Das kann ja nur christliche Musik gewesen sein - ist das ein Problem für die Religionswächter im Iran?

Meftah: Entscheidend war, dass ich überhaupt eine Sängerin begleitet und in diesem Tanzprojekt mitgewirkt hatte, was ja im Iran verboten ist. All das erfuhr ich aber erst einmal nicht, als mich plötzlich zehn oder zwölf Basidschi auf der Straße umringten, mich beschimpften und drei Tage in einen kleinen Raum einsperrten. Ich kam mir vor wie ein Terrorist. Als sie mich wieder freiließen, nahmen sie mir meinen Reisepass ab. Unterstützt von meinem Anwalt, musste ich drei Jahre darum kämpfen, den Pass zurückzuerhalten und wieder nach Frankreich ausreisen zu dürfen. Während dieser Zeit durfte ich auch nicht arbeiten. Das war eine wirklich harte Zeit für mich.

In Frankreich arbeiteten Sie danach weiter mit Saeid Shanbehzadeh zusammen - sehr erfolgreich, insgesamt 17 Jahre lang. Warum trennten Sie sich 2014?

Meftah: Letztlich war es wie in manchen Ehen: Irgendwann ist man müde und man merkt, dass es reicht. Unsere Vorstellungen von Musik waren zuletzt sehr unterschiedlich. Als ich die Trennung vollzogen hatte, merkte ich, wie gut mir das tat. Ich glaube deshalb nicht, dass wir noch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen werden.

Auf Youtube finden sich einige Clips, in denen Sie mit dem Oud-Spieler Shahram Gholami zu hören sind. Darin agieren Sie sehr zurückgenommen. Wie fühlen Sie sich in einer solchen Rolle?

Meftah: Tatsächlich mag ich auch das. Shahram und ich nahmen deshalb Ende 2012 eine gemeinsame CD in meinem Pariser Studio auf. Das hat viel Spaß gemacht – auch weil sich unser kleines Projekt so sehr von meiner übrigen Arbeit unterschied.

Der iranische Musiker Habib Meftah auf dem Rudolstadt-Musikfestival am 5. Juli 2019; Foto: Bernd G. Schmitz
Autodidakt und Klangartist: "Bei mir ist alles handgemacht. Das Fundament meiner Arbeit ist traditionelle südiranische Musik aus Abadan, Bandar Abbas, Bushehr und anderen Orten. Die möchte ich in ein zeitgenössisches Gewand kleiden, damit mir auch Menschen zuhören, die normalerweise nicht an traditionellen Klängen interessiert sind", sagt Habib Meftah.

Diese Zusammenarbeit führte ebenfalls zu Problemen …

Meftah: Nachdem Shahram in den Iran zurückgekehrt war, um dort das Album herauszubringen, teilte ihm das Ministerium für Kultur und Islamische Führung (Ershad) mit, dass dies nicht geschehen könne, wenn mein Name auf der CD erwähnt würde. Es schien also nicht zu klappen mit der Veröffentlichung. Shahram fand dann aber doch noch eine Lösung: Statt "Habib Meftah" ließ er "Dey Zang Roo" auf die CD drucken. "Deyzangeroo" hieß nämlich meine erstes, 2005 erschienenes Solo-Album. Der Titel ist seitdem so etwas wie mein Pseudonym, unter dem mich allerdings viele Musikfreunde kennen. Bei den Mitarbeitern des Ministeriums, die letztlich die Erlaubnis zur Veröffentlichung der CD erteilten, war das scheinbar nicht der Fall.

Wie würden Sie die Musik bezeichnen, die Sie aktuell machen? Manche nennen diese auch "Electrofolk".

Meftah: Ich verwende diese Bezeichnung nicht. Viele Leute würden dahinter elektronische Musik vermuten. Bei mir ist aber alles handgemacht. Das Fundament meiner Arbeit ist traditionelle südiranische Musik aus Abadan, Bandar Abbas, Bushehr und anderen Orten. Die möchte ich in ein zeitgenössisches Gewand kleiden, damit mir auch Menschen zuhören, die normalerweise nicht an traditionellen Klängen interessiert sind. Ich mache einfach Folkmusic mit einem der heutigen Zeit angepassten Sound.

Ihr neues Konzertprogramm heißt "Shibaali". Worum geht es dabei?

Meftah: Es ist eine Art musikalisches Tagebuch meines Lebens. Darin habe ich Eindrücke aus meiner Kindheit, meiner Jugend und der Zeit des Erwachsenseins verarbeitet. Wenn ich zum Beispiel als Kind mittags aus der Schule kam, überraschte mich meine Großmutter häufig mit einem kleinen Geschenk, etwas Geld oder einer Süßigkeit. Diese Dinge waren immer unter einem dünnen weiten Tuch verborgen, in das sich die älteren Frauen im Südiran auch heute noch hüllen. Und "Shibaali", der Titel meines aktuellen Projekts, bedeutet in unserer Sprache "unter der Kleidung". Die Idee ist, auch im Laufe meines Konzerts viele kleine Überraschungen für das Publikum hervorzuholen - so wie es einst meine Oma im Garten unseres Hauses für mich tat.

Das Interview führte Bernd G. Schmitz.

© Qantara.de 2019

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