Interview mit der malaysischen Künstlerin Nadiah Bamadhaj

Üppige Körper gegen obsessiv-religiösen Konservatismus

Nadiah Bamadhaj, eine der bedeutendsten malaysischen Künstlerinnen ihrer Generation, fordert mit ihren Skulpturen, Collagen und Videos die restriktiven gesellschaftlichen Normen und Sexualvorstellungen in südostasiatischen Ländern heraus. Mit ihr sprach Naima Morelli.

Was hat Sie zu "Lush Fixations" (dt. "Üppige Fixierungen") inspiriert?

Nadiah Bamadhaj: Meine vorherige Serie Dreaming Desire 2019 hatte ich mittlerweile abgeschlossen. Und nachdem ich kürzlich 50 geworden bin und die Menopause bald anstehen dürfte – über die alle in meinem Alter ständig Witze reißen –, dachte ich über meine eigene Sexualität im Kontext dieser Übergangsphase nach. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist Lush Fixations. Allerdings mit einer durchaus politischen Botschaft, womit ich auf das Leben im heutigen Indonesien und der obsessiven sexuellen Fixierung des religiösen Konservatismus reagiere.

Ein berühmtes Zitat lautet: "Alles auf der Welt dreht sich um Sex, außer beim Sex. Beim Sex geht es um Macht." Mit "Lush Fixations" verweisen Sie auf diese Tatsache, feiern aber auch den Körper. Wie ist es Ihnen gelungen, diese unterschiedlichen Aspekte miteinander zu verbinden? 

Nadiah Bamadhaj: Es stimmt ja, dass Sex und Sexualität in den meisten unserer täglichen Interaktionen eine Rolle spielen. Lush Fixations stellt Sex durch das Medium Körper dar und lässt ihn mit der sterilen Umgebung einer Galerie interagieren. Wenn ich meine Werke außerhalb meines Studios sehe, fühle ich mich selbst mit diesem Gedanken konfrontiert.

Ich denke auch, dass es bei Sex um Macht geht, aber diese Macht ist nicht binär. Die Machtdynamiken im Sex sind vielgestaltig, facettenreich und divers. Sie werden zwischen den Menschen ständig neu verhandelt. Mit Lush Fixations wollte ich dieses Phänomen aber nicht in der Tiefe ausloten. Die Zeichnungen an der Wand sind ganz offen sexuell und feiern damit hoffentlich alle Geschlechter.

Nadiah Bamadhaj, Profferia Officinale, 2019, Kreide auf Papier, Collage, 185 x 102 cm; Quelle: Nadiah Bamadhaj und Richard Koh Fine Arts
In ihrer jüngsten Ausstellung "Lush Fixations" (dt. "Üppige Fixierungen") in der Richard Koh Fine Arts Gallery in Singapur feiert Nadiah Bamadhaj die Körperlichkeit und stemmt sich damit gegen das zunehmend konservative religiöse Klima in Indonesien und die scheinheilige Haltung der internationalen Gemeinschaft in Menschenrechtsfragen.

In Ihrer Ausstellung verweisen die Pflanzenmotive der Körperzeichnungen auf das offene Ausleben von Sexualität; die Tatsache, dass Sexualität an sich etwas Natürliches und Wertfreies ist. Sie schreiben, dass die üppigen Pflanzen in Ihren Zeichnungen für "Sexualität, nicht für Fruchtbarkeit" stehen.  Wo liegt der Unterschied?

Nadiah Bamadhaj: Für mich ist es wichtig, eine klare Grenze zwischen Sexualität und Fruchtbarkeit zu ziehen. Nicht jede sexuelle Ausdrucksform sollte sich auf die Mehrung der menschlichen Spezies beziehen. Sex sollte eine Form der Kommunikation, Verbundenheit und Freude sein, die sich von der Fruchtbarkeit unterscheidet. Es gibt jedoch eine starke Schamkultur, die an die Sexualität gekoppelt ist und die wiederum von der Fruchtbarkeit entkoppelt ist, was ein Grund dafür ist, dass es LGBTQ-Gemeinschaften so schwer haben.

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