Imame in Deutschland

"Islam in, aus und für Deutschland"

Mehr Imame mit deutschem Diplom, weniger Imame aus dem Ausland. Berlin will Ankaras Einfluss auf Moschee-Vereine zurückdrängen und das Aufenthaltsrecht verschärfen. Machen deutsch-muslimische Gemeinden da mit? Antworten von Seda Serdar und Deger Akal.

Murat Gül ist Imam und Präsident der Islamischen Föderation in Berlin (IFB). Er unterrichtet Islam an der Rosa-Parks-Grundschule in der Hauptstadt und sagt: "Seit ich ein kleiner Junge war, habe ich den Koran geliebt."

Der 43-Jährige wurde in Weinheim, im Süd-Westen Deutschlands, geboren. Den Koran las er zuhause mit seinem Vater. Später ging er in die Türkei, besuchte einen Koran-Kurs und schloss seine Islamstudien in Ägypten ab. Gül sagt, er wollte zwar mehr über den Islam lernen, aber hatte "nie vor, Imam zu werden".

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland bewarb sich Gül um einen Medizinstudienplatz. "Aber dann sah ich junge Menschen, die Drogen nahmen und keinerlei Plan für ihre Zukunft hatten." Das löste in ihm den Wunsch aus, Kindern zu helfen. "Also habe ich angefangen, Islam-Unterricht zu geben."

Gül ist der Überzeugung, dass Imame in Deutschland Deutsch können, mit dem Bildungssystem vertraut sein und die Kultur des Landes kennen sollten, in dem sie leben. Nur so könne ein Imam die Bedürfnisse einer muslimischen Gemeinde in Deutschland verstehen und angehen.

In Deutschland sozialisiert

Von den fast 4,5 Millionen Muslimen in Deutschland haben rund drei Millionen türkische Wurzeln. Nach Angaben der 2006 von Deutschlands Innenministern einberufenen Deutschen Islam Konferenz (DIK) gibt es hierzulande über 2000 Moscheevereine und rund 2000 Imame. Fast 90 Prozent von ihnen stammen aus dem Ausland und haben ihre Ausbildung nicht in der Bundesrepublik erhalten. Die Mehrheit von ihnen kommt aus der Türkei.

An der Humboldt Universität in Berlin wird in diesem Jahr ein weiterer Studiengang für islamische Theologie eingerichtet. Foto: picture alliance/dpa/w.kumman
An der Humboldt Universität in Berlin wird in diesem Jahr ein weiterer Studiengang für islamische Theologie eingerichtet. "Es geht nicht um eine 'Eindeutschung' des Islam, sondern um einen Islam der Muslime in Deutschland", sagt Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, der für die Beziehung der Bundesregierung mit den Muslimen in Deutschland zuständig ist.

Die Bundesregierung will dies ändern und den finanziellen und institutionellen Einfluss auf Imame aus dem Ausland einschränken. Sie will daher einen "Islam in, aus und für Deutschland" fördern und die Anzahl lokal ausgebildeter Imame steigern.

"Wenn junge Menschen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, in die Moschee gehen oder Rat von einem Imam suchen, dann wäre es doch von Vorteil, wenn auch die Geistlichen in der Moschee, wenn der Imam eine gewisse Erfahrung mit dem Leben und dem Alltag in Deutschland hat", sagte Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesinnenministerium.

"Es geht nicht um eine 'Eindeutschung' des Islam, sondern um einen Islam der Muslime in Deutschland", fügt Kerber hinzu, der für die Beziehung der Bundesregierung mit den Muslimen in Deutschland zuständig ist. Ziel sei es, "dass Muslime, die hier leben, sich mit ihrer Religion hier akzeptiert und beheimatet fühlen können und sich als Bereicherung für unser Land fühlen können."

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Leserkommentare zum Artikel: "Islam in, aus und für Deutschland"

Was taugt ein Theologiestudium, bei dem nicht einmal die Rezitation des Qur'an oder das Beten beigebracht werden?

Iftekhar Ahmed26.04.2019 | 11:33 Uhr