Wasserknappheit schafft Konflikte

Andere Länder der Region haben noch einmal ganz elementare Sorgen.

Zumbrägel:  In der Levante, im fruchtbaren Halbmond und auch in Ägypten ist Wasserknappheit das Hauptproblem. Die Region ist eigentlich reich an Wasserreserven, dementsprechend hat sich eine starke Landwirtschaft entwickelt. Aber durch Faktoren wie Erderwärmung, Anstieg des Meeresspiegels, Versalzung und Verschmutzung von Böden haben wir hier nun Sorgen um Wassersicherheit.

Streit ums Wasser war in der Vergangenheit auch ein Auslöser von Konflikten.

Zumbrägel: In der Tat sehen wir in der gesamten Region eine Reihe von Konflikten um Wasserressourcen. Aktuell kocht in den Medien der Konflikt um die Entstehung des GERD-Staudamms in Äthiopien, dem Grand Ethiopian Renaissance Dam, hoch.

Schon in den 1970er-Jahren hat der spätere UN-Generalsekretär Boutros Boutros Ghali gesagt, der nächste Krieg im Nahen Osten werde sich am Wasser entzünden. Nun wird das rhetorische Säbelrassen aus Kairo und Addis Abeba lauter und der Streit könnte zu einer regionalen Krise heranwachsen. Ich glaube, dass sich solche Konstellationen noch verstärken werden, weil Umweltzerstörung und Klimawandel sie verschärfen können.

Hochhäuser in Doha, Katar Foto: Brigitte Osterath
Die Skyline von Doha: Katar wollte bereits mit der Ausrichtung der UN-Klimakonferenz 2012 in Doha sein internationales Image aufpolieren. Was auch sehr notwendig war, denn damals hatte das reiche Emirat den höchsten ökologischen Fußabdruck pro Kopf weltweit. Auch heute noch ist es ein Symbol für immensen Konsum und krasse Verschwendung von Ressourcen und Naturkapital.

Wechseln wir von der Geopolitik auf die soziale Ebene: Wurden auch Massenproteste von ökologischen Themen befeuert?

Zumbrägel: Ökologische Erwägungen haben in vielen Protestwellen der letzten Jahre eine begleitende Rolle gespielt. Vorrangig drehte es sich um soziale Ungerechtigkeit, um den Kampf gegen autokratische Führung und Korruption. Aber natürlich geht es am Ende auch um Umweltverschmutzung und die Ausbeutung und Verteilung von natürlichen Ressourcen.

Wo zum Beispiel?

Zumbrägel: In Marokko demonstrierten Menschen beispielsweise für einen besseren Wasserzugang, im Libanon gegen eine korrupte Abfallwirtschaft und in Tunesien gegen die Auswirkungen von Umweltverschmutzung durch Industrieanlagen. Daneben gibt es Proteste, deren Auslöser zwar direkt mit den Auswirkungen des Klimawandels verbunden sind, die aber in der öffentlichen Diskussion anders wahrgenommen werden: Etwa im Zuge der verschiedenen Überschwemmungen, die die Stadt Dschidda an der Westküste Saudi-Arabiens in den letzten Jahren erlebt hat. Gerade nach den heftigen Fluten von 2009 kam es zu für Saudi-Arabien recht maßgeblichen Protesten in den sozialen Netzwerken.

Vor allem weil zahlreiche Menschen wegen Unkenntnis der Gefahren gestorben waren.  Diese Flut wurde allerdings weniger im Zusammenhang mit Klimaproblemen betrachtet, sondern in Hinblick auf Missmanagement und Korruption in der Verwaltung. Während der Gouverneur der Provinz Dschidda abtrat, blieb die Kritik am saudischen Königshaus und ihrer nicht vorhandenen Umweltpolitik aber sehr gering.

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