Ilija Trojanow

Zu den heiligen Quellen des Islam

Knapp vierzig Jahre alt und in drei Kontinenten zuhause - es gibt kaum einen deutschen Schriftsteller, der so sehr Kosmopolit ist wie Ilija Trojanow. Seinen Bericht über eine Pilgerreise hat Thomas Bärthlein gelesen.

Die Kaaba in Mekka, Foto: AP
Die Kaaba in Mekka

​​Aus seiner Heimat Bulgarien floh er nach Deutschland, wo er Asyl bekam. Mehr als zehn Jahre hat er in verschiedenen afrikanischen Ländern gelebt - zurzeit wohnt er in Kapstadt.

Zwischendurch verbrachte Trojanow noch fünf Jahre im indischen Bombay. Er hat Romane und Erzählungen veröffentlicht, eine Anthologie afrikanischer Literatur herausgegeben und Reiseberichte verfasst.

Ein Reisebericht der besonderen Art ist auch sein neues Buch: Ilija Trojanow hat die Hadsch unternommen, die Pilgerfahrt eines gläubigen Muslims nach Mekka und Medina.

Vielfalt einer multikulturellen Religion

Das ist nicht irgendeine Reise, die man mal einschiebt, wenn's im Terminkalender mal passt. Trojanow bereitet sich in Bombay monatelang auf die Hadsch vor. Er taucht ein in die Welt der Gläubigen - und behält doch genug Abstand, um diese Welt auch Nicht-Muslimen eindrucksvoll vermitteln zu können.

Das Buch macht dem Leser den Kopf frei von den drei, vier Klischees, auf die der Islam in der öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland gewöhnlich reduziert wird. Trojanow zeigt dagegen die Spiritualität des Islams, die komplizierten Rituale und vor allem die große Vielfalt dieser in sich multikulturellen Religion.

"So groß waren die Unterschiede, man hätte in manchen Momenten meinen können, die Menschen hätten nichts miteinander gemeinsam, außer den zwei weißen Tüchern, in die sie gehüllt waren. ...

"Den Schwarzafrikanern gelang es, … lässig auszusehen, dank ihrer Athletik, ihrer Art zu gehen und der Tatsache, dass sie das obere Tuch manchmal mit einem Schal verwechselten und um ihren Hals schlangen, was ihnen etwas Dandyhaftes verlieh. ...

"Ob aus Java oder Sumatra, die Indonesier waren stets zurückhaltend, sanft, umsichtig; sie redeten leise, und selbst ihre Körpergröße trug zu ihrem guten Benehmen bei: Sie versperrten einem nie die Sicht."

Spirituelle Höhenflüge und weltlicher Alltag

Trojanow ist ein scharfer Beobachter, der auch die Schattenseiten der Hadsch nicht aus den Augen verliert - zum Beispiel die durchaus reale Gefahr, von den Menschenmassen zu Tode getrampelt zu werden. Auch der Kontrast zwischen spirituellen Höhenflügen und dem weltlichen Alltag beschäftigt ihn immer wieder:

"McDonalds, Kentucky Fried Chicken und Wimpys haben sich in Mekka ebenso fest etabliert wie Gucci und Cardin, Longines und Swatch. Die Tragetasche meiner Gebetsmatte heißt New Yorker. Ihr Emblem: eine Silhouette von Wolkenkratzern."

Ilija Trojanows Pilgerfahrt nach Mekka und Medina - in Zeiten, wo jede Aussage über den Islam schnell zu pauschaler Kritik und Verteidigung führt, ein wohltuendes Buch.

Thomas Bärthlein

© DEUTSCHE WELLE/DW-WORLD.DE 2005

​​Ilija Trojanow
Zu den heiligen Quellen des Islam
Malik, 2004
ISBN 3-89028-287-9
16.90 EUR
Malik Verlag, München

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