Qantara.de 2021

Aus dem Arabischen von Rowena Richter

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