König Abdallah II. will aber auch nicht mehr so isoliert da stehen wie zu Zeiten des Zweiten Golfkrieges, als sich sein Vater nicht der arabisch-amerikanischen Kriegsallianz im Kampf gegen Saddam Hussein angeschlossen hat, oder?

Bank: 1990/91 ist sicherlich, wenn man zurückblickt auf die vergangenen Jahrzehnte jordanischer Nahostpolitik, die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Damals hat sich König Hussein zumindest neutral gegenüber Saddam Hussein verhalten, was de facto als Parteinahme für den Diktator gewertet wurde. Jordanien war deshalb von den USA, Saudi-Arabien und auch Israel unter Druck geraten und hat daraufhin den Friedensprozess mit Israel vorangetrieben, um aus dieser massiven Isolation herauszukommen.

Ein Großteil der Regionalpolitik von König Abdallah II. ist bei weiten Teilen der Bevölkerung unbeliebt, weil sie auch als Ausverkauf arabischer Interessen wahrgenommen wird - vor allem im Verhältnis zu Israel, aber auch in Bezug auf Syrien. Als Baschar al-Assad kurz vor dem Fall stand, hat König Abdallah II. als erstes arabisches Staatsoberhaupt seinen Rücktritt gefordert. Jetzt, da Assad politisch überlebt, öffnen die Jordanier wieder den wichtigsten Grenzübergang. Sie versuchen zu den Ersten zu gehören, die von der relativen Stabilisierung in Syrien ökonomisch profitieren. Man hängt das Fähnchen immer nach dem Wind.

Symbolbild Intifada; Foto: Reuters
Immer an einer Beruhigung der Lage interessiert: "Was Jordanien nicht möchte, ist eine dritte Intifada, da dies mit massiver Gewalt verbunden wäre. Das hat natürlich auch eine innenpolitische Dimension, denn wenn in Palästina die Gewalt eskaliert, folgen in Jordanien sofort Solidaritätskundgebungen, die sich teilweise auch gegen die Monarchie und König Abdallah II. richten können", André Bank.

In Jordanien leben viele Palästinenser, Jordanien ist vom Nahost-Konflikt unmittelbar betroffen. Inwiefern interessiert sich Jordaniens für einen palästinensischen Staat?

Bank: Offiziell, und das ist auch jordanische Staatsdoktrin, gilt die Zwei-Staaten-Lösung. Was Jordanien nicht möchte, ist eine dritte Intifada, da dies mit massiver Gewalt verbunden wäre. Die haschemitische Monarchie ist immer an einer Beruhigung der Lage interessiert. Das hat natürlich auch eine innenpolitische Dimension, denn wenn in Palästina die Gewalt eskaliert, folgen in Jordanien sofort Solidaritätskundgebungen, die sich teilweise auch gegen die Monarchie und König Abdallah II. richten können. Jordanien ist zwar offiziell Befürworter dieser Zwei-Staaten-Lösung, weiß aber, dass es sehr wenig dafür tun kann. Jordanien ist sich bewusst, dass es mit dieser US-Regierung, mit dieser israelischen Regierung und mit diesen Führungsgruppen bei Fatah und Hamas auf absehbare Zeit keinen Frieden geben wird.

Jordanien hat die Grenze zu Syrien teilweise wieder geöffnet. Wie beeinflusst die Lage in Syrien die Stabilität Jordaniens?

Bank: Derzeit leben Hunderttausende Syrerinnen und Syrer in Jordanien. Und gerade die nördlichen Gebiete Jordaniens, die ja besonders eng mit Syrien verflochten waren, haben unter der Grenzschließung 2014 wirtschaftlich gelitten. Andererseits hat sich die geostrategische Bedeutung eines stabilen Jordaniens durch den Syrien-Krieg massiv erhöht. So hat die jordanische Regierung viele Gelder bekommen - von den USA, Europa und auch von den Golfstaaten - auf dass sich der Syrien-Konflikt nicht zu einem regionalen Flächenbrand im gesamten Nahen Osten auswächst.

Das Interview führte Diana Hodali.

© Deutsche Welle 2019

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Leserkommentare zum Artikel: "Jordanien hängt die Fahne nach dem Wind"

Was der Autor " die Fahne in den Wind hängen" nennt, bezeichne ich als äusserst geschickte Diplomatie durch das Königshaus, die diesem kleinen Land seit Jahrzehnten das Überleben in schwierigstem Umfeld sichert hat und zudem ein Heraushalten aus zerstörerischen kriegerischen Handlungen bedeutet. Rundherum nur Chaos und Verderben. Vielleicht liegt es auch daran dass das jordanische Königshaus nie religiös und ideologisch so verblendet war wie die Herrscher in den meisten der Nachbarstaaten. Dabei geholfen hat sicher auch die hochklassige Bildung im Westen, welche die meisten Mitglieder des jordanischen Königshauses genossen haben. iWelche andere Chance hätte Jordanien denn gehabt ausser auf Diplomatie zu setzen ? Und zumindest die Beduinenstämme - und die sind nicht ganz unbedeutend - stehen nach wie vor loyal an zu ihrem König.

Ingrid Wecker23.01.2019 | 23:53 Uhr