Rose konnte solchen Ansprüchen nie gerecht werden, denn obwohl sie viele Aspekte des ägyptischen Lebens angenommen hat, war sie nicht bereit, sich von ihrer Heimatkultur vollständig zu trennen. Auch ist es ihr unmöglich an einen Ort zu ziehen, wo ihre Nationalität und Unterschiedlichkeiten keine Rolle spielen. Sie steckt in der Mitte fest: Den Ägyptern, die sie nicht anerkennen, kann sie sich nicht nähern und in ihr Heimatland, aus dem sie vor Krieg, Unruhen und Spannung floh, kann sie nicht zurückkehren.

Dunkle Haut, asiatische Gesichtszüge oder westliche Erscheinung – die Kluft zwischen den Einheimischen und Menschen anderer Nationalitäten wächst. Das gilt auch für Kinder aus binationalen Ehen, die in Ägypten geboren sind, wie den 17-jährigen Ali Hassan. Da er einen ägyptischen Vater, aber eine malaysische Mutter hat und äußerlich nach ihr kommt, sieht er sich ständig mit Fragen über seine Identität konfrontiert. "In der Schule hatte ich deshalb schreckliche Probleme. Immer habe ich das Gefühl, doppelte Leistungen bringen zu müssen, um die Leute von meiner ägyptischen Identität zu überzeugen."

Wirtschaftlicher Druck

Im Gegensatz zu Rose und Ali hatte die Jemenitin Fatima el-Mutahar weniger Probleme im Umgang mit den Ägyptern. Durch ihre Hautfarbe und das Kopftuch ist sie von den meisten ägyptischen Frauen nicht zu unterscheiden und wird als vertraut wahrgenommen; selbst den ägyptischen Dialekt beherrscht sie perfekt. Daher hält sie sich, außer im Umgang mit Behörden, zu ihrem ausländischen Hintergrund weitgehend bedeckt.

Fatima el-Mutahar mit ihrem Sohn | © Goethe-Institut/Sandra Wolf
Weniger Probleme im Umgang mit den Ägyptern: Durch ihre Hautfarbe und das Kopftuch ist die Jemenitin Fatima el-Mutahar von den meisten ägyptischen Frauen nicht zu unterscheiden und wird als vertraut wahrgenommen; selbst den ägyptischen Dialekt beherrscht sie perfekt.

Als sie nach Ägypten zog, verriet ihr Dialekt manchmal noch ihre Herkunft. Doch die Einheimischen schienen sie herzlich aufzunehmen, schließlich kam sie ja aus einem "Bruderland", wie ihr immer wieder beteuert wurde. Doch während Kriegsflüchtlingen aus dem Jemen, Syrien, dem Irak, Libyen und Palästina diese Gastfreundschaft zumindest scheinbar entgegengebracht wird, bleibt sie Sudanesen gänzlich verwehrt, obwohl diese ebenso aus arabischsprachigen Ländern kommen.

Fatima lebt nun seit mehreren Jahren in Ägypten und auch sie musste ihre Ansichten revidieren. Die Gastfreundschaft der Ägyptern ihr gegenüber hält sie für oberflächlich und erreiche besonders dann ihre Grenzen, wenn es ums Geld ginge. Infolge der Verschlechterung der ägyptischen Wirtschaft konnte Fatima einen Wandel im Verhalten der Ägypter ausmachen.

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