Islam in Sri Lanka

Frieden für die Mauren Sri Lankas?

25 Jahre Bürgerkrieg in Sri Lanka wirkten sich auch auf die islamische Gemeinschaft des Landes aus: Die Muslime fühlen sich als Opfer eines Konflikts, an dem sie gar nicht beteiligt waren. Mit dem Ende des Bürgerkriegs scheint sich die Situation wieder zu normalisieren. Aus Colombo berichtet Irfan Husain.

Jami ul Alfar-Moschee in Colombo; Foto: Wikimedia Commons
Die Jami ul Alfar-Moschee in Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas. Schon im 8. Jahrhundert n. Chr. siedelten die ersten Muslime in dem Land.

​​Auch wenn der Ursprung der arabischen Präsenz in Sri Lanka im Nebel des Mythos verborgen liegt, so kann als sicher gelten, dass sie mehr als 2000 Jahre zurückreicht und so um einige Jahrhunderte weiter als der Islam. Frühe Reisende erwähnen arabische und persische Handelsstützpunkte an der Küste und nach der ersten Offenbarung des Islam im 7. Jahrhundert dauerte es nicht lang, bis der neue Glaube auch auf der Insel heimisch wurde. Die Nachfahren dieser ursprünglichen Gemeinschaft bilden 95% der heutigen muslimischen Gemeinschaft und sind bekannt als die "Mauren".

Die übrigen 5% verteilen sich auf die "Malaien", die von niederländischen Kolonisten im 17. Jahrhundert auf die Insel gebracht wurden und auf diejenigen Muslime, die zur Zeit der damaligen britischen Herrschaft aus Südindien übersiedelten. Heute machen die Muslime etwa 8% der Gesamtbevölkerung von rund 20 Millionen aus.

Selbst wenn sie früher zumeist nur den Küstenstreifen besiedelten, sorgten die Portugiesen durch Vertreibungen und Schikanierungen dafür, dass sie zunehmend auch ins Inselinnere vordrangen. Heute sind sie in nahezu allen Beschäftigungen und Branchen vertreten; insbesondere die Edelstein-Branche wird von ihnen dominiert.

Beispielhafte Integration

Die Muslime Sri Lankas stehen indessen für eine außerordentliche Integrationsleistung. Sie sprechen die lokalen Sprachen Tamil und Singhalesisch und sind als Muslime oft nur dadurch zu erkennen, dass sie im Gegensatz zu den meisten Buddhisten auch Fleisch essen.

Entlang der Küste sind die Männer zu sehen, mit ihren dünnen Bärtchen und Strickmützen, während die Frauen an ihren Salwar Kamiz zu erkennen sind, die auch in Pakistan und Indien getragen werden. Ihre Moscheen sind in jedem kleinen Ort an der Küste zu finden. Mit der Zeit haben sie die arabische Sprache aufgegeben, doch blieben sie sozialkonservativ; nur wenige trinken Alkohol, und wenn, dann in den städtisch geprägten, moderneren Zirkeln von Colombo und Galle.

Ein brutaler Akt von ethnischer Säuberung

Trotz des Umstandes, dass Muslime nach den Singhalesen und Tamilen die drittgrößte Volksgruppe Sri Lankas bilden, verhielten sie sich nach der Erlangung der Unabhängigkeit von den Briten im Jahr 1948 jahrzehntelang politisch unauffällig. Erst als die Rebellenarmee der Tamilen, die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam), sich 1990 im Nordosten der Insel gegen sie wandte, wurden sie sich ihrer Rechte als eigenständige Gemeinschaft bewusst.

Nationalflagge Sri Lankas; Foto: Wikimedia Commons
Die grüne Farbe auf der Nationalflagge Sri Lankas steht für den Islam und die ethnische Gruppe der Moors.

​​ Um die 100 000 Muslime wurden aus ihren Geschäften, Häusern und Höfen vertrieben, ein brutaler Akt von ethnischer Säuberung, der Tausende von Familien in Flüchtlingslager trieb, in denen sie zum Teil noch heute leben müssen.

Die Spannungen entstanden, weil Velupillai Prabhakran, der gewissenlose Anführer der tamilischen Tiger, der Meinung war, dass die in dem von ihm kontrollierten Gebiet lebenden Muslime die Sache des tamilischen Separatismus nicht ausreichend unterstützten. Verständlicherweise war es den Muslimen lieber, unter einer säkularen Zentralregierung zu leben, die ihnen gleiche Rechte garantierte. Das Ergebnis aber war, dass sie aus dem Gebiet vertrieben wurden, in dem ihre Vorfahren jahrhundertelang friedlich gelebt hatten.

Das Ende des Bürgerkrieges

Zurzeit herrscht ein noch nicht gesicherter Friede zwischen den Tamilen an der Küste und den Muslimen. Als sich die Fronten verhärteten, haben die jungen Muslime sich in Gruppen organisiert; Waffen scheinen sie sich jedoch keine beschafft zu haben. Die meisten Muslime hoffen, dass sich mit dem Ende des Bürgerkrieges im Mai dieses Jahres für sie die Möglichkeit eröffnet, wieder in ihre Häuser in den von den Tamilen kontrollierten Gebieten zurückzukehren.

Studentinnen einer staatlichen Schule für muslimische Lehrerinnen; Foto: David McGilvray
Studentinnen einer staatlichen Schule für muslimische Lehrerinnen. Obwohl sie die größte Minderheit darstellen, sind die Muslime Sri Lankas bisher politisch nicht aktiv. (Foto: David McGilvray)

​​ Über den Zeitraum von Jahrhunderten betrachtet handelt es sich bei den Spannungen, die während des Bürgerkrieges auftraten, eher um Ausnahmen denn um die Regel.

Abgesehen von den Portugiesen im 16. Jahrhundert, die die Muslime Sri Lankas verfolgten und in das zentrale Hochland und zur Ostküste abdrängten, gab es wenig Spannungen zwischen den Moors und den jeweiligen Herrschern, seien es koloniale (niederländische und britische) oder den ansässigen. Die Muslime Sri Lankas wurden allgemein als gewiefte Händler angesehen, fähige Verwalter und wertvolle Übersetzer. Die Singhalesen sahen in ihnen keine Bedrohung für ihre Macht und auch die Tamilen lebten mit ihnen jahrhundertelang in Frieden.

Gute Aussichten auf Frieden

Auch wenn es heute nur wenig offene Feindschaft gegenüber den Muslimen gibt, fühlt sich die Minderheit bedroht.

Historische Fotografie von einer Herren-Gruppe von Moors; Foto: Wikimedia Commons
Eine Herren-Gruppe von Moors, historische Fotografie aus dem frühen 20. Jahrhundert. Heute sprechen die Moors Tamil mit arabischen Elementen.

​​ In dem Maße, wie der singhalesische Nationalismus unter dem Eindruck der vergangenen 25 Bürgerkriegsjahre zugenommen hat, fühlen sich die Muslime mehr und mehr an den Rand gedrängt. Muslimische Fachkräfte sagen, dass sie subtile Signale der Ausgrenzung zu spüren bekommen, die ihnen den Aufstieg zu den höheren Posten verwehren. Viele Muslime in Sri Lanka sehen sich als Opfer eines Konflikts, in dem sie ursprünglich gar nicht beteiligt waren.

Und doch: Nun, da die Regierung sich im Sieg über die tamilischen Separatisten großherzig zeigt, scheint es, als könnten die Wunden, die der Krieg schlug, relativ schnell verheilen. Denn tatsächlich jetzt nachdem General Prabhakran Geschichte ist, ist es möglich, dass die Insel schon bald aus ihrem langen Alptraum erwacht und die Singhalesen, Tamilen und Muslime in Frieden zusammenleben, wie sie es einst jahrhundertelang taten.

Irfan Husain

© Qantara.de 2009

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