Erinnerung an eine Aufbruchstimmung

Wie bewerten Sie die Reaktionen auf die App? Und welche Städte umfasst sie bis jetzt?

Behkalam: Momentan enthält die App nur Material aus Kairo. Deswegen stammen auch die meisten ihrer Nutzer aus der ägyptischen Hauptstadt. Ein paar hundert Menschen teilen die App und geben mir immer wieder Rückmeldungen. Ab und zu berichten Nutzer auch über ihre Erlebnisse, wenn sie das Material vor Ort anschauen, aber bis jetzt haben nur wenige eigenes Material beigesteuert. Ich hoffe, dass wir in Zukunft mehr Rückmeldungen bekommen und die App nicht nur zum Dokumentieren, sondern auch zum Kommunizieren verwendet wird.

Sie sind visueller Künstler, Filmemacher und Autor. Wie kommen Sie mit den unterschiedlichen Methoden in den einzelnen kreativen Disziplinen zurecht?

Behkalam: Für mich persönlich sind diese Kategorien weder wichtig noch zweckdienlich, vielleicht sind sie gar nicht wirklich existent. Ich bewege mich in einem sehr weiten Feld von kreativen Möglichkeiten und möchte in nicht-akademischer Form neue Ausdrucksmöglichkeiten erforschen.

 

 

Abgesehen von Ihrem Projekt haben Sie als Dozent an der Amerikanischen Universität in Kairo gearbeitet. Inwiefern hat sich diese Lehrtätigkeit in Ihrem künstlerischen Werdegang bemerkbar gemacht?

Behkalam: Ich bin am 12. Februar 2011 nach Ägypten gekommen und mehr als fünf Jahre im Land geblieben. Ursprünglich wollte ich nur einen Monat lang als „Artist in Residence“ im Rahmen einer Ausstellung in der Townhouse Gallery in Kairo bleiben. Als ich erkannt hatte, wie wichtig die Ereignisse nach dem Sturz von Mubarak waren, beschloss ich, meinen Aufenthalt zu verlängern.

Ich begann an der Amerikanischen Universität zu unterrichten. Diese Jahre waren für mich persönlich, aber auch künstlerisch und politisch sehr wichtig. Es war faszinierend, die Aufbruchstimmung Anfang 2011 mitzuerleben und zu sehen, wie innovative Foren und neue Debatten entstanden. Das war nicht nur auf dem Tahrir-Platz so, sondern auch Bezirksausschüssen und an der Amerikanischen Universität. Wegen der politischen Ereignisse wurde der Lehrplan komplett umgestaltet.

Statt der üblichen Veranstaltungen zur klassischen europäischen Kunstgeschichte gab es zum Beispiel Vorlesungen, in denen darüber gesprochen wurde, welche außereuropäischen Quellen der Kunstgeschichte für die damalige Situation relevant sein konnten.

Was planen Sie als nächstes?

Behkalam: Nach dem Augmented Archive-Projekt zu Kairo bereite ich derzeit eine Augmented Archive-App vor, die historisches Material zur Stadt Berlin enthalten wird.

Interview: Eslam Anwar

Übersetzung aus dem Arabischen: Andreas Bügner

© Goethe-Institut 2019

Dieser Artikel erschien erstmals beim Goethe-Institut Kairo.

Kaya Behkalam lebt in Berlin und Kairo. Von 2012 bis 2015 war er Dozent an der Kunstfakultät der American University und Leiter der Sharjah Art Gallery der Universität. Das Projekt Augmented Archives entstand mit Unterstützung des Goethe-Instituts in Kairo.

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