Zahl syrischer Studierender in Deutschland hat sich verfünffacht

Viele der Studenten haben außerdem mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen und müssen nebenbei immer mehr arbeiten, was sich nicht nur auf ihre Fächerwahl, sondern auch auf ihre Leistungen und die Möglichkeit, zum Unterricht zu erscheinen, negativ auswirkt.

So haben die an sich begehrten technischen und Naturwissenschaften auch deshalb an Attraktivität verloren, weil sie mit einem hohen Arbeitsaufwand und gelegentlich auch einer finanziellen Beteiligung an Laborprojekten verbunden sind. In den seit einigen Jahren stärker bevorzugten Geistes- und Sozialwissenschaften wiederum wird von Dozenten moniert, dass nur ein geringer Teil der Studenten an den Lehrveranstaltungen teilnimmt. Zu den entscheidenden Klausuren erschienen zuweilen sogar zehnmal so viele wie sonst.

Der deutsche Student Tim Schwarz (links) hilft dem syrischen Flüchtling Renas Ottmann (rechts) beim Erlernen der deutschen Sprache auf dem Gelände der Goethe-Universität in Frankfurt am Main (Foto: picture alliance/dpa/C. Schmidt).
Wie groß ist das Problem gefälschter Zeugnisse tatsächlich? Von den zuständigen deutschen Behörden wird das Problem gefälschter Zeugnisse bei Syrern als gering eingeschätzt. Der DAAD teilte mit, die Prüfung der Dokumente syrischer Stipendiaten werde von den Hochschulen mit Hilfe eines aufwendigen Beglaubigungsverfahrens vorgenommen, das Betrugsversuche erschwere. Es seien nur einzelne einschlägige Fälle bekannt, die angesichts der großen Anzahl syrischer Studenten fast zu vernachlässigen seien

Ein einfacher Ausweg aus dieser Krise, die nach Ansicht syrischer und ausländischer Beobachter wohl noch Jahre anhalten wird, erscheint schwierig. Die Not der Studenten wissen schon seit einigen Jahren Betrüger für sich zu nutzen, die gefälschte Abiturnachweise und akademische Zeugnisse feilbieten. Das Phänomen scheint in letzter Zeit stark zugenommen zu haben und sorgt momentan für Aufsehen nicht nur in Syrien, sondern auch in den benachbarten Ländern.

Allerdings ist je nach politischem Standpunkt dazu Unterschiedliches zu lesen. So hat die syrische Regierungspresse unlängst über Fälscherbanden aus der Türkei berichtet, die ihre Ware nicht mehr nur syrischen Migranten anbietet, sondern inzwischen auch Auswanderungswilligen in Syrien. Das Problem wird zwar auch in der arabischen, dem Assad-Regime kritisch gegenüberstehenden Presse thematisiert. Hier ist aber auch über Fälle ranghoher Mitglieder der in Syrien regierenden Baath-Partei zu lesen, die zurücktreten mussten, nachdem bekanntgeworden war, dass sie ihren Doktortitel illegal erworben hatten.

Es drängt sich die Frage auf, inwieweit das Problem auch die in Deutschland studierenden beziehungsweise sich auf ein Studium vorbereitenden Syrer betrifft. Ihre Zahl hat sich in den letzten Jahren verfünffacht, von etwas mehr als zweitausend 2012 auf geschätzte 11 000. Es werden, allem Anschein nach, immer mehr. Von den zuständigen deutschen Behörden wird das Problem gefälschter Zeugnisse bei Syrern als gering eingeschätzt.

Die „Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen“ bei der Kultusministerkonferenz ließ gegenüber dieser Zeitung lediglich wissen, dass ihr die „Problematik der Fälschungen von Bildungsnachweisen, die in allen Staaten der Erde vorkommen kann, selbstverständlich bekannt“ sei. Speziell zu Syrien nahm dieses nationale Kompetenzzentrum der Länder zu Fragen der Anerkennung von ausländischen Bildungsnachweisen keinerlei Stellung.

Problem gefälschter Zeugnisse wird unterschätzt

Der DAAD teilte mit, die Prüfung der Dokumente syrischer Stipendiaten werde von den Hochschulen mit Hilfe eines aufwendigen Beglaubigungsverfahrens vorgenommen, das Betrugsversuche erschwere. Es seien nur einzelne einschlägige Fälle bekannt, die angesichts der großen Anzahl syrischer Studenten fast zu vernachlässigen seien. Der DAAD fügte noch hinzu, dass ihm diesbezüglich auch von Seiten der Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerbungen (uni-assist e.V.) keine größeren Probleme bekannt sind.

Christian Hülshörster, DAAD-Bereichsleiter für Stipendienprogramme Süd, meinte im Gespräch mit Qantara.de, das Phänomen gefälschter Zeugnisse werde überschätzt.

An solchen Darstellungen mögen gewisse Zweifel aufkommen, wenn man Berichte arabischsprachiger Medien und auch europäischer Portale wie „Infomigrants“ liest, die sich mit Belangen von Migranten befassen. Hier klagen Syrer, die in ihrer Heimat bereits ein Studium absolviert haben, hierzulande studieren oder sich auf ein Studium vorbereiten, dass ihre Zeugnisse nicht anerkannt würden oder dass die Anerkennung sehr lange dauere.

In diesen Foren kursiert auch die Behauptung, die Bundesregierung habe sich 2016 an das syrische Bildungsministerium gewandt, um das Problem mit den gefälschten Zeugnissen gemeinsam in den Griff zu bekommen. Das Auswärtige Amt teilte aber auf Anfrage mit, ihm sei ein solcher Austausch mit der syrischen Seite wegen gefälschter Bildungsnachweise unbekannt.

Joseph Croitoru

© Qantara.de 2018

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