Am Abend des 2. Juni 1967 besuchten der Schah und seine Frau in Begleitung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Heinrich Albers, die Deutsche Oper. Bereits Stunden davor hatten sich vor der Oper mehrere Tausend deutsche und iranische Gegendemonstranten versammelt. Am Ende des Abends fiel ein verhängnisvoller Schuss aus der Waffe eines Polizisten und tötete den unpolitischen Germanistikstudenten und gläubigen Protestanten Benno Ohnesorg. Dieses Ereignis entfachte einen lang anhaltenden Zorn der revoltierenden Jugend in Deutschland.

Auch an dieser Entwicklung hatte die CISNU einen wesentlichen Anteil. Denn anlässlich des Schah-Besuchs hatte sie in fast allen größeren Universitätsstädten Demonstrationen und Informationsveranstaltungen organisiert. Die Parolen dafür lauteten überall "Internationale Solidarität" mit den "Verdammten dieser Erde" – benannt nach einem Buchtitel des berühmten algerischen Intellektuellen und Psychiaters Frantz Fanon. Dabei hatte man die CISNU ursprünglich als akademische Vertretung konzipiert, die sich um die materiellen und rechtlichen Belange der iranischen Studenten kümmern sollte. So wollten die politischen Köpfe der Organisation die studierenden Iraner in Europa für sich gewinnen.

Neun Monate später, im Jahr 1968, gab sich die Organisation auf ihrem Pariser Kongress unter dem Eindruck der politischen Atmosphäre in Deutschland und Frankreich eine eindeutig politische Zielsetzung: Sie berief sich auf die Internationale Erklärung der Menschenrechte, prangerte die Verletzung der Rechte von Frauen an, forderte freie Wahlen im Iran und die Freilassung inhaftierter Oppositioneller und erklärte ihre Solidarität mit den internationalen Befreiungsbewegungen.

"Geburtshelfer der Studentenbewegung"

Fahrad Dutschkes am Tatort des Mordanschlags; Foto: picture-alliance/dpa
Schwerer Schlag für die Studentenbewegung und beginnende Fragmentierung: Am 11. April 1968 wird Rudi Dutschke vor der Geschäftsstelle des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) am Kurfürstendamm auf offener Straße von dem 23jährigen Arbeiter Josef Erwin Bachmann niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. Dutschke überlebte das Attentat, verstarb jedoch, vermutlich an den Spätfolgen, am 24. Dezember 1979 in Aarhus/Dänemark.

Am 11. April 1968 wurde der prominenteste Vertreter der deutschen Studentenbewegung, Rudi Dutschke, von drei Kugeln aus der Pistole eines 23 Jahre alten Nazis schwer verletzt. Die nachfolgenden "Osterunruhen" zählten zu den größten Demonstrationen in der Geschichte der Bundesrepublik und bildeten den Höhepunkt der deutschen Studentenbewegung. Hieran waren die iranischen Studenten der CISNU maßgeblich beteiligt.

Einer ihrer Aktivisten schrieb dazu: "Wir Iraner waren damals zufällige Helfer bei der Geburt dieser Bewegung, wurden jedoch selbst von ihren Ideen und ihrer Kultur, die wir teilweise weitergegeben haben, erfasst. Vor diesem Hintergrund sind wir natürlich sehr dankbar, dabei gewesen zu sein".

Die CISNU genoss in der politischen Öffentlichkeit Deutschlands ein relativ hohes Ansehen. Ihre englisch- und deutschsprachige Publikation "Iran Report" ging an alle politischen Parteien, Gruppen und Institutionen. Viele SPD- und FDP-Abgeordnete unterstützten ihre Forderungen nach Freilassung der politischen Gefangenen, Folterverbot und gesellschaftlichen Freiheiten im Iran.

Die Unterstützung rechte sogar so weit, dass zum CISNU-Jahreskongress 1970 die Stadt Karlsruhe in der Ferienzeit eine ganze Schule mit Feldbetten ausstattete und für die Unterbringung von mehreren Hundert Delegierten und Besuchern des Kongresses, die aus den USA, Westeuropa und Indien gekommen waren, zur Verfügung stellte.

Die Sympathie für die politisch aktiven Iraner in Deutschland war wohl auch ein Grund dafür, weshalb der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann den 2.500-Jahr-Feierlichkeiten der iranischen Monarchie im Oktober 1971 fern blieb. Offiziell wurden Gesundheitsgründe angegeben, Heinemann ließ sich von Bundestagspräsident Kai-Uwe von Hassel vertreten. Auch der französische Staatspräsident François Mitterrand verweigerte dem Schah seine Aufwartung.

Die Iraner und das 68er-Erbe

Mitte der 1970er Jahre war es sogar der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Heinrich Albers, der mit anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein "Iran-Komitee" ins Leben rief, um die politischen Gefangenen und ihre Familien im Iran zu unterstützen – derselbe Heinrich Albers, der wenige Jahre zuvor den Tod Benno Ohnesorgs den protestierenden Studenten angelastet und diese massiv bekämpft hatte.

Neben Albers waren auch Protagonisten der 67er-Bewegung wie die Professoren Helmut Gollwitzer, Wolf-Dieter Narr und Ulrich Albrecht, die Journalistin Carola Stern und die SPD- Abgeordneten Norbert Gansel und Peter Glotz an der Arbeit des "Iran-Komitees" und seiner gleichnamigen Publikation beteiligt.

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.