Für Hassan Fazili ist das nichts Neues, denn schon in seinem in Afghanistan gedrehten Kurzfilm "Mr. Fazili's wife" spielen Frau Fatima und Tochter Narges mit. Diesmal wird die ganze Familie zum Kamerateam, denn wenn Hassan oder Fatima, die auch Filmemacherin ist, nicht filmen, dann haben garantiert ihre Töchter das Telefon in der Hand.

Ein "Etappen-Dreh"

So sind Hunderte Stunden Filmmaterial entstanden, aus denen Hassan Fazili und sein Produktionsteam auswählen mussten. Diese Selektion und der Rohschnitt des Films fand schon statt, als die Familie noch auf der Flucht war: Auf allen Stationen organisierten die Produzenten von New York aus, dass vor Ort fertiges Filmmaterial entgegengenommen wurde, während der Regisseur ständig Links mit neuen Versionen des geschnittenen Materials erhielt.

So entstand Stück für Stück der Film, die finale Version in gemeinsamen intensiven Tagen in Deutschland. Die aufwendige digitale Nachbearbeitung des Filmmaterials holt aus der technisch begrenzten Qualität der Mobiltelefone Erstaunliches heraus, so dass Fazilis magisch schöne Bilder auch auf der großen Kinoleinwand bestehen können.

Schließlich kommt für die Familie die erlösende Nachricht: sie stehen auf Platz eins der Liste und können ins Transitlager Roszke nach Ungarn weiterreisen. Es folgen nochmal drei frustrierende Monate Wartezeit und Ungewissheit, in der sie diesen Ort nicht verlassen dürfen. Dann geht es weiter zur vorerst letzten Station: Nach Deutschland.

An dieser Stelle endet der Film, aber ganz vorbei ist die Reise noch nicht: Der Asylantrag wird abgelehnt, ein Widerrufverfahren läuft. Ein Regisseur, der von den Taliban verfolgt wird, dokumentiert durch einen preisgekrönten Kinofilm (beim Sundance Festival erhielt der Film einen "World Cinema Documentary Special Jury Award for No Borders"), wird abgelehnt? Kaum zu fassen. Aber Fazili nimmt es gelassen: "Wir haben jetzt einen besseren Anwalt", sagt er. Seine Energie braucht er für andere Dinge: Den Regisseur beschäftigen schon wieder Ideen für neue Filmprojekte.

René Wildangel

© Qantara.de 2019

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