Die Mitglieder des Komitees zahlten monatliche Beiträge in beachtlicher Höhe. Diese Mittel wurden den Familien politischer Gefangener im Iran zugeleitet. Im Februar 1979 hatte das Komitee noch eine Restsumme von einigen Tausend D-Mark, die in den Iran gebracht und dem dortigen Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte übergeben wurde.

Für die politische Entwicklung der Iraner in Deutschland und anderen westeuropäischen Staaten waren die Ereignisse der 1960er Jahre in Deutschland und Frankreich von prägender Bedeutung. Bis dahin waren innerhalb der iranischen Studentenbewegung zwei Tendenzen vorherrschend: die nationalistischen Liberalen und die traditionalistische Linke.

Die Nationalliberalen folgten der im Iran verbotenen "Nationalen Front", die traditionellen Linken waren Anhänger der moskauorientierten "Tudeh-Partei". Unter dem Einfluss der 68er-Unruhen radikalisierten sich auch die in der CISNU organisierten Studenten weltweit. Die traditionellen Linken wurden - ähnlich wie in Deutschland - zurückgedrängt, die Anhänger des kulturrevolutionär-chinesischen Wegs dominierten immer stärker die Szene.

In den folgenden Jahren war die Radikalisierung auch unter den im Iran lebenden Linken deutlich zu beobachten. Der Einfluss der 68er-Bewegung auf sie ist umstritten, denn die "Entstalinisierung" hatte unter ihnen noch nicht stattgefunden. Auch nicht wahrgenommen wurden die Dimensionen der gesellschaftspolitisch-kulturellen Befreiungsideen der Bewegung im westlichen Europa. Die Iraner waren stärker von den Bewegungen in Algerien und Vietnam sowie den Kämpfen in Lateinamerika beeinflusst. Es überrascht daher nicht, dass der Kampf der jungen iranischen Linken sich in Form einer Guerilla-Bewegung manifestierte.

Zwischen Sozialismus und "Drittem Weg"

Iranische Studenten im Revolutionsjahr 1979; Foto: picture-alliance/AP
Vom studentischen Aufbegehren bis zum bewaffneten Widerstand: Anfang der 1970er Jahre war im Iran ein Teil der politisch aktiven Jugendlichen und Erwachsenen in den Untergrund gegangen und propagierte den bewaffneten Kampf gegen das Schah-Regime als einzige Möglichkeit für gesellschaftliche Veränderungen.

In Westeuropa, insbesondere in Deutschland, liefen derweil mehrere politisch-ideologische Prozesse gleichzeitig ab. Die dominante Ideologie dieser Zeit kann man auch als "Third Worldism" beschreiben. Über das Verhältnis der sogenannten "Ersten Welt", also der entwickelten Industrieländer, zu den unterentwickelten "Dritte-Welt"-Ländern gab es einen regen Austausch.

In Deutschland und anderen großen europäischen Ländern breitete sich eine Solidaritätswelle mit der "Dritten Welt" aus. Sie manifestierte sich in der Anerkennung von Nationalismen unterschiedlichster Art, von Panarabismus, Baathismus, antikolonialen Widerstandsbewegungen, afrikanischem Sozialismus, Theorien des "Dritten Weges" zwischen Kapitalismus und Sozialismus, Maoismus, Anarchismus und christlicher Befreiungstheologie.

Die Mehrheit der politisch aktiven Iraner in Deutschland konnte lange Zeit ihre marxistisch-leninistisch-maoistischen Scheuklappen nicht ablegen. Anfang der 1970er Jahre war im Iran ein Teil der politisch aktiven Jugendlichen und Erwachsenen in den Untergrund gegangen und propagierte den bewaffneten Kampf gegen das Schah-Regime als einzige Möglichkeit für gesellschaftliche Veränderungen. Sie nannten sich "Volksmodjahedin" und "Volksfedayin". Die "Nationale Front", die "Tudeh-Partei" und auch die zersplitterten marxistischen Organisationen spielten fortan eine immer unwichtigere Rolle.

Die CISNU, die sich zwischen 1960 und 1979 im Ausland zur wichtigsten Opposition gegen das Schah-Regime entwickelt hatte, blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Was in der CISNU nicht vorlag, war ein klares politisches Programm für die Zukunft des Iran. Die Organisation zerfiel allmählich – genau wie die im Iran agierenden Gruppen – ihre Aktivisten landeten schließlich im Untergrund. Wer diesen Weg nicht gehen wollte, blieb in der Minderheit – eine Minderheit, die in der freiheitlichen Tradition der "Frankfurter Schule" lebte und sich nach der Revolution 1979 für die Verbreitung der Kritischen Theorie im Iran engagierte.

Die Iraner und die Frankfurter Schule

Für die linken Akademiker der 67er-Generation galt es zu jener Zeit in Europa, die für Jahrzehnte abgeschnittenen Traditionszusammenhänge in der Theoriebildung wieder aufzugreifen, zu überprüfen und erneut einzubringen. Inhaltlich relevant waren dabei der Marxismus, die Psychoanalyse, die analytische Sozialpsychologie sowie die Kapitalismus-, Klassen- und Imperialismus-Theorie.

Bei den Iranern lief verlief der gleiche Prozess an, wenn auch mit kurzweiliger zeitlicher Verzögerung. Nach dem Zusammenbruch des Stalinismus verbrachten die Anhänger des Sowjetkommunismus im Iran längere Zeit in der ideologischen Abgeschiedenheit. Ein Teil der kommunistischen Linken des Iran war phasenweise von der maoistischen Schule des Marxismus-Leninismus überzeugt, insbesondere in der Zeit der chinesischen Kulturrevolution von 1966 bis 1976. Das sowjetische System wurde von ihnen als "Sozialimperialismus" abgelehnt. Neben China wurden neue Vorbilder in Albanien, Kuba und Nord-Vietnam gesucht.

Mit dieser Entwicklung konnten sich jedoch die kritischen CISNU-Mitglieder nicht anfreunden. Das galt insbesondere für diejenigen, die sich mit der fehlgeleiteten politischen Entwicklung der CISNU und ihrer dem bewaffneten Kampf der Untergrundgruppen geltenden Gefolgschaft nicht abfinden konnten. Der Widerspruch galt der noch geltenden "Diktatur des Proletariats" und ihrer Durchsetzung durch den bewaffneten Kampf. Adorno hatte ja, nach Jürgen Habermas, den Marxismus vom Proletariat befreit und daher auch die Frage der Praxis anders gestellt.

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