Massive Ausdünnung der syrischen Hochschullandschaft

Im Bürgerkrieg gerieten etliche Hochschulen zwischen die Fronten und bisweilen auch unter Beschuss. Darunter litt neben der Universität im stark umkämpften Aleppo beispielsweise auch die staatliche Al-Furat-Universität im ostsyrischen Deir ez-Zor, als in der Stadt Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der aufständischen Freien Syrischen Armee ausbrachen.

Später wurde von der Terrormiliz „Islamischer Staat“, die in das Gebiet eindrang und Stellungen der Regierungstruppen angriff, immer wieder auch der Campus bombardiert. Der Lehrbetrieb in Deir ez-Zor war in den ersten Kriegsjahren ohnehin durch die Proteste von Studenten und Dozenten stark beeinträchtigt gewesen, gegen die Sicherheitskräfte des Regimes vorgingen. Sie wurden dann in den verschiedenen Universitätsgebäuden wie auch in der Studentensiedlung dauerhaft stationiert.

Solche und ähnliche Zustände herrschten auch an anderen Hochschulen. Schon im Jahr 2013 zog das syrische Netzwerk für Menschenrechte eine erschütternde Bilanz der Repressionen, die Universitätsangehörige in den ersten zwei Jahren des Bürgerkrieges allein durch das Regime erlitten hatten.

Zwei syrische Flüchtlinge trocknen ihre Dokumente an einem Strand auf der griechischen Insel Lesbos, 19. Oktober 2015 (Foto: Reuters/Yannis Behrakis).
Auf dem Weg in ein neues Leben in Deutschland: Zwei syrische Studenten trocknen ihre Dokumente im Oktober 2015 an einem Strand auf der griechischen Insel Lesbos. Im Bürgerkrieg gerieten etliche Hochschulen zwischen die Fronten und bisweilen auch unter Beschuss. Schon im Jahr 2013 zog das syrische Netzwerk für Menschenrechte eine erschütternde Bilanz der Repressionen, die Universitätsangehörige in den ersten zwei Jahren des Bürgerkrieges allein durch das Regime erlitten hatten.

Bei Angriffen und Razzien der Regierungstruppen waren in diesem Zeitraum 1629 Studenten getötet worden. 35 000 Studenten wurden interniert, von denen knapp hundert in der Haft durch Folter ums Leben kamen. Abertausende Studenten, die an Demonstrationen gegen das Regime teilgenommen hatten – die Protestierenden wurden von Assads Handlangern häufig geschlagen und misshandelt –, wurden der Universität verwiesen.

Manche Razzia war auch von Strafaktionen wie dem Beschuss und der Zerstörung universitärer Einrichtungen begleitet, und nicht selten wurden sie von der Armee auch als militärische Posten genutzt. Bei der Einrichtung und Befestigung dieser Armeestützpunkte mussten Studenten mit anpacken und wurden gelegentlich sogar für „Unterstützungsmärsche“ für Assad zwangsrekrutiert.

Insgesamt haben die Kriegsjahre zu einer massiven Ausdünnung der syrischen Hochschulen geführt. Einheimischen Presseberichten zufolge ist die Zahl der Studenten deutlich gesunken, ein Fünftel der Dozenten soll das Land verlassen haben.

Ursächlich dafür scheint nicht nur das Kriegsgeschehen zu sein, sondern auch die sukzessive Kürzung der Mittel, die der Staat für die Hochschulbildung zur Verfügung stellt: Waren es 2010 noch 733 055 Dollars, sank die Summe 2017 auf ein Rekordtief von knapp 175.000. Weil an einigen Universitäten in den vom Krieg besonders stark heimgesuchten Provinzen der Lehrbetrieb auch für längere Zeiten eingestellt werden musste, strömten die Studenten in die Hauptstadt, was eine deutliche Überlastung vor allem der staatlichen Universität von Damaskus zur Folge hatte.

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