Projekte wie TuNur werden als Lösungen für die Umwelt- und Klimakrise verkauft, aber in Wirklichkeit sind sie hohle, technokratische Ablenkungsmanöver. Sie versprechen, diese Probleme zu lösen, ohne etwas grundlegend ändern zu müssen. Der Status Quo und die Widersprüche des globalen Systems, die die Ursache dieser Krisen sind, können entsprechend dieser Auffassung einfach so fortexistieren.Große, auf technische Machbarkeit setzende "Lösungen" wie Desertec, TuNur und Ouarzazate neigen dazu, den Klimawandel als ein gemeinsames Problem ohne jeden politischen oder sozioökonomischen Zusammenhang zu betrachten. Diese Sichtweise verschleiert die historische Verantwortung des industrialisierten Nordens, die Probleme des kapitalistischen Energiemodells und die Verletzlichkeit der Länder des Nordens und des Südens.

Nordafrika ist eine der Regionen, die am stärksten unter der globalen Erwärmung leiden. Besonders betroffen sind davon die regionalen Wasserreserven. Sollten sich Solarenergie-Initiativen weiter ausbreiten, die diese immer knapperen Ressourcen ausplündern, wäre dies eine große Ungerechtigkeit.

Dürrekatastrophe im Norden Kenia; Foto: picture-alliance/dpa
Oft wird behauptet, bei der Klimakatastrophe säßen "alle in einem Boot", doch dies ist in vielerlei Hinsicht nicht wahr. Die Bevölkerungen des globalen Südens sind als erste und am nachhaltigsten hiervon betroffen. Darüber hinaus werden so die Rolle des Neokolonialismus sowie die gravierenden Ungerechtigkeiten verschleiert, für die sie stehen. Diese reichen von Landraub über Vertreibung bis hin zu der Tatsache, dass den Bevölkerungen der Zugang zu den natürlichen Ressourcen und der Energiequellen ihres eigenen Landes systematisch verweigert werden.

Oft wird behauptet, bei der Klimakatastrophe säßen wir "alle in einem Boot", doch dies ist in vielerlei Hinsicht nicht wahr. Die Bevölkerungen des globalen Südens sind als erste und am nachhaltigsten hiervon betroffen. Darüber hinaus werden so die Rolle des Neokolonialismus sowie die gravierenden Ungerechtigkeiten verschleiert, für die sie stehen. Diese reichen von Landraub über Vertreibung bis hin zu der Tatsache, dass den Bevölkerungen der Zugang zu den natürlichen Ressourcen und der Energiequellen ihres eigenen Landes systematisch verweigert werden.

Solche Megaprojekte und die angeblich guten Absichten, die dahinter stehen, sollte man daher sehr kritisch betrachten, da sie oft die diversen Mechanismen der Ausbeutung und des Landraubs ausblenden. Wichtig sind daher grundsätzliche Fragen wie: Wem gehört was? Wer tut was? Wer bekommt was? Wer gewinnt und wer verliert? Und wessen Interessen werden bedient?

Gerechtigkeit und Volkssouveränität

Legt man diese Kriterien in Hinblick auf Verteilungsgerechtigkeit, Rasse, Klasse und Geschlecht an, ergibt sich eine ganze Reihe von Parallelen zwischen "grünen Projekten" und den noch zerstörerischeren Industrien zur Rohstoffförderung – an deren Stelle sie treten sollen. Beide verweigern den Menschen die Kontrolle und den Zugriff auf ihr Land, berauben sie ihrer Ressourcen und konzentrieren die so geschaffenen Erträge in den Händen in- und ausländischer Eliten und Privatunternehmen.

Bei den arabischen Aufständen, die 2010 in Tunesien begannen, ging es um Brot, Freiheit, soziale Gerechtigkeit und nationale Würde. Projekte wie TuNur stehen zu diesen Forderungen in krassem Gegensatz. Um gerechte und wirklich ökologisch sinnvolle Projekte durchführen zu können, die die Zukunft der Menschen und des Planeten sichern, müssen wir die Natur wieder aus den Klauen des Großkapitals befreien und erneut über Gerechtigkeit, Volkssouveränität und Gemeinwohl diskutieren.

Die Energieautonomie lokaler Gemeinschaften und die demokratische Mitbestimmung der Bevölkerung muss Vorrang gegenüber einer Marktlogik haben, die unser Land und unseren Lebenserwerb als wohlfeiles Gut betrachtet, das an den Meistbietenden verkauft wird.

Hamza Hamouchene

© Open Democracy 2017

Hamza Hamouchene ist ein algerischer Aktivist, Schriftsteller und Gründungsmitglied von "Algeria Solidarity Campaign" (ASC) und "Environmental Justice North Africa" (EJNA) in London.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.