Wenn Sie Ministerpräsident Pakistans wären: Welche Art von Beziehungen würden Sie zu den USA und zur EU anstreben?

Khan: Pakistans sollte sich in erster Linie um gute Beziehungen zu seinen Nachbarn bemühen, also mit Iran, Afghanistan, Indien und China. Dann sollte es sich auch um Annäherung an den Westen bemühen. Wir wollen gute Beziehungen zu China, denn Pakistans Wohlstand ist von China abhängig.

Peking pumpt durch den chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridor Milliarden US-Dollar in unser Land. Ganz klar, die EU und die USA  gehören zu Pakistans wichtigsten Handelspartnern. Und ich würde freundschaftliche Beziehungen zu ihnen unterstützen.

Afghanistan Anschlag in Kabul 1.3.2017 Foto: Reuters/Mohammed Ismail
Taliban in der Offensive: Trotz Milliarden von US-Dollar für das Militär ist es den USA und der Regierung in Kabul nicht gelungen, die Taliban zu besiegen. In den letzten Monaten konnten die Islamisten große Teile des Landes wieder unter ihre Kontrolle bringen. Deshalb sind die USA inzwischen auch zu Verhandlungen bereit.

Ihre Unterstützung für Verhandlungen mit den pakistanischen und afghanischen Taliban wird von vielen kritisiert. Sie weigern sich, den Terror extremistischer Gruppen zu verurteilen und machen stattdessen die amerikanische Intervention in Afghanistan dafür verantwortlich. Glauben Sie wirklich, dass das pakistanische Militär nicht verschiedene islamistische Gruppen in Afghanistan und Kaschmir unterstützt?

Khan: Das sind lediglich Unterstellungen von Leuten, die die dschihadistischen Bewegungen und die Taliban nicht verstehen und keine Ahnung von den Vorgängen in Pakistan und Afghanistan haben. Die militärische Lösung (in Afghanistan, Anm. d. Red.) ist gescheitert. Auch die USA wollen mit den Taliban verhandeln, weil sie mit militärischen Mitteln nicht weiterkommen, trotz vieler Milliarden US-Dollar, die sie dafür verwendet haben.

Diese Dschihad-Organisationen wurden vom Pakistanischen Militärischen Geheimdienst (ISI) und von der amerikanischen CIA geschaffen, um die Sowjets in Afghanistan (in den 80er Jahren, Anm. d. Red.) zu bekämpfen. Als die Sowjetunion auseinanderbrach und die USA sich davonmachten, blieb Pakistan allein mit diesen Dschihad-Gruppen.

Nach dem Angriff vom 11. September 2001 setzte Washington diesen Dschihad-Gruppen plötzlich nach und nannte sie "Terroristen" - dieselben Leute, die sie vorher als Helden gefeiert hatten. Pakistan steht in diesem Krieg gegen den Terror an vorderster Front und hat dabei große Verluste erlitten. Wir haben 70.000 Menschen in diesem Krieg verloren, der uns aufgezwungen wurde. Pakistan sollte sich aus diesem Krieg heraushalten.

Welche Art von Beziehungen zu Indien streben Sie an? Jeder Versuch eines pakistanischen Premiers, die Beziehungen zu Indien zu verbessern, führe zu Abwehrreaktionen des Militärs, sagen Beobachter.

Khan: Das ist nichts als Propaganda! Früher stimmte das vielleicht einmal, aber jetzt besteht in Pakistans Bevölkerung und Parteien breites Einvernehmen, dass es Frieden mit Indien geben muss. Jedermann weiß, dass Indien mit Narendra Modi von einem Hindu-Nationalisten regiert wird. Sein einziges Ziel ist es, Pakistan zu isolieren. Auf diese Art und Weise können wir keinen Frieden schließen.

Wenn irgendetwas in Indien passiert, gibt Modi sofort Pakistan die Schuld an dem Chaos. Er ist nicht an einem konstruktiven Friedensprozess interessiert, sondern er sabotiert ihn. Auch sein Vorwurf, dass Pakistan in Kaschmir den Terrorismus anheize, geht ins Leere. Vielmehr ist es die Regierung Modi, die mit brutaler Gewalt gegen eine lokal verwurzelte  Bewegung vorgeht.

Im Gegensatz dazu hat sich der frühere indische Ministerpräsident A. B. Vajpayee, der ebenfalls von der rechtsgerichteten BJP kam, stets für Frieden eingesetzt.

Interview: Shah Meer Baloch

© Deutsche Welle 2017

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