Ausländischer Einfluss

In der Debatte um ausländischen Einfluss in der muslimischen Gemeinde in Deutschland spielt dieTürkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) eine zentrale Rolle. Imame der DITIB, mit 900 Moscheen die größte islamische Organisation Deutschlands, werden in der Türkei ausgebildet und von dort entsandt und bezahlt.

"Ich sehe es vor allen Dingen als Problem, dass wir es hier gar nicht nur mit einer Religionsgemeinschaft zu tun haben, sondern mit einem Staat, der diese Imame entsendet", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries.

Gegen die Einmischung von DITIB in nationale politische Angelegenheiten gibt es seit langem weitreichende Kritik. "Wir möchten, dass Imame nicht mehr wie bisher von der Religionsbehörde der Türkei nach Deutschland entsandt werden, sondern schrittweise mehr und mehr in Deutschland ausgebildete Imame in Gemeinden tätig werden", erläutert Staatssekretär Kerber.

In der jüngeren Vergangenheit machte die DITIB in Deutschland vermehrt negative Schlagzeilen: Spionagevorwürfe, die Verherrlichung des türkischen Militärangriffs auf die syrisch-kurdische Stadt Afrin in DITIB-Moscheen, sowie die Teilnahme von Mitgliedern der Muslimbruderschaft an einer DITIB-Veranstaltung im Januar 2019.

Die Finanzierungsfrage

Die größte Herausforderung ist nach Meinung der grünen Bundestagsabgeordneten Filiz Polat, wie die DITIB Moscheen ohne Unterstützung des türkischen Staats ihre Imame finanzieren würden. "Aktuell bekommt die Moschee einen gut ausgebildeten Imam umsonst", sagte Polat. "Zukünftig müsste sie den Imam selber tragen."

Polat verweist auf die muslimische Ahmediyya Gemeinschaft als ein positives Beispiel. Die Religionsgemeinschaft hat rund 40.000 Mitglieder und mehr als 50 Moscheen in Deutschland. "Bei der Ahmadiyya ist es beispielsweise so, dass alle Gemeinden in einen großen Topf einzahlen", sagt Polat. "Dann findet entsprechend eine solidarische Verteilung statt, so dass auch kleine Gemeinden sich einen Imam leisten können."

"In Anbetracht der Anzahl der Muslime mit türkischem Hintergrund ist es definitiv leistbar", fügt die grüne Abgeordnete hinzu. "Die Frage ist nur: Wollen die Muslime unabhängig von ihrem Herkunftsstaat sein, und wollen sie eine Imam Ausbildung, die hier in Deutschland stattfindet und finanziert ist?"

DITIB zeigt sich offen

DITIB scheint den Forderungen gegenüber mittlerweile offen zu sein. DITIB-Generalsekretär Abdurrahman Atasoy sagte, dass die Organisation demnächst ein Projekt beginnen wird, in dessen Rahmen Imame in Deutschland ausgebildet und an offene Stellen vermittelt werden.

Kurzfristig die Mittel zusammenzubekommen, um mehr als 1.000 religiöse Offizielle zu bezahlen, ist allerdings eine Herausforderung. "Wir wollen ein System finden, dass den deutschen Standards entspricht, daran arbeiten wir", sagt Atasoy. "Diese Mechanismen aufzubauen braucht Zeit."

Der deutsche Staat muss sich aus Religionsangelegenheiten heraushalten, so steht es im Grundgesetz. "Der Staat kann und will hier keinen Weg vorgeben", sagt Kerber. "Aber wir diskutieren jetzt darüber, ob und wie der Staat und die religiösen Gemeinschaften dabei kooperieren können."

Seda Serdar & Deger Akal

© Deutsche Welle 2019

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Leserkommentare zum Artikel: "Islam in, aus und für Deutschland"

Was taugt ein Theologiestudium, bei dem nicht einmal die Rezitation des Qur'an oder das Beten beigebracht werden?

Iftekhar Ahmed26.04.2019 | 11:33 Uhr