Herr Sloterdijk will den Islam reformieren

Streitbarer Philosoph -  Peter Sloterdijk foto: dpa
"Islamophobie ist der salonfähige Antisemitismus": Rafik Schami wirft deutschen Intellektuellen vor, Hass auf den Islam zu schüren. Sloterdijk und Safranski seien zu feige, sich mit der arabischen Kultur ernsthaft auseinanderzusetzen. Es klinge lächerlich, wenn "diese Hasser" die Sorge um die jüdischen Mitbürger als Grund für ihre Verachtung der Muslime in diesem Land angeben würden.

Natürlich ist das ironisch gemeint. Herr Sloterdijk kann nicht einmal sich selbst reformieren. Der Linke a. D., Bhagwan-Anhänger a. D., Prediger für Menschenselektion (Regeln für den Menschenpark) a. D., Wirtschaftsneoliberaler a. D., und jetzt für eine kurze Zeit, weil es Mode ist, Islamexperte, meint, der Islam sei "mit einem modernen Staat und einer modernen Gesellschaft nicht vereinbar" (kath.net KAN). Wer das sagt, hat keine Ahnung von der Geschichte. Es ist ahistorisch. Es war derselbe Islam, der eine der schönsten Zivilisationen hervorgebracht hat. Die Gründe seiner Krise sind mannigfaltig, und Europa ist nicht unbeteiligt daran gewesen.

Statt einer Analyse aber klopft Herr Sloterdijk wieder Sprüche. Geschichte und Forschung haben Hetzer nie interessiert? Nein, eine laut, weil hohl klingende Metapher ist schnell zur Hand. Herfried Münkler: "Der Tanz der Metaphern, den dieser Typus des öffentlichen Intellektuellen aufgeführt hat, hat vor allem als Lernblockade gewirkt. Sloterdijk hat sich in allerhand Sprachbilder geflüchtet, um sich die Mühe zu ersparen, die einschlägige Forschung zur Kenntnis zu nehmen. So konnte er über alles reden, ohne Genaueres zu wissen."

Aber woran liegt es, dass Wortführer so tief stürzen? Herfried Münkler gab im selben Artikel ("Die Zeit" vom 12. 3. 2016) die Antwort: "Solange die Bundesrepublik ein Akteur ohne größere politische Spielräume und ohne politische Handlungsmacht war, hat sie sich diesen Typus des öffentlichen Intellektuellen folgenlos leisten können ... Aber das ist vorbei, seitdem Deutschland zum zentralen Akteur der europäischen Politik geworden ist."

Die alten Herren beschäftigen sich intensiver fast wie Theologen mit den Schwächen des Islam. Sie zeigen eifrig, welche Eigenschaften der Islam hat, die ihn daran hindern, hier in Europa anzukommen. Warum muss sich der Islam an Europa anpassen? Diese Angriffe von außen triefen vor Überheblichkeit und können nur zu Gegenwehr führen. Diese Überheblichkeiten, kombiniert mit den Beleidigungen, die in ganz Europa gegen den Islam erlaubt sind, führen mit Sicherheit nicht zur Reform des Islam.

Nein, eine Gesellschaft, eine Religionsgemeinschaft kann sich durch Angriffe von außen nicht reformieren, sondern nur einigeln. Die Reform muss von innen kommen, und sie war, ist und wird immer schwer und mit großen Opfern verbunden sein, und dies in allen Gesellschaften. Was wir tun können, ist, liberale Kräfte zu unterstützen und Geduld zu haben.

Die Chinesen kommen!

Ich möchte niemandem Angst machen, aber mir scheint es an dieser Stelle angebracht, die Leserinnen und Leser aufmerksam zu machen, dass unsere Erde durch eine absurde Eigenschaft der Menschen auf ihr Ende zurast. Ich weiß, ich weiß, ich sage nichts Neues. Das wissen viele Wissenschaftler und ahnen noch viel mehr Leute, weil sie logisch denken.

Eine dieser absurden Eigenschaften des Menschen ist, dass nichts auf der Welt ihn mehr befriedigt als Macht und Moneten. Kein Schwein denkt auch nur eine Sekunde daran, seine Lebensgrundlage zu zerstören, damit 70  Schweine die Hälfte der Erde besitzen. Aber 70 Männer tun das. Sie sind so dumm, dass sie sich nicht einmal fragen, was ihre Enkel und Urenkel erben werden: Schrott, Dreck, zerstörten Wald und ruinierte Flur, Krankheiten und Krieg, vor dem sich niemand mehr verstecken kann.

Das ist nun keine Propagandastunde, sondern die Einleitung zu einer inzwischen in Umlauf gekommenen Horrorvision von Natur- und Umweltkatastrophen. Ich vermute, der erste große Knall wird in China stattfinden. Das habe ich schon vor mehr als einem Jahrzehnt geschrieben. Denn dort wird so billig produziert, und das geht nur, wenn man auf die Natur nicht die geringste Rücksicht nimmt. Also werden die nächsten Flüchtlinge Umweltflüchtlinge sein, womöglich in der Mehrheit Chinesen. Was wird Herr Sloterdijk auf seinem chinesischer Laptop schreiben, der ohne die arabische Null nicht hätte erfunden werden können? 

Dass Buddhismus und Taoismus nichts taugen und ungeeignet für die moderne Gesellschaft sind, dass die Chinesen sowieso bald zusammenklumpen und mit mafiösen Triaden eine Parallelgesellschaft aufbauen, die von den wohlhabenden alten Herren der "Tumult"-Runde Schutzgelder erpressen? Und wie wird die zweite Chorstimme des Herrn Safranski in der „NZZ-Sonntagszeitung“ singen? Dass die Chinesen gar keine Ahnung haben, wie man mit Christen lebt, dass sie geil auf Blondinen sind und dass sie Jagd auf Hunde machen werden, weil sie ja Hunde lieben … im Kochtopf?

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Leserkommentare zum Artikel: "Alle sind für den Hasser gesichtslose Muslime"

Sehr geehrter Her Schami,
dankeschön für Ihren Artikel!!!!! Bei aller Zustimmung möchte ich Ihnen zum Trost sagen, dass ich viele Menschen treffe, die in alltäglichen kleinen Begegnungen Muslimen offen und ohne Bedenken begegnen. Und es gibt so viele, die Flüchtlingen helfen. All dies eignet sich nicht für die Nachrichtensendungen.
Gruß
Renate Butke
PS: Seit vielen Jahren lese ich Ihre Bücher und wünsche mir, dass Sie Ihre Kraft behalten!

Renate Butke21.05.2016 | 22:53 Uhr