Geschichte der Frauenrechtsbewegung am Golf

Kampf um Anerkennung und Würde der arabischen Frau

Schon bevor die Frauen am Golf überhaupt das Recht auf Bildung erhielten, stärkten sie die wirtschaftliche Grundlage ihrer Familien und übernahmen verantwortungsvolle gesellschaftliche Rollen. Die Schriftstellerin Hana Bu Hejji aus Bahrain mit einem Rückblick

Jene Gesellschaft verherrlichte ihre Männer für die harte Arbeit, die sie außerhalb des Hauses zum Wohle ihrer Familie verrichteten, während Frauen nicht nur stillschweigend ihre gesellschaftlich vorgeschriebenen Funktionen in Haushalt, Familie und Kindererziehung ausfüllten, sondern am Rande auch mit anderen Arbeiten Einkommen generierten, das den Lebensunterhalt der Familie verbesserte, wie Näharbeiten, Handel mit simplen Produkten oder einfache kosmetische Dienstleistungen.

Dennoch verbannten die Gesellschaften der Golfstaaten die Frau, mal unter dem Vorwand von Tradition oder Religion, mal mit der Behauptung körperlicher und geistiger Überlegenheit des Mannes, in die hintere Reihe. Diese gesellschaftliche Diskriminierung erstreckte sich bis zu den Gesetzgebern, die ihnen viele Rechte, die ihnen als Individuen und Staatsbürgerinnen eigentlich zustanden, verwehrten.

In einigen Ländern wurde ihnen lebenslange Vormundschaft von einem Mann auferlegt, wie einer Minderjährigen, die noch nicht alt genug ist, um selbst Entscheidungen zu treffen. Das unbegreiflich Paradoxe: Die meisten der Gesetze boten diesem angeblich schwächeren Geschöpf nicht den Schutz, den ihre konkrete Situation erforderte, sondern untergruben ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Sicherheit.

Führende Rolle Bahrains

Vor diesem Hintergrund war es unumgänglich, dass sich die arabische Frau erheben würde, um für ihre Rechte zu kämpfen - und dies geschah in der Mitte des letzten Jahrhunderts in Form der Frauenbewegung. Dabei führte Bahrain die anderen Golfländer an, denn schon 1955 wurde hier die Nahda Bahrain Young Ladies Association gegründet.

Der heftige Widerstand von Gesetzgebern und Entscheidungsträgern, der der Frau in ihren Forderungen nach Veränderung entgegenschlug, spiegelte die wachsende Angst des Mannes vor einer Verschiebung des Kräftegleichgewichts zugunsten der Frau wider, als wäre jede Errungenschaft der Frau gleichbedeutend mit einem Verlust für den Mann.

Vom modernen Verständnis von Entwicklung, der den Beitrag jedes einzelnen Individuums samt seiner/ihrer Fähigkeiten als wichtig für die gesellschaftliche Entwicklung erachtet und jeglichen Ausschluss individueller Arbeitskraft – von Frauen wie auch Männern – als einen Schaden, und zwar in erster Linie für die Gesellschaft und weniger für die diskriminierte Frau, erachtet, waren diese Gegner noch weit entfernt.

Strukturen der Frauenbewegung im Laufe der Zeit

Die Etablierung organisierter Strukturen in der Frauenbewegung zum Ende des 19. Jahrhunderts stellte für die Frau den ersten Schritt für ihr Engagement im weiteren arabischen Raum dar.

In Bahrain und Kuwait war die Präsenz der Frauenbewegung stärker als in anderen Golfländern, da hier die Schulbildung von Mädchen früher begann und beide Länder von anderen arabischen Frauenbewegungen und den Schriften von AktivistInnen beeinflusst waren. In Bahrain hinterließ die frühe Mädchenbildung eine deutlich aktive Generation junger Frauen, die die bahrainische Gesellschaft im Vergleich zu ihren Golfnachbarn mit großen Schritten voranbrachte.

Die erste informelle Schule für Mädchen gründete 1899 die Frau des Missionars Samuel Zwemer. Bis zur Einführung des formellen Unterrichts im Jahr 1928 wurde die Schule trotz ihres missionarischen Charakters doch von einer nicht geringen Zahl von Mädchen besucht. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die bahrainische Frau bereits große Fortschritte gemacht und sich in gesellschaftlich einflussreichen Rollen eingebracht, besonders in den Zeitungen und anderen Medien.

Dr. Sabika al-Najjar und Fawziah Mattar schreiben in ihrem Buch Frauen Bahrains im 20. Jahrhundert, dass "Bahrain in den Fünfzigerjahren eine Öffnung erlebte, durch die das Land empfänglich für Einflüsse durch die Frauenbewegungen in Ägypten und der Levante, Denker jener Zeit wie Rifa'a al-Tahtawi und Qasim Amin, Pioniere wie Huda Sha'arawi und May Ziade und viele andere war".

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