Auch beim ZDF ist Topel für das Magazin "Frontal 21" und andere Redaktionen tätig. Für das Investigativ-Flaggschiff des Senders entstand 2017 unter seiner Co-Autorenschaft ein Beitrag über Erdoğans Repressionsapparat. Laut Pressetext kam darin auch Ercan Karakoyun zu Wort. Das ZDF sieht als einziger in dem Zusammenhang angefragten Sender Klärungsbedarf: "Grundsätzlich unterliegen freie Mitarbeiter keiner Genehmigungspflicht für die Ausübung anderweitiger Tätigkeiten. Dennoch führen die zuständigen ZDF-Redaktionen mit Hüseyin Topel Gespräche über seine weiteren Tätigkeitsfelder als deutsch-türkischer Journalist", teilt die ZDF-Pressestelle mit.

Für den Deutschlandfunk berichtet Topel in der Religionssendung "Tag für Tag" am 22. August 2016 über die Theologie Gülens. "Diese Darstellung leistet der Beitrag 'Der vergessene Gelehrte', erklärt die Pressestelle des Deutschlandradios. Der Sender sieht keinerlei Grund zu einer Beanstandung im Sinne einer nicht sachlichen oder parteiischen Berichterstattung. Das gelte auch für andere Beiträge für die Politik-Redaktion des DLF, in denen es um den Umgang von Erdoğan mit Kritikern ging. Auch dass Topel seinen Geschäftspartner Aktürk in einem Beitrag als "deutsch-türkischen" Journalisten zu Wort kommen lässt, ohne den Hörer über deren geschäftliche Verbindung zu informieren, sieht der Sender als unproblematisch an.

Aktürk hat in der Vergangenheit unter anderem für "cicero-online", die Online-Plattform "Huffingtonpost" und die "Südwestpresse" (swp) zu Erdoğans Repressionspolitik geschrieben. In zwei Artikeln aus dem Jahr 2017 für die "swp" kommen Gülen-Anhänger zu Wort, die auf der Spionage-Liste stehen sollen oder Probleme bei der Einreise nach Deutschland bekommen.

An keiner Stelle erfährt der Leser davon, dass der Autor selbst für die "Zaman" in Düsseldorf gearbeitet hat und mit einem bekennenden Gülen-Mitglied gemeinsam die Agentur "Pinien Art & Media" gegründet hat. Die zuständige Redakteurin habe von einer möglichen "Gülen-Nähe" des Autors nichts gewusst, heißt es auf Anfrage. Die Zusammenarbeit sei aus anderen Gründen beendet worden. Aktürk selbst hat auf Fragen zu seiner journalistischen Tätigkeit und einer möglichen Nähe zur Gülen-Bewegung bislang nicht geantwortet.

Hüseyin Topel; Foto: picture-alliance/dpa
Angesprochen auf die familiären und geschäftlichen Verbindungen ins Gülen-Umfeld sagt Topel, er sei kein Gülen-Anhänger. Sein Vater sei an der Gründung eines Nachhilfevereins der Bewegung beteiligt gewesen und habe bei der Gründung einer Gülen-nahen Schule in NRW mitgewirkt. Ihn deshalb in die Nähe der Bewegung zur rücken, bedeute, ihn "in Sippenhaft" zu nehmen.

Rettung eines Gülen-Mediums

Die Verbindungen von "Pinien Art & Media "-Mitbegründer Köktaş zur Gülen-Bewegung gehen noch weiter. Als Vorsitzender ist er laut Homepage in dem Verein "Deutsch-Türkischer Journalismus und Recherche e.V." aktiv, der das DTJ weiter betreibt. Mit im Vorstand des Vereins ist Süleyman Bağ, der lange Jahre in leitender Funktion beim DTJ war. "Wir haben uns gemeinsam mit Süleyman Bağ nach der Lossagung von der "World Media Group" in Mitte 2017 entschieden: Das DTJ soll ein Nachrichtenportal sein, bei dem alle Meinungen vielfältig vorkommen und nützliche gesellschaftliche Debatten anstoßen, bei dem kritische Berichterstattung in allen Themen möglich ist", erklärt Köktaş auf Anfrage.

Die "Pinien Art & Media" hat nach Angaben von Köktaş rund 20 freie Mitarbeiter. Es sei ihm nicht bekannt, ob unter ihnen Gülen-Anhänger seien, so Köktaş. Bei der Beschäftigung ginge es um ihre berufliche Qualifikation. Auf Anfrage, wie viele der freien Mitarbeiter journalistisch tätig sind, kam bislang keine Antwort von dem Unternehmen.

Angesprochen auf die familiären und geschäftlichen Verbindungen ins Gülen-Umfeld sagt Topel, er sei kein Gülen-Anhänger. Sein Vater sei an der Gründung eines Nachhilfevereins der Bewegung beteiligt gewesen und habe bei der Gründung einer Gülen-nahen Schule in NRW mitgewirkt. Ihn deshalb in die Nähe der Bewegung zur rücken, bedeute, ihn "in Sippenhaft" zu nehmen. Auch dass er nach seinem Studium bei der "Zaman" in Düsseldorf als Redakteur angeheuert hat, lässt er als Beleg für eine Gülen-Nähe nicht gelten. Er legt Wert darauf, dass es sich um eine Halbtagsstelle gehandelt habe. Die Mitgliedschaft von Köktaş bei der Gülen-Bewegung spiele für ihn genau so wenig eine Rolle wie dessen Engagement für die Rettung des DTJ. Topel und Aktürk haben in der Vergangenheit selbst für das DTJ geschrieben.

Volker Siefert

© Deutsche Welle 2018

Redaktioneller Hinweis: Die Journalisten Topel und Aktürk haben jeweils auf Nachfrage mitgeteilt, sie seien weder Anhänger noch Sympathisanten der Gülen-Bewegung.

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Leserkommentare zum Artikel: Die Gülen-Bewegung und die deutschen Medien

so ließe sich der Artikel zusammenfassen.

Das Erscheinungsbild der Hizmet-Bewegung ist ausgesprochen ambivalent. Inhaltlich changierend zwischen mörderischen Fundamentalismus und Akzeptanz einer multireligiösen Welt und strukturell einerseits als Untergrundkirche organisiert, andererseits aber über Schulen und Medien die Öffentlichkeit suchend, läßt sich die Organisation kaum in Schubladen packen.

Meiner Beobachtung nach ist die Idee EINER Hizmet-Bewegung kaum noch aufrecht zu erhalten.
Es ist kaum wahrscheinlich, daß die ertappten Organisationsmitglieder in der Putschnacht sich nur zum Blümchenflücken auf dem Militärflughafen rumtrieben, es ist aber auch unwahrscheinlich, daß eine straff organisierte Truppe, die in allen Schlüsselpositionen des Staates stark vertreten war, bei einem Putsch nicht mehr erreicht als ein Operettenensemble: Ein paar hübsche Bilder für die Medien, aber kein einziges nennenswertes strategisches Ziel wurde in der Putschnacht erreicht.

Wenn ich schreibe Hizmet ist - historisch bedingt - wie eine Untergrundkirche organisiert, so heißt das, sie ist wie jede andere funktionierende Untergrundorganisation strukturiert, also auch z.B. die organisierte Kriminalität. Strukturen haben den Hang inhärente Ergebnisse mit einer gewissen Zwangläufigkeit auch tatsächlich zu produzieren. Der Tag an dem eine Hizmet-Mafia aufgedeckt wird ist nur eine Frage der Zeit. Es sei denn, Hizmet Deutschland entschließt sich zuvor zu einem Strukturwechsel. Ob die Organisation das schafft, ist z.Z. völlig offen. Da diesbezüglich meiner Kenntnis nach aber kein Problembewustsein vorhanden ist, darf man da gerne schwarz sehen.

Wenn man so will, kann man aber gleichzeitig auch ein Auseinanderfallen der Bewegung erkennen. Die inzwischen mehrjährige Verwurzelung der verschiedenen nationalen Sektionen zeigt deutliche auch inhaltliche Anpassungen an lokale Gegebenheiten.

Hizmet die kommenden Jahre zu beobachten, wird ein spannendes Unterfangen sein.

Wolfram Obermanns11.09.2018 | 23:52 Uhr

Gülen nich gut für unsere Land Turkei. Ist Betruger und religioes fundamentalis.

Turkman Besch12.09.2018 | 11:17 Uhr