Die Möglichkeit auf Staatsbürgerschaft besteht allein für die Kinder flüchtender Frauen, die einen ägyptischen Mann heiraten. Die Frauen selbst erhalten jedoch nicht die Staatsbürgerschaft, genauso wenig wie ausländische Männer, die Ägypterinnen heiraten, und auch nicht deren Kinder, die lediglich den Namen der ägyptischen Mutter auf der Geburtsurkunde erhalten.

Viele Flüchtlinge und Migranten treibt diese Chancenlosigkeit dazu, sich um andere Arten von Aufenthaltsgenehmigungen zu bemühen, wie z. B. im Rahmen von Studien- oder Investorenvisa. Letztere sind am weitesten unter Angehörigen anderer arabischer Nationalitäten, die über genügend Mittel für eine Geschäftstätigkeit verfügen, verbreitet. Beziehungsweise suchen sich viele von ihnen trotz allem eine Arbeit. Die ägyptischen Behörden schätzten im Jahr 2015 die Zahl der in Ägypten verweilenden Ausländer auf etwa fünf Millionen.

"Sind wir alle Brüder?"

"Wir sind alle Brüder!" Diese Worte hört man immer wieder von Ägyptens Entscheidungsträgern. Sie wirken wie eine leere Floskel und lebensfremd vor dem Hintergrund der eigentlichen Realitäten, mit denen sich Ausländer in Ägypten konfrontiert sehen; besonders diejenigen, die Ägypten als Heimat betrachten, auch wenn sie auf dem Papier eine andere Staatsbürgerschaft haben.

Vor der U-Bahnstation Hada’iq al-Ma’adi, auf der ärmeren Seite dieses gehobeneren Viertels, traf ich Rose und sie führte mich zu ihrer derzeitigen Wohnung. Mit schnellen Schritten durchdrang sie die Schlangen Wartender, die sich an den kleinen Marktständen auf den Straßen um ihr Haus gebildet hatten. Die Gesichter der Menschen verrieten mir, dass in diesem Viertel vor allem Menschen aus Afrika lebten, die hier ihrer finanziellen Situation entsprechende Unterkünfte finden konnten. Je dichter es auf den Straßen wurde, desto schneller wurden Roses Schritte und als ich sie nach dem Grund fragte, antwortete sie: "Damit uns keiner belästigt."

Rose hat die Erfahrung gemacht, dass, auch wenn sie ägyptische Kleidung trägt und den Händlern und Anwohnern ihrer Gegend mittlerweile bekannt ist, sie wegen ihrer Hautfarbe in den Augen aller immer eine Fremde oder ein "Gast" ist. Auf den Straßen war sie daher schon mehrfach Belästigung ausgesetzt.

Die in Kairo lebende Jemenitin Fatima el-Mutahar | © Goethe-Institut/Sandra Wolf
Die Jemenitin Fatima el-Mutahar lebt seit mehreren Jahren in Ägypten und hat ihre Ansichten über das Land inzwischen geändert. Die Gastfreundschaft der Ägyptern ihr gegenüber hält sie für oberflächlich und erreiche besonders dann ihre Grenzen, wenn es ums Geld ginge. Infolge der Verschlechterung der ägyptischen Wirtschaft konnte Fatima einen Wandel im Verhalten der Ägypter ausmachen.

In Roses Leben gibt es keinerlei soziale Kontakte mit Ägyptern. Selbst unter den Nachbarn wird sie nur von wenigen gegrüßt, wenn sie ihnen begegnet. Auch Schule und Kirche bieten keine Möglichkeiten, sich unter die Einheimischen zu mischen, da Sudanesen und Ägypter zu unterschiedlichen Zeiten lernen und beten. Rose denkt, dies liege daran, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe von den Ägyptern als minderwertig angesehen werden.

Ihr Beziehungsnetzwerk beschränkt sich deshalb auf ansässige Verwandte, deren Kontakte wiederum auf Bekannte begrenzt sind. Die Mitglieder ihrer Gemeinde kennen sich alle untereinander und wohnen in ähnlicher Lage. Auf diese Weise, erklärt Rose, können "wir die Gesellschaft der anderen genießen und wenn einer oder einem von uns etwas passiert, sind wir zur Unterstützung da."

Stereotypisierung

Nur wenigen Nichtägyptern ist es möglich, aus diesem Kreislauf auszubrechen, mit besseren Chancen für diejenigen, die den ägyptischen Dialekt sprechen und den Einheimischen in Hautfarbe, Sitten und Traditionen am meisten ähneln. Ohne Zweifel können diese Aspekte irrelevant werden, je weiter oben man sich auf der Vermögensskala befindet.

Und auch zwischen Stadt und Land gibt es Unterschiede. Gerade ländliche Gebiete sind noch immer von traditionellen Erwartungen und Maßstäben in Bezug auf Herkunft, Eigentum und Traditionen beherrscht, die die Integration von Ausländern dort sehr schwierig machen.

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