Von dieser Möglichkeit hatte schon das osmanische Recht von 1917 Gebrauch gemacht. Der Ehefrau wurde das Recht eingeräumt, die Ehe aufzulösen, wenn ihr Mann sich eine zweite Frau nimmt. Diesem Vorbild folgte das jordanische Familiengesetz von 2010, das beiden Ehepartnern das Recht zugesteht, Bedingungen in den Ehevertrag aufzunehmen.

So kann die Frau sich vor Polygamie und Einschränkungen ihrer Freiheit, ob bei der Ausübung eines Berufs oder beim Reisen ins Ausland, schützen. Hält sich der Ehemann nicht daran, kann die Ehe durch ein Gericht beendet werden. In Jordanien verdankte sich dieses Gesetz nicht zuletzt einer Kampagne von Frauenorganisationen, die ihre Forderungen allerdings nur teilweise gegen das religiöse Establishment des Landes durchsetzen konnten.

Gegen Rückgabe des Gartens

Die Option für Frauen, restriktive Auflagen in ehevertragliche Vereinbarungen aufzunehmen, haben nach Kuwait (1984) auch die Golfstaaten Bahrain, Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate geschaffen. Als einziges islamisches Land hat Saudi-Arabien das Familienrecht noch nicht kodifiziert.

Frauenaktivistinnen demonstrieren für Gleichberechtigung in der marokkanischen Hauptstadt Rabat; Foto: DW
Die Forderungen von Marokkos Feministinnen hatten einen wesentlichen Einfluss auf die Neuregelung der "Moudawana", des Familiengesetzes aus dem Jahr 2004. Hierdurch verbesserte sich der legale Status von Frauen deutlich: So wurden unter anderem die eheliche Gehorsamspflicht der Frau abgeschafft, das Heiratsmindestalter der Frau von 15 auf 18 Jahre angehoben, die Vertretungspflicht von Frauen durch einen "Wali" (Vormund) für die Eheschließung beseitigt und die Möglichkeit der Polygamie durch Auflagen eingeschränkt.

Neben Takhayyur erlaubt die Methode des Talfiq (Zusammenflicken), sich selektiv der Ansichten der verschiedenen Rechtsschulen zu bedienen, wenn eine allein keine zufriedenstellende Antwort auf neue Probleme zu liefern vermag. Auch diese Möglichkeit nutzte schon der osmanische Gesetzgeber, um Frauen in die Lage zu versetzen, die Ehe unter bestimmten Umständen aufzulösen – so bei langer Abwesenheit des Mannes.

Die jüngere Familiengesetzgebung in Jordanien, Bahrain und Kuweit hat die Liste der eine Scheidung rechtfertigenden Umstände erweitert, etwa um Alkoholsucht. In den Vereinigten Arabischen Emiraten gilt mittlerweile auch die Nichtauszahlung des Brautgeldes als Scheidungsgrund.

Scheidungswillige Frauen verfügen in Ägypten seit 2000 über die Möglichkeit, sich durch Selbstloskauf (khul’) einseitig zu trennen. Auch dafür wurde, wie die amerikanischen Autorinnen darlegen, das Idschtihad-Verfahren angewandt. Hier wurde nicht auf den Koran, sondern auf einen Hadith zurückgegriffen, eine Nachricht aus dem Leben des Propheten.

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