Kölner Moschee wird gebaut

Die Vernunft hat gesiegt

Es ist beschlossen: Die umstrittene Moschee in Köln wird gebaut, so entschied nun der Rat der Stadt. Damit habe am Ende die Klugheit über die Dummheit gesiegt, so Peter Philipp in seinem Kommentar. Der Bau von Moscheen in Deutschland sollte unterstützt werden.

Der Architekt Paul Böhm mit einem Modell des geplanten Moschee-Neubaus in Köln; Foto: AP
Der Kölner Moschee-Neubau wurde von dem deutschen Architekten Paul Böhm entworfen. Der markante Bau steht für Transparanz und gegenseitige Anerkennung. Die beiden Minarette werden 55 Meter hoch sein.

​​Die Vernunft hat gesiegt: Der Kölner Stadtrat stimmte am Donnerstag (28.8.2008) dem Bau einer Moschee zu, über den es in den zurückliegenden Monaten zu heftigen Diskussionen und erbittertem Streit gekommen war.

Nun könnte das Thema endlich von der Tagesordnung verschwinden, man könnte zur Tagesordnung übergehen. Und würde dabei feststellen, dass der so oft beschworene Untergang des "christlichen Abendlandes" durch den Bau dieses Gotteshauses keineswegs beschleunigt oder gefördert wird.

Solche Ruhe nach dem Sturm der letzten Monate wäre aber vielleicht zu schön, um wahr zu sein. Denn rechte Gruppen – unterstützt durch Gesinnungsgenossen aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und auch Österreich – planen in ein paar Wochen eine Großveranstaltung in Köln gegen den Moscheebau, den sie als Ausdruck einer vermeintlich schleichenden Islamisierung Europas darstellen. In ihrem demagogischen Eifer werden diese Gruppen das Thema am Leben zu erhalten versuchen.

Zerrbilder

Und unbedarfte Bürger werden sich von ihren Argumenten weiter einschüchtern lassen. Dazu bedarf es nicht des ketzerischen Flugblattes der Rechten, auf dem die Türme des Kölner Doms nur klein hinter einer großen Moschee hervorragen. Auch in den Nachrichten des Deutschen Fernsehens wurden Moschee und Dom in gleich großen Bildern nebeneinander gezeigt und von der Nähe der Moschee zum Dom gesprochen.

Unnötig zu betonen, dass beides nicht stimmt: Die geplante Moschee ist Kilometer vom Dom entfernt, wird noch nicht einmal ein Drittel seiner Höhe erreichen und hinter umliegenden Bürohäusern versteckt bleiben.

Demonstration gegen den geplanten Moscheebau im Juni 2007; Foto: dpa
"Pro-Köln" nutzt den geplanten Moscheebau für ihren Rechtspopulismus. Im Juni 2007 demonstrierten ihre Anhänger im Kölner Stadtteil Ehrenfeld gegen den Moscheebau, ebenso sammelten sich Gegendemonstranten.

​​Was also bewegt Demagogen wie verängstige Bürger? Die erste Gruppe hat nun offenbar ein lohnendes Opfer für Fremdenhass gefunden. Nein, man ist nicht gegen Ausländer, auch nicht dagegen, dass die an etwas anderes glauben. Aber sie sollen es doch – bitte schön – nicht in der Öffentlichkeit tun. Sollen sich weiter in Kellern, Schuppen und ausgedienten Fabrikhallen verstecken, wo man sie dann obendrein auch noch konspirativer Ambitionen verdächtigen kann, eine "Parallelgesellschaft" zu kultivieren.

Und die einfachen Bürger lassen sich in ihrer Ignoranz einschüchtern: Da haben sie jahrzehntelang keine Kontakte zu den "ausländischen Mitbürgern" geknüpft – oder wie immer man die ehemaligen "Gastarbeiter" bezeichnet – und mit einem Mal wollen die scheinbar Anteil haben am Alltag. An der Gesellschaft, am Stadtbild.

Aufklärung tat und tut Not

Ein Glück, dass eine breite Mehrheit in Deutschland längst anders denkt als solche Dumpfbacken und deren fanatische Anstachler. Ein Glück auch, dass die meisten Medien längst dazu übergegangen sind, den Plan von Moscheebauten – und Köln ist ja nicht das einzige Beispiel – zu unterstützen und als Verwirklichung des Rechts auf freie Religionsausübung zu erklären.

Solche Aufklärung tat und tut Not. Vielleicht wird sie auch das Misstrauen gegen ein Gemeindezentrum auf dem Gelände der Moschee abbauen. Läden, Kaffeehaus und andere Räumlichkeiten könnten ja auch als Ort der Begegnung dienen. Einer Begegnung, die bisher viel zu selten stattfindet – und ganz bestimmt nicht in versteckten Hinterhof –Gebetshäusern.

Wie gesagt: Köln ist kein Einzelfall. Auch in anderen deutschen Städten hat es Auseinandersetzungen über den Bau von Moscheen gegeben. Mit ähnlichen Argumenten. Und in den meisten Fällen haben die Behörden dem Bau zugestimmt. "Vernunft von oben" - wäre mal was Neues.

Peter Philipp

© DEUTSCHE WELLE 2008

Qantara.de

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