Gesetze gegen verschleierte Mädchen? Und was ist mit Bikinis für Achtjährige?

Man muss sich einmal das Internetportal von Emma ansehen. Der Einfluss der Zeitschrift schwindet zwar, sie gilt aber immer noch als Kompass für viele, wenn es um Themen des Frauenrechts geht.Bei Emma findet man da immer noch ein großes Angebot, aber der Fokus ist eng geworden: fünf Artikel in einer Ausgabe zur Frauenunterdrückung im Islam, drei Artikel zu Zwangsprostitution und ihren angeblich willigen Helfern, der Sex-Arbeiterinnen-Lobby.

Die größten Verhinderer einer gerechten Gesellschaft sind nach dieser Darstellung also die kopftuchtragende Minderheit in der muslimischen Minderheit sowie herzlose Huren, die nur auf ihre eigenen Rechte pochen, anstatt sich über Beratungsgebote und gesetzliche Kondompflicht zu freuen.

Der einzige akzeptable Muslim in diesem Land ist der islamkritische Psychologe und Buchautor Ahmad Mansour. Der Realitätszuschnitt der Emma unterscheidet sich nicht dramatisch von dem des rechten Politmagazins Tichys Einblick, das der Ex-Chef der Wirtschaftswoche, Roland Tichy, gegründet hat.

Die Organisation Terre des Femmes ist über den Populismusverdacht eigentlich erhaben. Umso erstaunlicher ist eine Entscheidung, die auf der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereins fiel: In Zukunft fordert er ein gesetzliches Verbot von Kopftüchern bei Minderjährigen.

Wenn man bedenkt, dass der Verein hohe Spenden- und Fördermittel einnimmt und weltweit aktiv ist, ist das keine Marginalie in der Feminismusdebatte. In öffentlichen Räumen, in Schulen, Rathäusern, aber auch auf der Straße soll es Mädchen untersagt werden, Hijab zu tragen. Begründet wird die Forderung mit der Praxis mancher muslimischer Familien, schon Grundschülerinnen das Kopftuch anzuziehen.

Die Journalistin und Herausgeberin der Zeitschrift Emma, Alice Schwarzer. Foto: Thomas Schulze (dpa)
Für die Zeitschrift Emma ist die kopftuchtragende Minderheit in der muslimischen Minderheit der größte Verhinderer einer gerechten Gesellschaft. Der Realitätszuschnitt der Emma unterscheidet sich nicht dramatisch von dem des rechten Politmagazins Tichys Einblick, das der Ex-Chef der Wirtschaftswoche, Roland Tichy, gegründet hat.

Dies "markiert die Mädchen als Verführerinnen und Sexualwesen" und würdige sie aufgrund ihres Geschlechts herab. Das "Kinderkopftuch" nehme außerdem auf die Entwicklung muslimischer Mädchen einen schädigenden Einfluss, diese gewöhnten sich so früh daran, dass sie auch als erwachsene Frauen rein psychologisch außerstande wären, sich gegen das Tuch zu entscheiden. Es sei die Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass alle Mädchen in diesem Land unter denselben Bedingungen aufwachsen könnten.Man muss weder das muslimische Kopftuch im Allgemeinen besonders schutzwürdig noch das Kinderkopftuch akzeptabel finden, um hier ein logisches Problem zu sehen: Denn ziehen nicht viele westliche Eltern Achtjährigen T-Shirts an, auf denen "Tussi" steht, oder Bikini-Oberteile zur Verhüllung der weiblichen Kinderbrust?

Man könnte diese Praxis auch als frühkindliche und diskriminierende Praxis brandmarken, aber seltsamerweise appelliert Terre des Femmes nicht an den Gesetzgeber, die entsprechenden Klamöttchen bei H&M und Kik zu verbieten.

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Leserkommentare zum Artikel: Wie islamfeindlich ist der Feminismus?

Die pauschalisierende Verwendung des Begriffs "Feministinnen" und "Feminismus" in diesem Artikel finde ich sehr problematisch. Der Feminimismus umfasst ein breites Spektrum. Sehr viele Feminist*innen üben Kritik an Artikeln der Emma und selbstverständlich gibt es viele muslimische Feminist*innen. Statt differenziert an bestimmten Haltungen und Handlungen von Personen und Organisationen Kritik zu üben, was sicherlich berechtigt ist, wird hier pauschal am Feminismus Kritik geübt, was sich allein schon am Titel zeigt.

Muslimische Fem...10.08.2017 | 10:09 Uhr

Schön, dass in der Süddeutschen schön zu lesende Artikel stehen.
Aber wie steht es um deren Realitätszuschnitt?
Ich persönlich werde immer zustimmen, wenn es um einen entspannten Umgang mit dem Kopftuch und mit kopftuchtragenden Frauen geht. In der Tat lässt sich das Kopftuch nicht mit einer feministischen Argumentation kritisieren.
Jedoch stellt das Kopftuch -leider- auch ein Symbol des politischen Islam dar, der menschen- und lebensfeindlichen Ideologie des Islamismus, gegenüber der Wachsamkeit angebracht ist und die es einzudämmen gilt. ;
Einen Vorschlag wie den von Terre des Femmes, das Kopftuch für Mädchen zu verbieten, werte ich eher als einen ungeschickten Versuch, ein (staatlich-rechtliches) Gegengewicht zur frühen Vereinnahmung junger Menschen durch islamistische Ideen zu schaffen. Ob der Vorschlag sinnvoll ist, sei dahingestellt - ein Unbehagen angesichts von kopftuchtragenden, möglicherweise islamistischen Einflüssen ausgesetzten kleinen Mädchen ist jedoch nach meiner Ansicht begründet.
Dieser Aspekt scheint Meredith Haaf zu entgehen, ihre Argumentation bleibt auf den individualrechtlichen Blickwinkel beschränkt. Sieht sie den Zusammenhang zum Islamismus/ Salafismus nicht? Oder meint sie, eine verfassungsfeindliche Bewegung sei durch Beharren auf edlen Grundsätzen in den Griff zu bekommen?

Ich meine das nicht.
Islamismus muss offensiv angegangen werden.
Bislang scheint es an Ideen zu sinnvollen konkreten Massnahmen zu fehlen.
Die (vermeintlichen) IslamversteherInnen der Süddeutschen tragen dazu auch nichts bei.

benita schneider11.08.2017 | 21:03 Uhr

Gratulation. In diesem Artikel wurde der Nagel auf den Kopf getroffen.

Abdel12.08.2017 | 23:17 Uhr

Die Vorschrift, dass sich aus religiösen Gründen Menschen verhüllen sollten, gehört ins letzte Jahrtausend. Die Vorschrift, dass sich Frauen bedecken sollen, ist eine männliche Forderung, die ihrem Ursprung nach nicht Gottgewollt ist. Die Frauen sollen klein, unselbständig und machtlos gehalten werden. Es ist erst das Kopftuch, dann sind es die Jeans, dann ist es das Fahrradfahnen, das Bewegen in der Öffentlichkeit, dann das eigene Geld …
Keine Frau, kein Kind und auch kein Mann ist der Besitz eines anderen Menschen. Aus diesem Grunde sollte es auch verboten sein
den Körper eines Menschen für Sex zu kaufen. Dieses Verhalten beschädigt die Würde des Menschen. Und die AfD ist mit ihrer Forderung nach der die Frau möglichst nur Ehefrau und Mutter von mindestens drei Kindern sein sollte, ganz nahe bei den patriarchalischen Forderungen der streng islamischen Welt.

Claudia Vogt14.08.2017 | 10:24 Uhr