Kishimjan Osmonova, 13. Januar 2011

zu Verhängnisvolle Tradition von Edda Schlager

Wie Edda Schlager's Artikel "Brautraub in Kirgistan" demonstriert, kommt Brautraub in der Tat häufiger vor als vor zwanzig Jahren.
Schlager's Artikel verdeutlicht auch, daß dieser Gebrauch schlimme Folgen für das Leben von jungen Frauen haben kann. Aber wir möchten auch anmerken, daß diese Sitte auch in Kirgisien hochumstritten ist, und zwar nicht nur unter jungen oder städtischen Menschen. Forscher wie Russell Kleinbach haben gezeigt, daß "Brautraub" ein sehr breites Spektrum an Praktiken umfasst, von der romantischen Flucht zu zweit bis zu den brutalen Ereignissen, die Schlager beschreibt. Zu einem differenzierteren Bild gehört auch die Tatsache, daß einerseits manche Eltern nicht glauben, eine solche Heirat zurückweisen zu können, andere Eltern – insbesondere
Mütter - ihre Söhne jedoch ermutigen, auf solche Weise eine Frau und Schwiegertochter zu finden. Diese Komplexitiäten, und die vielen unterschiedlichen Bewertungen dieser Praktiken in Zentralasien hervorzuheben, führt fort von exotizierenden Bildern fremder Völker. Ein genaueres Hinsehen hilft auch, das Problematische und Harmlose am "Brautraub" zu unterscheiden, an einem Phänomen, das viele z.Z. als Kulturerbe verstehen.

Kishimjan Osmonova (Humboldt Univerität) und Jeanne Féaux de la Croix (Zentrum Moderner Orient)

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