Im Jemen kämpfen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und sunnitische Verbündete seit vier Jahren gegen iranisch-orientierte Huthi-Rebellen. Der bewaffnete Konflikt hat eines der ärmsten Länder der Welt in eine noch größere humanitäre Krise gestürzt. Der Druck auf westliche Regierungen steigt, den Zusammenbruch des Landes zu verhindern.

Jemens Währung verliert an Wert

Die Wirtschaft des Landes ist besonders vom Krieg betroffen. Nach Angaben der Weltbank haben rund 40 Prozent der jemenitischen Haushalte ihre Haupteinnahmequelle in den vergangenen vier Jahren verloren. Die Armutsquote stieg auf 80 Prozent. Im September verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation noch einmal, als die Währung Rial binnen zwei Wochen fast zwei Drittel ihres Wertes verlor.

Mustafa Nasr von der jemenitischen Nichtregierungsorganisation "Studies and Economic Media Center" (SEMC) berichtet, dass sich die wirtschaftliche Lage seit Beginn des Krieges stetig verschlechtert habe. "Die beispiellose Abwertung des Rial im September war dann der bisher stärkste Schlag", so Nasr. Zum ersten Mal habe es dokumentierte Berichte über Menschen gegeben, die in ihrer Not Blätter von Pflanzen essen - und das, obwohl in den vergangenen drei Jahren mehr als fünf Milliarden US-Dollar für humanitäre Hilfsmaßnahmen ausgegeben worden seien.

Der Wertverlust des Rial hat zu einem deutlichen Anstieg der Warenpreise geführt. Daten von SEMC aus sechs jemenitischen Regierungsbezirken, darunter Aden, Taiz und Sanaa, zeigen, dass Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker, Reis, Speiseöl und Milch 30 Prozent teurer sind als im Juni. Im Vergleich zum September 2015 kosten sie sogar 92 Prozent mehr.

Als Folge mussten viele Händler ihre Läden schließen. "Wir können unsere Waren nicht zu diesen unglaublichen Dollar-Preisen verkaufen. Alle Lebensmittelgeschäfte in unserer Straße machen dicht, bis der Wechselkurs wieder besser ist", berichtet Abdul Razzaq al-Hababi, Eigentümer eines Warenhauses in Sanaa. Er wisse zwar, dass die Menschen litten. "Aber wir können angesichts dieses Zusammenbruchs den Verkauf von Waren nicht riskieren."

Kein Ende der Kämpfe in Sicht

Trotz der sich zuspitzenden humanitären Lage dauern die Kämpfe an, die Zahl der zivilen Opfer steigt. Im August wurden bei einem Luftangriff der saudisch geführten Koalition 40 Kinder auf einem Markt in der nördlichen Provinz Saada getötet. Insgesamt kamen bislang etwa 10.000 Zivilisten ums Leben. Unabhängige Organisationen sprechen von deutlich mehr Opfern. Sie kritisieren, dass die Zahl seit Jahren nicht aktualisiert worden sei. Es gibt Forderungen an Großbritannien und die USA, Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien zu stoppen, weil es immer mehr Anzeichen dafür gibt, dass Waffen aus dem Westen gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden.

Der Jemen ist ein geteiltes Land - die Huthi-Rebellen kontrollieren einen Großteil des Nordens einschließlich der Hauptstadt Sanaa. Der Rest, darunter die Stadt Aden, werden aus dem Exil vom international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi regiert. Ein Ende des Konflikts - und damit des Leidens in der Zivilbevölkerung - ist trotz Bemühungen der Vereinten Nationen derzeit noch nicht absehbar.

Gouri Sharma & Mohamed Hussein

© Deutsche Welle 2018

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