Problem mit der Sprachbarriere

Einen festen Plan, wie die lokale Ausbildung von Imamen aussehen soll, gibt es aber noch nicht. Sprache ist ein großes Hindernis – und da setzt die Bundesregierung nun an. Das Innenministerium verkündete vor kurzem, dass die Regierung plant, das deutsche Aufenthaltsrecht zu ändern.Deutschkenntnisse sollen demnach ein Muss sein für ausländische Geistliche, die nach Deutschland kommen wollen.

Diese Voraussetzung taucht auch auf einer Liste des Bundesverteidigungsministeriums auf. Von dort hieß es vergangene Woche, dass islamische Seelsorger, die für das Militär arbeiten wollen, fließend Deutsch können müssen und einen Abschluss in islamischer Theologie von einer staatlich anerkannten Universität haben müssen.

In Deutschland wird islamische Theologie aktuell an den Universitäten Münster, Tübingen, Osnabrück, Frankfurt/ Gießen und Erlangen-Nürnberg unterrichtet. Ein weiteres Institut wird dieses Jahr an der Humboldt Universität in Berlin eröffnet.

Murat Gül ist Imam und Präsident der Islamischen Föderation in Berlin. Foto: DW
Imame für Muslime in Deutschland: In Deutschland sind Imame als Seelsorger, Erzieher und Integrationslotsen gefragt. Dafür benötigen sie mehr als eine klassische Ausbildung in türkischen und arabischen Religionsseminaren und ein paar Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Sie brauchen zudem attraktive Berufsperspektiven und ein angemessenes Gehalt, das von muslimischen Strukturen in Deutschland finanziert werden sollte.

Wie wäscht man Verstorbene?

Doch Islamische Theologie ist das eine, theologische Praxis das andere. Nach Einschätzung von Rauf Ceylan, Professor am Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück, qualifiziere ein solches Studium nicht automatisch für die Arbeit als Imam. Nach dem Studium bräuchten die Graduierten noch Praxiserfahrung.

"Den Koran lesen, wie man richtig betet, wie man Verstorbene wäscht – unsere Studenten durchlaufen eine wissenschaftliche Ausbildung, da können wir ihnen diese praktischen Dinge nicht beibringen", sagt Ceylan. "Dafür wird es eine Akademie geben müssen." Ein Pilotprojekt für die berufliche Entwicklung von Imamen an der Universität Osnabrück wurde 2018 beendet, als die finanzielle Unterstützung auslief.

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Leserkommentare zum Artikel: "Islam in, aus und für Deutschland"

Was taugt ein Theologiestudium, bei dem nicht einmal die Rezitation des Qur'an oder das Beten beigebracht werden?

Iftekhar Ahmed26.04.2019 | 11:33 Uhr