Reformen und Zensur

Unter dem Motto "Auswirkungen der arabischen Renaissance und Chancen für Reformen" läuft derzeit die Internationale Buchmesse in Kairo. An der Verkaufsmesse nehmen etwa 610 Verleger aus 25 Ländern teil. Aus Kairo berichtet Mona Naggar.

Unter dem Motto "Auswirkungen der arabischen Renaissance und Chancen für Reformen" läuft bis zum 8. Februar die Internationale Buchmesse in Kairo. An der Verkaufsmesse nehmen etwa 610 Verleger aus 25 Ländern teil. Aus Kairo berichtet Mona Naggar.

Foto: Markus Kirchgessner

​​Der in Paris lebende ägyptische Schriftsteller Yahya Ibrahim hat seinen Besuch in der Heimat auf die Zeit der Buchmesse gelegt. Für ihn, wie für viele andere arabische Schriftsteller und Intellektuelle auch, ist die Buchmesse in Kairo ein wichtiges kulturelles Ereignis:

"Natürlich kaufe ich hier Bücher. Ich verschaffe mir auch einen Überlick über Neuerscheinungen und mache Werbung für meinen neuesten Roman. Auf der Buchmesse treffe ich Freunde, die sonst auf der ganzen Welt verstreut sind. Es ist ein Kulturfestival.”

Bei frühlingshaften Temperaturen strömen Tausende von Ägyptern auf das riesige Messegelände im Stadtteil Nasr-City. Die Atmosphäre ähnelt einem Volksfest: Familien machen auf den kleinen Rasenflächen Picknick, Buden verkaufen Döner und Falafel; Musik, schrille Computerspiele und Koranrezitationen strömen aus den vielen Zelten, die neben den Verkaufshallen aufgestellt wurden. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Das diesjaehrige Rahmenprogramm steht unter dem Motto: "Die Auswirkungen der arabischen Renaissance und Chancen für Reformen”. Die Diskussionsrunden zum Thema sind prominent besetzt, u.a. mit Hassan Hanafi, Professor für Philosophie, oder mit dem gemäßigten Islamisten Abu l-Ula Madi.

Sayyid Mahmud, Feuilletonist der ägyptischen Tageszeitung al-Ahram meint dazu: "Die Wahl des Themas muss man im Kontext der aktuellen politischen Diskussion in Ägypten sehen. Der Druck vom Ausland, insbesondere von Seiten der USA, spielt auch eine Rolle. Man versucht, die arabische Renaissance, die vor 200 Jahren mit der Machtergreifung von Muhammad Ali als Gouverneur von Ägypten eingesetzt hat, mit der laufenden Debatte über Reformen zu verbinden.”

Auch dieses Jahr gibt es Zensur

Das große Thema bei den arabischen Verlagen in den ersten Tagen der Buchmesse ist die Willkür der ägyptischen Zensur. Zwar leugnen die Veranstalter jeden Eingriff, aber die Verleger klagen über beschlagnahmte Bücher.

Der syrische Verlag Dar Ward darf einige Titel von Tahar Ben Jelloun und Paolo Coelho nicht verkaufen. Beim Verlag Centre Culturel Arabe (Beirut/Casablanca) wurden die meisten Bücher von Nasr Hamid Abu Zaid beschlagnahmt.

Auch der Vertreter des Verlags As-Saqi (Beirut/London) berichtet über beschlagnahmte Titel. Der Feuilletonist Sayyd Mahmud:

"Das Problem ist, dass weder ich als Kulturredakteur noch der Verleger sagen kann, wer hinter der Beschlagnahmung steckt. Waren es die Sicherheitsbehörden? Oder vielleicht das Informationsministerium? Die Bücher werden beschlagnahmt, und der Verleger bekommt keinen Nachweis über die zurückgehaltene Ware. Somit hat er keine Handhabe und kann nicht vor Gericht ziehen.”

Es ist fraglich, ob der Arabische Verlegerverband die Interessen seiner Mitglieder vertreten wird. Die Erfahrungen der letzten Jahre stimmen die meisten betroffenen Verleger pessimistisch. Sie haben die beschlagnahmten Bücher der vergangenen Buchmesse nie zurückerhalten.

Deutschland Ehrengast 2006?

Bereits vor der Eröffnung der diesjährigen Buchmesse in Kairo kursierte die Nachricht, dass Deutschland dieses Jahr Gastland sein werde. Diese Meldung wurde jedoch dementiert.

Doch auf dem Deutsch-Arabischen Symposium bezeichnete der Präsident der Frankfurter Buchmesse, Volker Neumann, die Idee als eine große Herausforderung. In den nächsten Monaten werde es eine Klärung darüber geben, ob Deutschland vielleicht in 2006 oder 2007 Gastland auf der Kairoer Buchmesse sein werde.

Dieses Jahr ist Deutschland mit einem Gemeinschaftsstand der Deutschen Welle, der Frankfurter Buchmesse und dem Goethe-Institut vertreten. An den Stellwänden sind deutsche Titel aus Belletristik, Naturwissenschaften, Kinderliteratur und dem schulischen Bereich ausgestellt.

Sie sollen arabische Verleger Appetit auf die Übersetzung dieser Titel ins Arabische machen.

Für die Vertreter deutscher Verlage ist aber auch nach dem arabischen Schwerpunkt auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr das Interesse am arabischen Buchmarkt gering. Ein Grund dafür wurde bei der Gesprächsrunde, die das Goethe-Institut für arabische Verleger organisiert hat, deutlich: Die mangelnde Professionalität der arabischen Verleger, die sich zum Beispiel darin zeigt, dass nur sehr wenige Verlage Informationen über ihre Bücher in einer europäischen Sprache bereitstellen.

Mona Naggar

© Qantara.de 2005

Das deutsche Programm auf der Buchmesse Kairo