Konzert von Emel Mathlouthi - die Stimme der Jasminrevolution in Tunesien

26.10.2019 - 22:00 Uhr bis 23:30 Uhr
Kampnagel Internationale Kulturfabrik
Jarrestraße 20
22303 Hamburg

Die vier Elemente sind das bestimmende Motiv auf Emel Mathlouthis kommender Veröffentlichung Everywhere We Looked Was Burning. Dabei könnte man die gebürtige Tunesierin getrost selbst als Naturgewalt bezeichnen.
Ihr Debut Album trug den Titel Kelmti Horra, was so viel bedeutet wie „Mein Wort ist frei“. Und neben unzähligen Konzerten machte sich Emel Mathlouthi zwischen 2010 und 2011 vor allem auch aufgrund ihres Engagements für die tunesische Revolution zu einer der prominentesten musikalischen Stimmen des Arabischen Frühings. Geblieben ist seitdem neben dem Titel Die Stimme der Jasmin- Revolution vor allem auch die Erkenntnis, dass es sich lohnt sich vor allem auch in lauten Zeiten Gehör zu verschaffen. Und in Emel Mathlouthis Fall: mit was für einer Stimme!
Seinerzeit führten Emel Mathlouthis kompromisslose Botschaften dazu, dass weder Radio noch Fernsehen in Ihrer Heimat Tunesien ihre Songs spielen durften. Um als Künstlerin zu überleben blieb Ihr nichts anderes übrig als zunächst nach Frankreich und später nach New York auszuwandern.
Mein Wort ist frei könnte aber auch der Titel Ihres zweiten Albums Ensen lauten. Musikalisch öffnet sich Ensen in Richtung Elektronica, tunesischem Folk, Trip-Hop oder arabischen Elementen und entwächst so dem Genre der Weltmusik. Mit Hilfe der Produzenten Valgeir Sigurðson (Sigur Ros, Björk, CocoRosie) und Johannes Berglund (The Knife, Shout Out Louds, Ane Brun) befreit sich Emel Mathlouthi bereits mit ihrem zweiten Album von den gängigen musikalischen Formeln, so wie sie sich mit ihrem ersten Album von den politischen Beschränkungen ihrer Heimat und den klassischen Produktionsbedingungen der Musikindustrie befreit hat. Inhaltlich wendet sich Emel Mathlouthi auf Ensen dem Feminismus zu. So beschreibt sie beispielsweise die Widerstände, denen sie im Laufe ihrer musikalischen Karriere begegnen musste. Macho-Attitüden und die Annahme, dass hinter jeder Künstlerin ein Mann die Strippen zieht, begegnet Sie mit Ihrer unglaublichen Stimme, vielschichtigen Perkussion-Sounds und modernen Electronica und erinnert daran, dass Frauen tagtäglich schöpferisch sind. Aber auch daran, dass diese Tatsache jede Menge Kraft kostet.
Ihr politisches Engagement führte Sie 2015 sogar als musikalischen Gast zur Nobel-Preis-Verleihung nach Norwegen.
Auch auf ihrem kommenden Album Everywhere We Looked Was Burning wendet sich Emel Mathlouthi ihren Blick wieder auf nichts Geringeres als den Zustand unserer Welt. Unseren Umgang miteinander und die absurden Resultate in unseren Social Media Feeds. Dass dieser Blick eher düster ausfällt mag in Anbetracht der Zeit, in der wir leben, nicht verwundern. Erstmals singt sie dabei einen Großteil Ihrer Texte in englischer Sprache. Was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet ist, dass Emel Mathlouthi mittlerweile Ihren Lebensmittelpunkt in New York hat. Aber auch der Tatsache, dass sie sich mit Texten von Rainer Maria Rilke, T.S. Elliot oder John Ashbury beschäftigt – und sich so auf Ihre eigene musikalische Sozialisation zurückbesinnt, in der englischsprachige Musik von Bob Dylan, Joan Baez, Janis Joplin oder Led Zeppelin eine große Rolle gespielt hat. Musikalisch präsentiert sich Emel Mathlouthi dabei noch reifer und eigenständiger als bereits auf Ensen. Mal zurückhaltend zerbrechlich, dann wieder gewaltig und voller Selbstbewusstsein. Atmosphärische Gitarrensounds, hypnotische Beats, das Geräusch von Wind als Sample. Bereits der Opener Rescuer verspricht viel:
“The world needs rescuing, right? We need to rescue our senses because they’ve been hurt. They keep us from being completely evil. They let us awaken by poetry and art. They connect us to each other and make sense of our purpose. ‘Rescuer’ is like dawn where you can start seeing the first rays of light. It’s a moment to revive power.” (Emel Mathlouthi)
Aber auch orchestrale Sounds oder zerbrechliche Klavierspuren finden sich auf Everywhere We Looked Was Burning. Und über allem: Emel Mathlouthis Stimme, die allein schon Instrumentierung genug sein könnte. Emel Mathlouthi zeichnet auf Everywhere We Looked Was Burning ein düsteres Bild. Nicht jedoch ohne einen Schimmer Hoffnung am Horizont. Vielleicht ist Emel Mathlouthi ja selbst ein solcher Schimmer.
Am 26. Oktober spielt Emel Mathlouthi auf Kampnagel.