Karim Nagy; Foto: Mohamed Massad
Interview mit Karim Nagy, Leiter des Projektes "Kalima"

Neue Initiative für Übersetzungen ins Arabische

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde das ehrgeizige Übersetzungsprojekt "Kalima" vorgestellt. Das Amt für Kultur und kulturelles Erbe in Abu Dhabi strebt eine Wiederbelebung der Übersetzungsarbeit an. Mohamed Massad sprach mit dem Projektleiter Karim Nagy.

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde das ehrgeizige Übersetzungsprojekt "Kalima" vorgestellt. Das Amt für Kultur und kulturelles Erbe in Abu Dhabi (Abu Dhabi Authority for Cultural and Heritage, ADACH) strebt eine Wiederbelebung der Übersetzungsarbeit in der arabischen Welt an. Mohammad Massad sprach mit dem Projektleiter Karim Nagy.

Karim Nagy; Foto: Mohamed Massad
Leitet das neu initiierte Übersetzerprogramm "Kalima": Karim Nagy

​​Können Sie die Idee des Projekts vorstellen?

Karim Nagy: Kalima ist ein nichtkommerzielles Projekt, das sich mit der Übersetzung und Herausgabe von Büchern sowie dem Vertrieb der übersetzten Bücher in der arabischen Welt beschäftigt.

Dies soll über Kooperationsverträge mit arabischen Verlegern aus verschiedenen arabischen Ländern geschehen, vom Libanon über Ägypten bis hin nach Marokko. Das Projekt wählt die empfohlenen Bücher aus, finanziert die Übersetzung, Veröffentlichung sowie den Vertrieb in der arabischen Welt.

Wir beschränken uns hierbei nicht auf eine bestimmte Ausgangssprache. Aus welcher Sprache übersetzt wird, hängt eigentlich vielmehr davon ab, ob es qualifizierte Übersetzer für bestimmte Sprachen gibt. Wir werden aus mehr als zehn Sprachen übersetzen lassen, wobei wir den Schwerpunkt zunächst auf Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch legen.

Konzentriert sich das Projekt lediglich auf Abu Dhabi?

Nagy: Der Hauptsitz des Projekts Kalima ist in Abu Dhabi. Außerdem gibt es Projektstandorte in Beirut, Kairo und Rabat. Die Entscheidung für Libanon und Ägypten hängt damit zusammen, dass beide Länder zu den wichtigsten Zentren des Verlagswesens im arabischen Raum zählen. Und in Marokko wurde das Projekt angesiedelt, weil es dort eine Reihe guter Übersetzer aus dem Französischen und Spanischen ins Arabische gibt.

Außerdem verfügt das Land über hervorragende Universitäten. Darüber hinaus wollten wir unbedingt eine Verbindung zum arabischsprachigen Maghreb.

Außerhalb der arabischen Welt werden wir präsent sein, indem wir regelmäßig Delegationsreisen unternehmen sowie an Kongressen und Buchmessen teilnehmen. Auf diese Weise halten wir direkten Kontakt zu ausländischen Verlegern und zu allen, die im Übersetzungsbereich tätig sind.

Nach welchen Kriterien werden die Bücher ausgesucht, die übersetzt werden sollen?

Nagy: Wir haben einen Kriterienkatalog für die Auswahl von Publikationen zusammengestellt. Ziel ist hierbei ein ausgewogenes Ergebnis aus klassischen, modernen und zeitgenössischen Werken. Diese Ausgewogenheit soll auch in den einzelnen Gebieten, sei es Belletristik, Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften oder Geschichte, erzielt werden. Hierbei stützen wir uns auf die acht von der UNESCO erstellten Kategorien.

Logo Kalima

​​Darüber hinaus wird bei der Auswahl der Werke die aktuelle Situation der arabischen Leserschaft in Betracht gezogen. Wir legen den Fokus auf die Lücken in den arabischen Bibliotheken. Als Erstes werden wir eine Prioritätenliste der erforderlichen Literatur erstellen.

Erfolgt die Übersetzung lediglich ins Arabische oder sind auch Übersetzungen aus dem Arabischen vorgesehen?

Nagy: Der Grundgedanke des Projektes sieht auch die Übersetzung aus dem Arabischen in andere Sprachen vor. Dies ist ebenso wichtig. Allerdings haben wir entschieden, dass als Erstes die Übersetzungen ins Arabische erfolgen.

Sobald wir mit den ausländischen Verlegern ins Gespräch gekommen sind, eine Kooperation mit arabischen Verlegern entstanden ist und wir eine gewisse Einflussnahme in der arabischen Welt auf Herstellung, Veröffentlichung und Vertrieb der ins Arabische übersetzen Bücher erreicht haben, werden wir auch den nächsten Schritt unternehmen, indem wir unseren Beitrag für die Übersetzung arabischsprachiger Bücher in andere Sprachen leisten.

Könnten Sie zu den Details des Projekts etwas sagen, z.B. zur Projektdauer oder zum Gremium, das über die Auswahl der Publikationen entscheidet?

Nagy: Die Verwaltung des Projekts untersteht dem ADACH. Falls das Projekt später in eine unabhängige Institution überführt wird, werden wir mit Sicherheit darüber nachdenken, einen Beirat, bestehend aus Mitgliedern aus verschiedenen Ländern, einzurichten.

Was die Empfehlung und die Auswahl der Bücher anbelangt, obliegt diese Arbeit einem wissenschaftlichen Gremium, das auf die zuvor erwähnten Buchkategorien spezialisiert ist. Die Zusammensetzung des Gremiums wird Anfang jedes Jahres bekannt gegeben. Dies wird auch im Zusammenhang mit den neueren Entwicklungen auf dem Buchmarkt erfolgen.

Nähere Details können Interessierte auf der offiziellen Eröffnungsveranstaltung des Projekts erfahren, die am 21. November 2007 in Abu Dhabi stattfindet. Weitere Informationen liefert ebenfalls das Internetportal des Projekts, welches ebenfalls zu diesem Termin fertig gestellt sein wird.

Interview: Mohammad Massad

Übersetzung aus dem Arabischen von Raoua Allaoui

© Qantara.de 2007

Qantara.de

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