Unter Rohani wurde ein Denkmal für die jüdischen Märtyrer des Iran-Irak-Krieges gebaut, und seit einigen Jahren haben Juden das Recht, am Schabbat, dem Samstag, nicht arbeiten gehen zu müssen. "Ich habe ein paar Mal nach Arbeit gesucht und als ich beim Vorstellungsgespräch die Frage bejaht habe, ob ich Jüdin sei, bekam ich eine Absage. Nicht weil sie nicht mochten, dass ich Jüdin bin, sondern weil sie wussten, dass sie mir wegen des Gesetzes am Samstag frei geben müssen, wenn ich das gewollt hätte."

Wenn Juden im Iran also einen Job nicht bekommen wegen ihrer Religion, hat das also damit zu tun, weil das Gesetz auf ihrer Seite ist und der Arbeitgeber ihnen auf Wunsch einen Tag in der Woche extra frei geben muss, meint Eliyan. "Iran ist ein sehr multiethnisches und buntes Land, und Iraner sind stolz auf ihre Vielfalt und Geschichte", sagt sie.

"Zu dick, zu alt oder beides"

Als älteste Tochter der Familie wäre sie eigentlich an der Reihe, sich bald einen Verlobten auszusuchen. "Mein Vater stellt mir immer mal wieder Bewerber von befreundeten Familien vor, aber ich sage allen ab. Sie sind alle wohlhabend, aber entweder zu dick oder zu alt oder beides." Das Problem ist, dass Eliyan als älteste Tochter der Familie zuerst heiraten muss, erst dann dürfen ihre anderen beiden Schwestern Nazanin und Yasaman nachziehen.

Die Familie Musazadeh feiert am Freitagabend Sabbat; Foto: Jan Schneider
Wenn die Musazadehs am Freitagabend Sabbat feiert, so tun sie dies meist zuhause. Die Familie geht nur selten in die Synagoge, obwohl diese nur wenige Straßen entfernt liegt. Zum heutigen Sabbat sind drei Cousins von Eliyan zu Besuch: Rafael, Ariel und Avraham.

Wenn die Familie am Freitagabend Sabbat feiert, so tun sie dies meist zuhause. Die Musazadehs gehen nur selten in die Synagoge, obwohl diese nur wenige Straßen entfernt liegt. Zum heutigen Sabbat sind drei Cousins von Eliyan zu Besuch: Rafael, Ariel und Avraham. Die Mutter Anita hat alles bereits am Nachmittag gekocht, da gläubigen Juden am Schabbat jegliche Formen von Arbeit, Feuer oder Elektrizität verboten ist.

Den Reis bereitet Anita am Abend trotzdem frisch zu. "Ich kann doch zum Abendessen keinen kalten Reis servieren." Ein Satz, dem jede Iranerin zustimmen würde. Das einzige Familienmitglied, das regelmäßig religiöse Gesetze ignorieren darf, ist Vater Shahrokh, der einen kleinen Vertrieb für Frauenschuhe und –taschen führt. Ohne großes Aufheben sitzt er am Sabbat abends auf der Couch und zappt durch die Kanäle des iranischen Satellitenfernsehens, während Mutter Anita zwischen den drei Töchtern, dem jüngsten Sohn Ariyan und dem Hund der Familie durch die Küche läuft, um das Essen vorzubereiten.

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