Der Film wurde letzten Sommer während des Festivals für Dokumentationsfilme in Istanbul gezeigt. Wie waren Reaktionen?

Yıldız: Das Interesse war überaus groß. Der Saal war überfüllt und der Film gewann den Preis für die beste Dokumentation. Die Menschen wunderten sich, dass der Film unter diesen Schwierigkeiten entstehen konnte und wollten wissen, ob es juristische Probleme gibt.

Und, gibt es die?

Yıldız: Bislang nicht. Ich warte immer noch (lacht). Wann das passieren wird, weiß ich nicht. Im kommenden März werde ich in Batman und anderen kurdischen Städten im Osten der Türkei sein. Dort wird es wohl eher Schwierigkeiten geben.

Welche meinen Sie?

Yıldız:  Das Übliche - Anzeige, Anklage wegen Propaganda oder Haft.

Das scheint Sie nicht sonderlich zu beunruhigen…

Yıldız:  Die Situation der Menschenrechte in der Türkei ist seit vier Jahren unglaublich schlimm. Wir sprechen hier von einem Land, dessen Justiz einen lauten Tod stirbt und am Boden liegt. Weil ich aber nichts gesetzeswidriges getan habe, habe ich keine Angst. Ich werde mich verteidigen und die Wahrheit erzählen. Es ist kein Verbrechen, einen Film über bestimmte Realitäten zu drehen. Hier gibt es nichts, wovor ich wegrennen oder weswegen ich mein Land verlassen müsste. Jede Mutter hat das Recht, ihre Kinder zu sehen. Es geht hier um Existenzen. Deshalb gibt es juristisch keinen Grund, mich zu inhaftieren.

Trotzdem stellt der Film eine Tabuverletzung dar.

Yıldız: Für einen Teil der Gesellschaft ist es noch immer ein Tabu, ja. Aber es ist ein Prozess, bei dem kleine Anstöße das Gesamtbild verändern können.

Das Interview führte Semiran Kaya.

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