Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten

Abdel Fattah al-Sisis Suche nach einem Feigenblatt

Vom Prestige großer Sportturniere profitiert meist auch das ausrichtende Land. Im Falle Ägyptens wird die Handball-Weltmeisterschaft 2021 allerdings wenig zur Verbesserung der Beziehungen zu den USA, Italien oder den arabischen Golfstaaten beitragen, meint James M. Dorsey in seinem Bericht.

Präsident Abdel Fattah al-Sisi, der sich selbst als Oberbefehlshaber der ägyptischen Streitkräfte an die Macht putschte, sieht in der Handball-WM eine gute Gelegenheit, sich in ein vorteilhaftes Licht zu setzen – dies allerdings zu einer Zeit, in der Ägypten bei seinen engsten regionalen und globalen Partnern auf heftigen Gegenwind stößt.

Eine erfolgreiche Ausrichtung der 27. Handball-Weltmeisterschaft der Männer 2021 in Kairo und Alexandria, an der erstmals 32 statt 24 Mannschaften teilnehmen, wäre auch ein gutes Argument, um der Kritik am Umgang der Regierung mit der Corona-Pandemie etwas entgegensetzen zu können. Erst unlängst räumte die ägyptische Gesundheitsministerin Hala Zayed ein, dass weit mehr Ägypterinnen und Ägypter an dem Virus erkrankt seien, als die Regierung bisher gemeldet hat. Eine erfolgreiche Austragung würde zudem Hassan Moustafa, dem aus Ägypten stammenden Präsidenten der Internationalen Handballföderation (IHF), ein Denkmal setzen.

Wegen der Pandemie hat Ägypten strikte Vorkehrungen für das Turnier  getroffen. Diese gelten für Mannschaften, Funktionäre und Journalisten ab deren Ankunft am internationalen Flughafen Kairo. Die Maßnahmen greifen auch bei Training, Unterkunft, Medienkontakten und dem Pendelverkehr zwischen den Hotels und den vier vorgesehenen Spielstätten. Ägypten setzt offenbar alles daran, dass die WM nicht zur Verbreitung von COVID-19 beiträgt.

Entsprechende Sorgen veranlassten die IHF und die ägyptischen Behörden in letzter Minute dazu, ihre ursprüngliche Planung zu ändern und die vier Spielorte für Zuschauer zu sperren: den Cairo Stadium Indoor Halls Complex – die Handballhalle in der neu erbauten Hauptstadt Ägyptens östlich von Kairo –, die Dr. Hassan Moustafa Sports Hall in der Nähe von Giza und die Borg Al Arab Sports Hall in der Nähe von Alexandria.

Die ägyptische Mannschaft posiert vor dem Eröffnungsspiel der Handball-Weltmeisterschaft der Männer 2021 zwischen den Mannschaften der Gruppe G Ägypten und Chile in der Sporthalle des Kairoer Stadions in der ägyptischen Hauptstadt am 13. Januar 2021. Foto: Getty Images/AFP/Pool/Mohamed Abd El Ghany
Nationales Prestige vor Bekämpfung der Pandemie: Ägypten richtet das Handball-Turnier aus, obwohl das Land offenbar noch nicht einmal in der Lage ist, das medizinische Personal angemessen vor Corona zu schützen, das an vorderster Front gegen die Pandemie kämpft. Ärzte und Pflegepersonal protestierten gegen die hohe Zahl von Infektionen in ihren Reihen, weil es ihnen an ausreichender Schutzausrüstung fehlt und ihnen Haftstrafen drohen, falls sie trotz der Gefahr für ihr Leben vom Dienst fernbleiben. Wegen dieser Proteste wurden mehrere Ärzte unter Terrorismusverdacht verhaftet.

Medizinisches Personal ohne Corona-Schutz

Die IHF erklärte, man habe die Entscheidung wegen „der aktuellen COVID-19-Lage und der Bedenken, die unter anderem von den Spielern selbst geäußert wurden,“ getroffen.

Kritiker werfen Ägypten vor, das Turnier auszurichten, obwohl das Land offenbar noch nicht einmal in der Lage sei, sein medizinisches Personal grundlegend vor Corona zu schützen, das an vorderster Front gegen die Pandemie kämpfe.

Ärzte und Pflegepersonal protestierten gegen die hohe Zahl von Infektionen in ihren Reihen, weil es ihnen an ausreichender Schutzausrüstung fehlt und ihnen Haftstrafen drohen, falls sie trotz der Gefahr für ihr Leben vom Dienst fernbleiben.

Wegen dieser Proteste wurden mehrere Ärzte unter Terrorismusverdacht verhaftet. Dies ist bezeichnend für Sisis brutales Vorgehen gegen jede Art von Kritik.

Davon abgesehen, dass eine Handball-WM im Vergleich zu einem Mega-Event wie einer Fußballweltmeisterschaft oder den Olympischen Spiele weit weniger Prestige abwirft, ist es unwahrscheinlich, dass dieses Turnier Sisis knallhartes Vorgehen gegen jeden, der seine frei Meinung äußert (außer seinen unterwürfigen Anhängern), verdecken kann.

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