Hermann Fürst von Pückler-Muskaus orientalische Abenteuer

Preußens liebster Dandy

Fürst Pückler war einer der größten Landbesitzer Preußens des 19. Jahrhunderts. Doch seine Liebe zur Parkgestaltung brachte ihn fast an den finanziellen Ruin. Abhilfe schaffte seine schriftstellerische Karriere, besonders seine Reiseberichte, die ihn auch in das Ägypten Muhammad Alis führten. Von Christine Pfeilschifter

Eigentlich wollte er als nächstes Amerika bereisen. Doch ein Duell in Paris, welches er für sich entschied, verzögerte seine Abreise und Fürst Pückler verpasste seine Schiffspassage. Stattdessen bereiste er den Orient und verbrachte rund vier Jahre im Nahen Osten.

Eine Geschichte, wie sie nicht besser in die Vita des bisweilen exzentrischen preußischen Adligen Hermann Fürst von Pückler-Muskau passen könnte, denn schon zu seinen Lebzeiten war er eine Legende.

Geboren 1785 auf Schloss Muskau war Pückler einer der größten Grundbesitzer des preußischen Königreichs, kämpfte in den Befreiungskriegen, verkehrte mit Persönlichkeiten seiner Zeit, wie Goethe oder den Geschwistern Brentano. Seine schillernde Persönlichkeit unterstrich er, indem er sich bisweilen von vier zahmen Hirschen in der Kutsche nach Berlin ziehen ließ.

Die herausgehobene Stellung innerhalb der preußischen Gesellschaft verdankte Fürst Pückler jedoch nicht zuletzt seiner Frau Lucie von Hardenberg, Tochter des ersten preußischen Staatsministers Karl August von Hardenberg.

Not macht erfinderisch

Beide verband die Liebe zum Landschaftsbau und der Gestaltung von Parks. Nach ihrer Hochzeit planten sie, den außergewöhnlichsten Park Preußens rund um Schloss Muskau aufzubauen. Um diesen Plan trotz ständiger finanzieller Nöte zu verwirklichen, ließen sich die beiden 1826 pro forma scheiden, damit Fürst Pückler in England eine neue finanzkräftige Braut finden könne.

Grabpyramide im Fürst-Pückler-Park in Branitz bei Cottbus; Foto: picture-alliance/dpa/P. Pleul
Skurrile Grabpyramide im Fürst-Pückler-Park in Branitz bei Cottbus: Der exzentrische Landschaftsgartengestalter Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) ließ sich diese Pyramide, die auch Tumulus genannt wird, als späteres Grab schaffen.

Doch die Pläne des Fürsten wurden in Großbritannien schnell durchschaut, so dass seine dreijährige Brautschau ohne Erfolg blieb. Um der finanziellen Misere zu entgehen veröffentlichte Lucie Pückler die Briefe ihres ehemaligen Gatten unter einem Pseudonym. Besonders durch seine schneidenden Kommentare zur britischen Gesellschaft wurden "Die Briefe eines Verstorbenen" zu einem großen Publikumserfolg.

Doch schon bald standen Lucie und Hermann Fürst von Pückler-Muskau  erneut vor finanziellen Schwierigkeiten. So ging er wieder auf Reisen – diesmal nach Nordafrika und gen Levante. Seine Reise führte ihn 1835 von Paris nach Marseille, weiter mit dem Schiff nach Algier und über Tunesien zunächst einmal nach Ägypten. Er bereiste ein Gebiet, das formal noch zum Osmanischen Reich gehörte, jedoch verlor die Zentralmacht in Konstantinopel, gerade in der Peripherie der nordafrikanischen Provinzen, zunehmend an Einfluss.

"Aus Mehemed Alis Reich"

Die Regionalherrscher behandelten den preußischen Adeligen, trotz des rein privaten Charakters seiner Reise, wie einen Staatsgast. So wurde ihm in Tunesien, durch die dort herrschenden Beys, die Ehre zuteil, den sich noch im Bau befindlichen Mahammedia-Palast besuchen zu dürfen.

Und angekommen in Ägypten hatte er sogleich regen gesellschaftlichen Austausch mit Bogos Bey, Staatsminister unter Mohammad Ali Pascha, und später auch mit dem Herrscher selbst. Pückler schildert die gesellschaftlichen Verhältnisse in Alexandria und Khahira, heute Kairo, zwar teils fragmentarisch, aber dennoch mit einer gewissen Verliebtheit fürs Detail.

Besonders beeindruckte ihn der ägyptische Regionalherrscher Mohammad Ali Pascha, den er in seinem Buch "Aus Mehemed Alis Reich" immer wieder verteidigte. Für Pückler stand Ägypten zu Beginn des 19. Jahrhunderts am Wendepunkt zwischen einem statischen Mittelalter und einer neuen aufgeklärten Zukunft.

Für einen begeisterten Landschaftsgestallter nicht untypisch nehmen die Landschaftsbeschreibungen in seinen Reiseberichten einen besonderen Stellenwert ein. Für Pückler gehören zur Landschaft Ägyptens die Fabriken und die neuen Polytechnischen Schulen ebenso wie die altägyptischen Altertümer und die Fellachen auf den Feldern.

Machbuba war eine minderjährige Sklavin, die Fürst Hermann von Pückler-Muskau 1837 in Kairo kaufte; Quelle: wikipedia
Von der Sklavin zur Geliebten: War Machbuba für Pückler zu Beginn noch ein Forschungsobjekt im Sinne der "edlen von der Zivilisation noch unberührten Wilden", wurde sie mit der Zeit zu seiner Geliebten, die er schließlich auch mit nach Preußen nehmen sollte.

Fürst von Pückler reiste von Khahira entlang des Nils und besuchte die altägyptischen Tempelanlagen entlang des Stroms und erreichte über den blauen Nil schließlich Senna im Sudan, wo er nach langer Krankheit seine Heimreise antreten musste.

Pücklers Sklavin Machbuba

Begleitet wurde er dabei von einer kleinen Entourage von Bediensteten, unter anderem einem jungen Mädchen, das er zuvor auf dem Sklavenmarkt gekauft hatte. Machbuba stammte wohl ursprünglich aus Abessinien und soll etwa 14 Jahre alt gewesen sein.

Zwar räumt Hermann Fürst von Pückler ein, dass es einem Freien Preußen nicht anstehe eine Sklavin zu besitzen und lässt ihr bald nach ihrem Kauf durch einen Übersetzer mitteilen, dass sie nun frei sei – ein Begriff mit dem das junge Mädchen offensichtlich nichts anzufangen wusste, dennoch schreckt er nicht davor zurück, sie teils drastisch zu bestrafen, sollte sie ihm nicht gehorchen.

War Machbuba für Pückler zu Beginn noch ein Forschungsobjekt im Sinne der "edlen von der Zivilisation noch unberührten Wilden", wurde sie mit der Zeit zu seiner Geliebten, die er schließlich auch mit nach Preußen nehmen sollte. Machbuba starb jedoch kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland und wurde in Muskau beerdigt, wo ihr Grab heute noch gepflegt wird.

Nach seiner Rückkehr nach Preußen Ende 1839 veröffentlichte Pückler seine Reiseerinnerungen. Doch der Erfolg seiner Bücher half ihm wiederrum nur kurz aus seiner finanziellen Misere heraus. Im Jahr 1845 musste er Schloss Muskau und seinen geliebten Park verkaufen und zog in das kleinere Schloss Branitz, das sich ebenfalls in Familienbesitz befand.

Hier legte er einen neuen Park an, in dessen Zentrum er sich in einer Seepyramide bestatten lies.

Christine Pfeilschifter

© Qantara.de 2016

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