Ägyptische Jugendliche rebellieren mit ihrem Verhalten nicht nur gegen ihre Eltern (was in einem bestimmten Alter eigentlich normal ist), sondern gegen jahrhundertealte Gesellschaftsnormen. Dann beschweren sich die Eltern und vergleichen ihre Kinder mit sich selbst als Jugendliche, um zur üblichen Feststellung "so schwierig sind wir nie gewesen" zu kommen. Aber hier kommt die Frage: Wenn eine Person sich in einer bestimmten Art benimmt, nur weil sie keine Alternativen kennt, ist es dann eine Frage des Willens?

Kein bedingungsloser Gehorsam

In östlichen Kulturen, inklusive der ägyptischen Kultur, wird hauptsächlich aus religiösen Gründen großer Wert auf das Verhalten gegenüber Eltern gelegt. Jedoch ist unter Ägyptern oft die Fehlinterpretation verbreitet, dass gutes Verhalten mit bedingungslosem Gehorsam, und zwar blinder Natur, zusammengefasst werden kann.

Eltern mit ihrem Kind bei McDonalds in Alexandria; Foto: © Goethe-Institut Kairo/Sandra Wolf
Tradition versus postmoderner Lifestyle: "Irgendwann wird es zu viel für die armen Eltern, für die McDonald’s, Jeanshosen und Michael Jackson höchste Modernität waren. Und genau wie der alte Spruch lautet: 'Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht', fühlt sich die ältere Generation dem schnellen Tempo und der materiellen Natur des 21. Jahrhunderts gegenüber oft entfremdet", so Engy Ashraf.

"Du weißt noch nicht, was gut für dich ist. Dafür bist du noch zu jung. Also musst du auf mich hören", so die gängigen Aussagen der Elterngeneration. Dabei ignorieren die Eltern eine wichtige Tatsache: Die heutige junge Generation wurde mit offenen Augen geboren. Wir wissen schon viel mehr von der Welt, als unsere Eltern wussten, als sie in unserem Alter waren. Eine Kindheit von absoluter Unschuld und Naivität hatten wir vielleicht in den ersten paar Jahren unseres Lebens erfahren, später dann nicht mehr.

Ob dies nun gut ist oder schlecht, ist nicht das eigentliche Thema. Wichtig ist, dass wir in einem Alter von, sagen wir mal, 16 Jahren in erster Linie nicht mehr Wissen brauchen, sondern Erfahrung. Aber unsere lieben Eltern wollen, dass wir zu Hause bleiben und nur noch für die Schule lernen! Woher soll dann die Erfahrung kommen? Und genau deshalb fühlen sich die meisten ägyptischen Jugendlichen nach ihrem Schulabschluss und manchmal sogar nach ihrem Bachelor total ahnungslos und verloren, weil sie weder zu Hause noch in der Schule etwas Praktisches von der "Außenwelt" gelernt haben.

Alternative Erziehungsmodelle

Anstatt zu Hause zu bleiben, um täglich für die Abschluss-Prüfung an der Schule zu lernen, sollten Eltern ihre Kinder ermutigen, die Welt mit eigenen Augen zu entdecken. Sie sollten Fehler zulassen und ständige Kritik sein lassen. "Unsere Eltern mögen uns nur, wenn wir das Richtige tun", "Ich habe oft Angst vor meinen Eltern": So fühlen sich viele ägyptische Kinder, weil ihre Eltern Fehlern meist nur mit Aggressivität, verbaler und körperlicher Natur, begegnen.

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