Kleine Geschichte des Irak

Gerade ist beim Verlag C.H. Beck die 'Kleine Geschichte des Irak' von Henner Fürtig erschienen. Peter Philipp von der Deutschen Welle hat das Buch gelesen.

Als Präsident George W Bush im Januar 2001 sein Amt antrat, stand auf seiner außenpolitischen Agenda auch eine intensivere Beschäftigung mit dem Embargo gegen Irak." Was sich so harmlos liest, ist längst in einen Krieg und den Sturz des Regimes von Saddam Hussein eskaliert und die Zukunft des Irak ist heute ungewisser denn je. Um so wichtiger vielleicht, sich etwas intensiver mit der Geschichte des Zweistromlandes zu beschäftigen. Hierzu lädt die "Kleine Geschichte des Irak" von Henner Fürtig ein. Auf 150 Seiten behandelt das Buch im Gegensatz zu den bei solchen Gelegenheiten üblichen "journalistischen Schnellschüssen" nicht den eben beendeten Krieg – es führt bis in die letzten Tage vor seinem Ausbruch – sondern geht detailliert und kenntnisreich auf die Vergangenheit dieses Landes ein, das nicht zu Unrecht als "Wiege der Menschheit" bezeichnet wird, sich aber dennoch zu einer der übelsten Diktaturen entwickelt hatte.

Endlose Kriege und interne Kämpfe

So bedeutend und auch aufregend die Jahrtausende alte Geschichte des Irak aber auch sein mag: Sie nimmt nur einige wenige Seiten ein. Der richtige "Einstieg" erfolgt mit dem Niedergang des Osmanischen Reiches auch in dieser Gegend. Denn hier liegen die Ursprünge dessen, was wir heute erleben. Denn die Geschichte des Irak im 20. Jahrhundert ist wie die so vieler anderer Länder geprägt von kolonialistischen Einflüssen, vom Verrat durch die Europäer, von endlosen Kriegen und internen Kämpfen.

London hatte den Irakern für ihre Hilfe gegen die Türken die Erlangung der Unabhängigkeit versprochen, gleichzeitig aber hatte es den Vorderen Orient 1916 bereits im "Sykes-Picot-Abkommen" in britische und französische Einflussgebiete aufgeteilt. 1918 sah deswegen alles anders aus: 420.000 britische Soldaten standen im Land und die Briten übernahmen die Verwaltung. Es regte sich zwar erster Widerstand, London verstand es aber, die Kontrolle über den Irak aufrechtzuerhalten: Durch die Einführung von Wahlen und eine nichtssagende Unabhängigkeit am Gängelband einer britischen Schutzmacht.

Mündel der Mächte

Der Irak war Briten – und später Amerikanern – nicht nur wegen seiner Erdölreserven wichtig, sondern auch als Frontstaat gegen die Sowjetunion. Nach dem Putsch "freier Offiziere" in Ägypten 1953 kam es auch 1958 in Bagdad zum Umsturz und der Ermordung des Königs. Die Zeit der Hoffnung und Freiheit währte nur kurz, denn eine Diktatur löste die nächste ab, mit wechselnder politischer Ausrichtung. Sieger wurden die irakische Ba’ath-Partei und Saddam Hussein, der sich an die Spitze von Partei und Staat boxte, um diesen dann wie das Privatunternehmen seines Familienclans zu behandeln.

Ausführlich geht das Buch auf den Werdegang Saddams ein, auf sein brutales Vorgehen gegen das eigene Volk – besonders gegen die Schiiten und auch die Kurden – aber auch auf seine ersten beiden Golfkriege – gegen Iran und Kuwait. Und es wird auch die unrühmliche Rolle beschrieben, die der Westen im Irankrieg gespielt hatte. Und es ist sicher kein Zufall, dass das Buch mit einer Warnung endet:

"Eine amerikanische Militärverwaltung würde den Kreis schließen. Etwas mehr als achtzig Jahre nach seiner Gründung stünde Irak wieder da, wo es begonnen hat - als Mündel einer ausländischen, westlichen Macht."

Peter Philipp

© 2003; DW-online

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