Die Werte der Verfassung vorleben

Was uns alle vereint, sind unser Grundgesetz, unsere Werte, unsere Moral - und unsere Verantwortung vor Gott. Der erhobene Zeigefinger alleine wird nicht helfen. Auch nicht allein harte Strafen für die widerlichen Hetzer. Wir brauchen ein Umdenken. Ein Umdenken durch ein größeres Miteinander.

Anfangen müssen wir damit sehr früh. Wer keine Islamisten, keine Antisemiten, Neonazis und Linksradikalen will, der muss schon bei den Kleinsten beginnen, die Werte unserer Verfassung, die Vorteile einer vielgestaltigen, bunten, offenen, auch internationalen Gesellschaft (vor) zu leben. Wir müssen uns viel mehr um die Bildung kümmern, eine tolerante, demokratische Bildung. Von der Kita bis zur Volkshochschule.

Vor anderthalb Jahren schlug ich, Raed Saleh, hier an selber Stelle vor, zum ersten Mal in der deutschen Geschichte eine Synagoge wieder historisch aufzubauen. Als Zeichen dafür, wie zentral das Judentum einmal in Deutschland war, und als Zeichen dafür, wo wir uns heute erneut verorten. Aus diesem Text ist inzwischen ein sehr konkretes Projekt geworden, über das von Washington bis Tokio berichtet wird und das auf dem besten Weg ist, bald umgesetzt zu werden.

Der Berliner SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh spricht während einer Klausur der SPD-Fraktion des Abgeordnetenhauses von Berlin. Foto: dpa-Bildfunk/Daniel Bockwoldt
Ein in Deutschland einmaliges Projekt: Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, setzt sich für den Wiederaufbau der von den Nazis zerstörten Synagoge in Berlin-Kreuzberg ein. „Als Zeichen dafür, wie zentral das Judentum einmal in Deutschland war, und als Zeichen dafür, wo wir uns heute erneut verorten,“ wie Saleh sagt.

Die ersten zwei Millionen Euro sind zusammen. Einige Berliner Moscheen haben angekündigt, für den Wiederaufbau Spenden zu sammeln. Aus jüdischer Sicht eine beeindruckende Geste. In dem Gebäude soll auch eine Kita entstehen, in der jüdische Kinder gemeinsam mit muslimischen, christlichen und nicht gläubigen Kindern spielen und gemeinsam die wunderbaren Werte unserer Verfassung erlernen.

Begegnung, Gespräch, Austausch

Genauso auf dem jüdischen Campus, der gerade in Berlin-Wilmersdorf entsteht. Zusammen setzen wir beide uns seit Jahren dafür ein, dass dieses wichtige Projekt gedeihen kann und bald Wirklichkeit wird. Ein zweistelliger Millionenbetrag konnte so zusammenkommen, der Grundstein ist gelegt. Zwar fehlen noch sechs Millionen Euro, trotzdem wächst das Projekt täglich.

Auf dem Campus werden sehr bald Jugendliche aus verschiedenen Religionen und Ländern in Kontakt treten, gemeinsam lernen, spielen, Sport treiben. Nur so kann aus der Unterschiedlichkeit ein Miteinander entstehen – durch Begegnung, durch Gespräch und Austausch.

Fast achtzig Jahre nach dem Holocaust gibt es nur noch sehr wenige Betroffene, die diese menschliche Katastrophe erlebt haben. Nicht zuletzt ihnen sind wir es schuldig, mehr zu tun, als Worte und Gesten auf schreckliche Taten folgen zu lassen. Lassen Sie uns heute damit beginnen!

Raed Saleh und Yehuda Teichtal

© FAZ 2019

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.